702
Sprache.
Baum und den Gedanken desselben, aber der Art nach sind sie gleich, denn beide sindpsychische Acte. In sofern man auch zu sagen pflegt, daß das Wort die Sache be-deutet, also durch das Wort Baum nicht bloß dieser geistige Inhalt, sondern die'Sache selbst bezeichnet werde, hätten wir vier Glieder als zwei Paare in dem Ganzendes Wortes oder des bedeutsamen Lautes: auf der einen Seite die sinnliche Sache undden seelischen Gedanken derselben, auf der anderen Seite die seelische Lautanschauungund den sinnlichen Laut. Dieser physische Laut wird zum Zeichen für die physischeSache, welche beide außerhalb unseres Geistes sind, weil das seelische Bild, der Gedankebeider im Geiste sich begegnen, und dergestalt mit einander verbunden sind, daß sie demeinfachen Bewußtsein als identisch erscheinen.
Den Ursprung der Sprache begreifen heißt also: Ansehen, wie die Laute (undLautanschauungen) entstehen, und wie die Verbindung derselben mit dem Gedankeninhalt,welcher ihre Bedeutung ausmacht, zu Stande kommt.
Alle Verbindung der geistigen Thätigkeit mit der leiblichen ist zwiefacher Art; sieist entweder receptiv oder productiv; entweder wird vermittelst der Sinnesorganeetwas von außen aufgefaßt, oder es wird L vermittelst der Bewegungsorgane nachaußen gewirkt und gehandelt.
L.. Jede Reizung eines Sinnes- oder eines sensiblen Nerven hat eine wirkliche und nichtwillkürliche Thätigkeit der Seele zur Folge und zwischen der Art und der Stärke der Sinnes-reize und der Art und Stärke der psychischen Reaction findet ein gesetzmäßiges Verhältnis statt.Auch die einfachste Warnehmung eines sinnlichen Dinges besteht aber nicht bloß aus einerphysischen Erregung und einer psychischen Auffassung, sondern jedes von diesen beiden bestehtaus zusammengesetzten Acten. 1. Die physische Erregung besteht u) in der Einwirkung einesäußeren Gegenstandes auf ein peripherisches Nervenende oder in der Reizung desselben;d) in der Reaction dieses Nervenendes auf jene Reizung, o) in der Fortpflanzung dieses (ausu und b entstandenen) Reizes auf dem Wege der Leitungsnerven, welche ll) im Centralorganeine bestimmte, dem u entsprechende Veränderung herbeiführt. In den Centralorganenhaben wir uns also Zielpuncte zu denken, welche von den durch den äußeren Vorgang ver-anlaßten, im Nervende entstandenen, auf dem Leitungswege fortgepflanzten Nervenreizenerreicht werden. Hier schließt die äußere Welt nach innen zu ab; die Bewegung deräußeren Tinge einschließlich unseres leiblichen Organismus hat ihr Ende erreicht. Durchdiese physische Erregung wird eine psychische Thätigkeit veranlaßt, welche weder im altensensualistischen Sinne rein passiv, noch im idealistischen Sinne rein activ, sondern schlecht-hin eine Einheit von beiden ist. Die Seele ist keine bloße theoretische Spiegel-fläche, ans welcher die von außen gegebenen Bilder widerstrahlen, noch auch ist sieeine freie malerische Kraft, welche Bilder von den Dingen entwirft. 2. In der psychischenErregung aber unterscheiden wir s.) jenen ursprünglichen, im Centralorgan perfect ge-wordenen Eindruck, welchen die Seele von der Außenwelt empfängt, oder die Auslösungoder Umsetzung des physischen Actes in einen psychischen, und d) die innere Anschauungdieses empfangenen Eindrucks oder die Erhebung desselben ins Bewußtsein. (Beweisder Verschiedenheit von u und d s. Leben der Seele II. 2. Ausl. S. 32 f.)
Das psychische Gebilde, welches in dieser Thätigkeit entsteht, nennen wir eine War-nehmung, und zwar entweder eine Empfindung, wenn es sich um die Warnehmung einerobjectivcn Erscheinung handelt (roth oder blan, süß oder bitter, hart oder weich,Ton A oder C u. s. w.) oder ein Gefühl, wenn ein subjectiver Zustand, eineLust oder ein Schmerz, Behagen oder Unbehagen von der Seele wargenommcn wird.Dieses psychische Gebilde ist aber, ob es gleich einen äußeren Gegenstand zu seinemInhalt hat, ein schlechthin Inneres; als geistiger Inhalt ist er dem gegebenen Object,auf das er sich bezieht, identisch oder proportional, in der Form seiner Erscheinungaber er ist von durchaus eigener, von dem materiellen Object durchaus verschiedener Art;denn die Empfindung des Manen ist nicht blau, die des Süßen ist nicht süß, die desSchweren, Harten oder Kalten nicht schwer, hart oder kalt; denken wir gleich an die