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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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Wissenschaft liegt. Im großen und ganzen folgt die Theilung und Scheidung dermenschlichen Sprache der ethnologischen Theilung und Ordnung des Menschengeschlechts;auch wohl in Bezug auf die Verhältnisse der Abstammung und Mischung. Aberwie aufwärts Völkerfamilien größere und übergeordnete, so bilden abwärts Volksstämme(Sachsen, Schwaben, Franken re.) kleinere und untergeordnete Einheiten gegen das Volk,und auch dem entsprechen dort Sprachstämme (germanisch, romanisch, slavisch re.) hierDialekte und Mundarten. Die früheren, abergläubischen und kindlich tastenden Vor-stellungen von einer Ursprache die in schönen Beispielen bei Max Müller (Vor-lesungen) anschaulich dargcstellt werden sind vor der entscheidenden Forschung Boppsverschwunden, welche ein zweifelloses Princip der Genealogie aufstcllt, an dessen empi-rischer Durchführung die ganze historische Schule gearbeitet hat, in welcher Männer wieGrimm, Pott, Schleicher, Kuhn, Curtius, Benfey u. a. hervorleuchten. Neben derethnologischen Spaltung steht eine andere völlig abweichende, der Natur und dem Wesen,der Form und der Leistungsfähigkeit der Sprachen entsprechende Classification derselbennach Typen und Arten.

Diese Theilung und Ordnung aller Sprachen hat, da jede dem Geiste des Volkesentstammt und auf ihn zurückwirkt, einen völkerpsychologischen Charakter. Darüber aber,ob dieser mit dem rein linguistischen Charakter, welcher nur auf die äußere Form derSprache sich stützt, zusammenfällt, ob beide gemeinsamen oder gleichen oder verschiedenenWerth beanspruchen dürfen, herrscht noch Streit (Schleicher, Max Müller, Steiuthal u. a.).Bildet auch jede Sprache eine Einheit, finden au derselben Veränderungen und zwarsolche von einem (mehr oder minder) durchgehenden regelmäßigen Charakter statt (Laut-verschiebung, Bedeutungswandel u. dgl.), und hat sie deshalb eine Geschichte: so darfman doch nie vergessen, daß man von der Entwicklung einer Sprache, vollends vonGesetzen dieser Entwicklung nur mit Vorsicht und Vorbehalt, genau genommen nur immetaphorischen Sinne reden kann. Wenn von Entwicklungsgesetzen der Sprache geredetwird, dann erscheint diese immer hypostasirt, als ob sie ein selbständiges, lebendes,wachsendes und absterbeudeS Wesen wäre, alles dies nur um gewißer thatsächlicher Ana-logieen willen, denen aber der innerste Kern der Gleichheit fehlt. Denn eine Spracheexistirt, lebt, wirkt und leistet nur in der psychischen und psychophysischen Function derer,die sie reden, und allenfalls auch in den dauernd fixirten (Schrift-)Zeichcn dieser Function;sie ist kein selbständiges Wesen, kein Organismus, sondern nur eine von organischenWesen vollzogene Thätigkeit. An jeder Sprache kann man Regeln ihres Bestandesund ihrer Wandelung beobachten; Regeln, aber nicht Gesetze. Die Gesetze, welchesie beherrschen, sind physiologische und psychologische Gesetze. Von sprachlichen Gesetzenim genauen Sinn zu reden ist derselbe (allerdings oft begangene) Fehler, wie wenn vonstatistischen Gesetzen geredet wird. Es gicbt Regeln, nach denen zählbare Ereignisseerfolgen; aber niemals ist in diesen Regeln die Bedingung oder die Ursache gegeben,daß sie erfüllt werden; die Ursachen und also auch die Gesetze sind in den physikalischenund psychologischen Wesen gegeben.

Für den Sprachbau wie für den Häuserbau giebt cs nur Regeln; auch der Häuscr-bau beruht schließlich auf Gesetzen, nemlich der Statik und der Aesthetik; aber es gicbtfür die Baukunst oder Bautätigkeit auf Grund dieser Gesetze nur Regeln.

Regel unterscheidet sich äußerlich, gleichsam symptomatisch vom Gesetz dadurch, daßes von der Regel Ausnahmen giebt, von dem Gesetz aber keine. In der Sprache giebtes kaum eine Regel ohne Ausnahme. Gesetzt aber es gäbe in ihr vollkommen aus-nahmslose Regeln des Bestandes und der Veränderung so würden diese doch nichtGesetze sein. Gesetz ist der Ausdruck für das constante Verhältnis zwischen den Be-dingungen und ihren Erfolgen. In der Sprache aber ist niemals die eine Erscheinungdie Bedingung (oder Ursache) der anderen, oder diese die Wirkung und der Erfolg vonjener. Wenn z. B. eine Lautverschiebung regelmäßig stattfindet, so ist nicht der frühere