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Lateinischer Unterricht.
würden die Gedichte abgeschrieben.*) Hier haben wir die Sache im Zusammenhängemit der Aufgabe des lateinischen Unterrichts zu betrachten.
Niemand wird verlangen, daß jetzt die Versification in dem Umfange betrieben werde,daß die Schüler in den poetischen Nachbildungen so weit kommen als in den prosaischen,aber sie haben einen guten Einfluß auf die Betreibung des Lateinischen überhaupt. Nie-mand wird in Abrede stellen, daß dadurch die Kenntnis der Prosodie und Metrik genauerwerde, deren wir bei der Dichterlectüre bedürfen; jetzt, wo das Verständnis für dieKunstform schwindet, mehr als früher. Die frühere Zeit fand in diesen Uebungen einegute Unterstützung für die prosaische Stilbildung. Das war besonders MelanchthonsMeinung z. B. in der Vorrede zu Micyllus: iliuck guogno voiim porsuasissimum ossoomnidus, guoä sst vorissimum, non posss oonsorvari tnoultatom roots soridonclassoiuiao orationis nisi laoultns lnoiunäoruin vsrsuum oonsorvotur, oder in den Versen:
llinc lador inxsnii virss aouitgus kovstgus,
Uino vsnit slocluii copia, korma, nitor,
und auch im 18. Jahrhundert sagte Valckenaer prosam orutionsm melius soribors guumvulZ -0 soleunt gut versus kuoiunt. Aus diesem Grunde haben die großen Stilisten desAlterthums viel Verse gemacht, nicht gerade zur Vermehrung ihres schriftstellerischenRufes, wie Cicero. In Bezug auf die Bereicherung des Wortschatzes kann man dieForderung zugeben, aber die poetische Darstellung gestattet eine große Freiheit in Figurenund Tropen und der uumorus pootieus ist von dem orutorius so wesentlich verschieden,daß dieser Einfluß sehr zweifelhaft erscheint. Und in der That sind gute lateinische Dichterin ihrer prosaischen Darstellung mittelmäßig gewesen und nur wenige iu utruguo orutiousgleich ausgezeichnet. Dagegen ist es sicher, daß die Dichter aufmerksamer und mit mehrVerständnis gelesen werden, wenn man etwas von der Technik versteht, daß der fremdeStoff und die fremde Sprache die geistige Kraft weit sicherer übt als deutsche Verse, daßes überhaupt ein ästhetisches Bildungsmittel ist.**)
Man wird sich dabei auf Reproduktion beschränken und nur das als Ziel setzen, wasalle Schüler erreichen können. Die Methode ergiebt sich leicht (Schräder S. 394—399").Sobald die Schüler die Bekanntschaft mit dem Baue des Hexameters und Pentameters,also der dactylischen Versmaße, erworben haben, gebe man ihnen versus iierturbati (auchturbuti, Gesner nannte sie „zerstreute") zur Wiederherstellung; die Epiker und auchMartial bieten den Stoff. Hase velut umdra versiüoutiouis (Vormb. I. 591). DieVerse sind erst ohne, dann mit Elisionen zu wählen, dann Distichen mit Angabe derVersabtheilung, nachher ohne dieselben. Ist dies genugsam geübt, so kann nian in dermutsriu pootion etymologische und syntaktische Veränderungen vornehmen, Epitheta aus-lassen, Synonyma vertauschen, so daß eine neue geistige Thätigkeit zu der Wiederherstellungder Ordnung hinzutritt. Bei weiterem Fortschreiten kann dies auch niit jambischen undandern Versen versucht werden. Hierauf kann man deutsche Verse zum Ucbersetzengeben; ***) erst ins Deutsch übertragene, welche zurück übersetzt werden, dann Texte mitmarkirter Auslassung einzelner Epitheta und Satztheile, deren Quantität angedeutet wird.Ebenso können auch griechische Verse ins Lateinische übersetzt werden, si) In Primawerden dieselben Hebungen mit den lyrischen Maßen des Horaz angestellt. Nur beigeübteren Schülern gebe man eine matorin, welche bloß den Inhalt und die Hauptge-danken enthält, alles übrige aber der eigenen Erfindung überläßt. — Neben diesemregelmäßigen Stufengange werden noch einige Uebungen erwähnt, über die ich keine Er-
*) Wir haben das in Pforte bei dem Jubiläum 1843 gesehen; die Engländer haben in Rugbydieselbe Erfahrung gemacht.
**) Wolf eonsit. 124. Kl. Schriften II. S. 959.
***) I. H. Ernesti llermeusut. prok. p. 164 empfahl besonders den Reineke Fuchs,s) Wolf consil. 122, 169. Arnoldt II. S. 256.