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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

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lectüre nur daß daS Ziel hier zu eng gesetzt ist. Ich bin immer der Ansicht gewesen,daß man nicht früh genug an die Vorbereitungen des Sprechens gehen kann und daßman sie schon auf der untersten Stufe beginnen muß, wenn die Scheu davor wirklichüberwunden werden soll. Daher mein auf der Wiesbadener Versammlung ohne Wider-spruch angenommener Satz: Das Lateinsprechen kann schon auf der untersten Stufebegonnen werden. Wird der Elementarunterricht mehr auf mündliche Einübung beschränkt,hört der Knabe mehr lateinische Sätze, die er sofort in das Deutsche zu übertragen hat,prägt er seinem Gedächtnisse solche ein und dazu kleine Erzählungen und Fabeln, so stehtihm ein reiches Material zu Gebote, das auch beim Sprechen zur Verwendung kommenkann und die Fesseln der Zunge werden gelöst. Natürlich bleiben die Uebungcn nochinnerhalb des grammatischen Pensums, werden aber ein vortreffliches Mittel zur schnellenEinübung desselben. In den mittleren Elasten werden sich dieselben an die Lectüre anschließenmüßcn. Memorirte Abschnitte werden aus dem Gedächtnisse deutsch wiedcrgegeben, vondem Lehrer vorgclescnc Stücke in gleicher Weise; dann kommt das Retrovcrtiren desGelesenen, auch wohl das Variircn. Doch darf man nicht zu viel verlangen. Schmal-feld *) hat besonders Katechesen über Ncpos, Caesar u. s. w. empfohlen, die von einfachenWiederholungen der Worte des Textes zu umfangreicheren Antworten fortschreiten undschließlich dahin bringen, daß der.Jnhalt eines Lesestücks in längerer oder kürzerer Fassunggeläufig wiedcrgegeben werden kann. Schmalfeld verdarb damals die Sache durch etwaspedantische Fassung; ich selbst habe es wiederholt unter reger Theilnahme der Quartanerversucht und schon bei den lateinischen Fragen die gespannteste Aufmerksamkeit gefunden,tjuusrsucko st respoucksnäo muß man verfahren, nur nicht auf sogenannte freie Vorträgehinarbeiten, die nichts weniger als frei sind, sondern sorgfältig ausgearbeitct und wohlmemorirt. Der Schüler ist nicht befähigt auch über einen geläufigen Stoff 6x tomxoroeinen kurzen lateinischen Vortrag zu halten; es erfordern dieselben überdies viel Zeit,unterbrechen den Zusammenhang des Unterrichts und lassen die übrigen Schüler in Un-thätigkcit. Repetitionen der alten Geschichte in lateinischer Sprache werden weder derGeschichtskenntnis noch dem Sprechen Nutzen bringen.

Der dialogische Gebrauch hat sich viel mehr ausgebildet, zuerst in förmliche Dis-putationen, sodann in Colloquien, endlich bei der Erklärung. Die Disputationen warenzur Förderung der dialektischen Gewandtheit eingerichtet und wurden meist über Thesen,womöglich recht paradoxen Inhalts, veranstaltet. So schon Mclanchthon in der Nürn-berger Sch.-O. von 1626: iclom eertis tomxoridus äisputadit, ut xuori usum aliguemclialeotioes lladeaut 6t oolliZ-ero st vioia arZ'umontorum äsxrsuäors ckiseaut, eoutro-vsrsias xstot ox llistoriis; in der Goldberger Ordnung von 1546 (Vormb. I, 54):Dazu sollte einen Monat um den andern eine öffentliche visxutatio der Lectionen ge-halten werden," womit zu vergleichen die Bestimmungen in Brieg (S. 317) und ganzbesonders das S. 340 genau angegebene Verfahren: tlleiuata, clisxutatlouum sink droviaet rotuuäa, uumoro pauea: ar§umsuta opxosita, clialsctioormu more eoucffuautur: adoxponoutidus ultra tria argminouta uou sunt atksreuäa: clisxutatio ultra äuas lwrasnon sxt6uäa.tur: in oonksreuclo lucsat llumauitas, adsit clioaoitus, iracuuäia et moro-sitas: iu rospouäeuts 6t oppoueuto sit voritatis, oauäorm, trauguillitatis et mocksstiao,uou äissiäia serencli, coucorckiaiu ämsolvouckt et oa.luiuuia,uäi stuäium. Rector undLehrer haben jede Ausschreitung zu unterdrücken. Auch anderwärts sind genaue Anord-nungen getroffen, z. B. Vormb. I, 377, 419, 640. Und diese olsteotiouos und respou-slouos haben sich bis in unser Jahrhundert erhalten, so sehr man auch erkannte, daß siedoch nur zurgelehrten Windmacherei" gehörten. Neuerdings hat man sie wieder her-vorgesucht. Zwar die pommerschen Direktoren haben sich zu dem Satze geeinigt:Dis-putationen können nützlich sein, sind aber nicht nöthig" und die preußischen haben den

*) Wiener Philologenversammlung in'MützellZ Zeitschr. XII. S. 872 und Hochcggcr in derZeitschr. f. Oestcrr. Gymn. X. S. 368.

Pädag. Encyklopäd'le. XI.

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