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Lateinischer Unterricht.
Lehrern für die Verwendung der Unterrichtsmittel freie Hand gelassen. Aber gerade dorthat Wichert förmliche Disputationen in wöchentlich einer Stunde gefordert. „Eine kurzeThese sei zu stellen, welche durch nicht mehr als zwei Argumente zu beweisen und durchzwei vorher bestellte Opponenten anzugreifen sei." Auch Schmalfeld und Münscher sinddieser Uebung nicht abgeneigt. Ich bin anderer Ansicht geworden, weil cs dabei nicht möglichist, allgemeine Vorbereitung und damit auch eine Betheiligung der ganzen Classe zu erreichen.Nach dem Aufgeben derselben bin ich zu der Erklärung Horazischer Lieder gekommen, sodaß akroamatischer und dialogischer Vortrag verbunden waren, aber auch hier habe icherfahren, daß immer nur wenige den Muth hatten in den Streit einzugehen und auchdiese oft in gehaltlosem Gerede, kraotieu sst muItiM.x. Seitdem habe ich mich mehrzu dem entschlossen, was Rieck (päd. Briefe S. 216) ein oollognium nennt: d. h. irgendeine Rede Ciceros oder eine andere Schrift desselben, die die Schüler vorher ordentlichgelesen haben müßen, wird Gegenstand der Besprechung. Die Sache ist den Schülernbekannt, alle müßen gleichmäßig darauf vorbereitet sein und cs kann sich eine ansprechendelateinische Unterhaltung darüber entspinnen.
Zu dem dialogischen Gebrauche gehört auch die lateinische Erklärung der Schrift-steller; dieselbe allein dem Lehrer zu überlassen würde nutzlos sein. Tie Frage, ob dieSchriftsteller lateinisch interprctirt werden sollen, wird^ jetzt vielfach ganz verneint, vonandern thcilweise je nach den Schriftstellern oder den vorliegenden Stellen zugelassen, vonandern sogar gefordert. Wichert verlangt, daß die lateinischen Schriftsteller lateinischinterprctirt werden, aber nicht die griechischen. Andere ziehen auch diese herbei (ich habeselbst die homerischen Dichtungen so mishandeln hören) oder machen höchstens einenUnterschied zwischen Prosaikern und Dichtern und nehmen bei jenen auch Demosthenesaus. Auch ein gemischtes Verfahren findet statt, indem man aus der lateinischenSprache in die deutsche überspringt und umgekehrt. Die Gegner sagen, die latei-nische Interpretation sei doch nur eine Lehrerthätigkcit, durch sie werde nie dieästhetische Seite der Erklärung zum Bewußtsein gebracht und überhaupt das Ver-ständnis des Schriftstellers erreicht werden. Eine allgemeine Regel läßt sich hiernicht geben, denn die Fähigkeit der Lehrer (und diese nimmt jetzt immer mehr ab),die Tüchtigkeit der Schüler (die Jahrgänge sind sehr verschieden) und die Beschaffenheitder Schriftsteller kommt dabei in Betracht. Der Unterschied zwischen Wort- und Sach-Erklärungen oder gar die deutschen ästhetischen Ergüsse find ganz unzuläßig. Daß derSchüler dadurch an schlechtes Notenlatein gewöhnt werde, kann nur geschehen, wenn derLehrer solches spricht. Ich wechsele gern zwischen beiden Sprachen, bevorzuge aberdie lateinische nicht: die Rücksicht auf Stimmung und Schriftsteller ist dabei maß-gebend. — Lange lateinische Einleitungen mag ich nicht, weil ich überhaupt Einlei-tungen für entbehrlich halte (vgl. S. 667). — Zur Methodik zu vergl. rl,. Unebner,clissert. gewinn cle exsreitntione stili 1659, Soldan S. 89, ganz besonders SchräderS. 389—394.
Lateinische Versification.
Aus der Bewunderung der lateinischen Schriftsteller gicng in der Zeit der Renaissancezuerst das Verlangen der Nacheiferung hervor und diese war nicht am geringsten auf dem
Gebiete der Dichtkunst. In der lateinischen Poesie suchten die Humanisten ihren Stolz
und sie versuchten sich in allen Theilen derselben von dem Epos bis auf die Elegie unddas Epigramm. Petrarca hat auf seine Asrica mehr Werth gelegt als auf alle Sonettean Laura. Daher heißen die Pfleger bis weit in das 16. Jahrh. hinein postus unddie Lateinschulen desselben heißen wenigstens im deutschen Süden Poetenschnlen, Poctcreicn.Allgemein verlangte man, daß der Rector ein guter, ein Conrector ein ziemlicher Poet sei.Wie weit das Interesse dafür sich verbreitet hatte, zeigen die reichen Sammlungen der
clelieias xostarum, die für die Kulturvölker Gruter, für den Norden und die Slaven
andere veranstaltet haben. In Deutschland haben die Münsterschen und schwäbischenHumanisten die Dichtung gepflegt und von ihnen hat Mclanchthon die Anregung erhalten.