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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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natürliche Weise die Sprache, sondern, was noch viel mehr ist, die Fähigkeit gegeben,die Sprache auf naturgcsetzliche Weise zu entwickeln; je menschlicher also der Ursprungder Sprache ist, desto göttlicher ist er auch.

Desgleichen sind alle die Gegensätze, ob die Sprache dem Menschen angeboren oderanerzogen, ob er sie frei erfunden, oder nothwendig erzeugt, ob er sie absichtlich oderzufällig, willkürlich oder instinctiv, ob die Natur oder der Geist sie geschaffen, die Folgeneiner mangelhaften und einseitigen Vorstellung von der Sprache, welche als unzulänglicheund nichtige Katcgorieen sich erweisen, sobald man die wirklichen inneren Vorgänge beimSprechen, bei der Erlernung, Anwendung und Fortbildung der Sprache ins Auge faßt.

Welches ist nun der wirkliche Ursprung der Sprache nach dem Standpunct derheutigen analytischen Anschauung der Vorgänge im psychophysischen Organismus desMenschen? Ich bemerke ausdrücklich, daß innerhalb der Wissenschaft nur noch über dasMaß, die Reihenfolge, der constitutiv mitwirkenden Elemente und über die feinere Ana-lyse derselben gestritten wird; ein Streit, über welchen eine kurze Andeutung nur Jrr-thum und nicht Licht verbreiten könnte, welcher deshalb nur in den am Schluß ange-führten Werken zu studiren ist. (Vgl. besonders SteinthalUrsprung d. Spr." 3. Ausl.)Die rohen und abstracten Vorstellungsweisen früherer Zeiten finden sich nur noch außer-halb der Wissenschaft in den plötzlich einsetzendcn Reflexionen über die Sprache.

Um die Bedeutung d. h. den Sinn und das Gewicht der nachfolgenden Theorie zusichern, stellen wir einige wesentliche Sätze voran:

1. Sprache ist nicht bloß ein Mittel zur Mittheilung geistigen Inhalts von einerPerson an die andere, sondern eine bestimmte Weise, diesen geistigen Inhalt zu denken.Der Hörende (und Lesende) empfängt nicht bloß durch die Sprache den Gedanken,welcher mitgetheilt werden soll, sondern er empfängt ihn in der bestimmten Form, welcheer durch die Sprache angenommen hat. Diese bestimmte Form, in welcher der Inhaltsprachlich gedacht wird, ist für den Redenden selbst eben so wichtig und folgenreich, wiefür den Hörenden. Die Möglichkeit der Mittheilung ist nur eine aber bei weitem nichtdie wichtigste Eigenschaft der Verwandlung, welche ein geistiger Inhalt dadurch erfährt,daß er die Sprachform annimmt. Die Absicht der Mittheilung spielt in dem Komplexder Ursachen zur Spracherzeugung eine viel größere Rolle, als in den Folgen der-selben für die geistige Thätigkeit selbst.

2. Sprechen oder Laute erzeugen und Verstehen oder Laute vernehmen istnicht bloß ein körperlicher, physiologischer Vorgang, sondern zugleich ein seelischer, inwelchem der Laut gedacht wird.

3. Deshalb besteht auch die Sprache oder jedes Wort nicht bloß aus zwei Gliedernoder constitutiven Elementen, ans der Bedeutung des Wortes einer- und dem Lauteandererseits, (eine bis auf die neueste Zeit oft gehörte Annahme, welche das wirklicheVerständnis der Sprache am meisten verhindert!), sondern aus dreien: a) aus der Be-deutung des Wortes d. h. dem geistigen Inhalt, dem Gedanken, dem psychischen Ge-bilde, welches ausgedrückt werden soll; 1>) aus dem Lautcomplex, welcher sinnlich durchdie Sprachwerkzeuge hervorgebracht und vom Hörer durch das Gehörorgan sinnlich auf-gefaßt wird; o) aus der inneren geistigen Anschauung des Lautes, welcher sinnlich erzeugtoder vernommen wird. Hier, in o, und in o allein liegt das Band zwischen u und d.Der Gedanke, das innere geistige Bild z. B. eines Baumes, dieser bestimmten Pflanzehier ist etwas schlechthin anderes, als die drei Laute B, Au und M; und umgekehrtdie Laute ein schlechthin Anderes und Indifferentes gegen den Gedanken; aber der Lautund die Lautanschauung 1> und o sind nach ihrer Art verschieden, denn d ist einleiblicher, physischer, o ist ein geistiger Vorgang, aber logisch nach ihrem geistigen Inhaltsind sie identisch; der Laut ist die Verkörperung dieser Anschauung, die Anschauung istdas innere Bild des sinnlichen Vorganges; der Gedanke des Inhalts, die Bedeu-tung des Wortes a und der Laut d sind ihrem Inhalte nach durchaus verschieden,die Sache Baum ist ein ganz anderer Gedanke und an sich indifferent gegen den Laut