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Lateinischer Unterricht.
leben, auf den Philologenvcrsammlungen zu Hamburg (S. 99) und in Wien (S. 142).Anderes Material liegt in Journalaufsätzen, wie von Schmitz und Genthe in der Zcitschr.f. GW. XXIII. S. 641—659 oder in Programmen-Abhandlungen, wie Io. Ollr. Ottoclo latiui sormonis usu muturius sxsrosnäo, Oips. 1714; Ltsubsr äs linAuas latinasusu nou tollsuäo, ssä oommsnäuuäo, Lippstadt 1818; K. A. Schirlitz äs lutiul logueuäiusu s solrolis Iruuäguuguum tollsuäo, Halle 1825; Weierstraß, Bemerkungen über dieUebungen im Lateinsprecheu, Deutsch-Crone 1859; Syren, über den mündlichen Gebrauch derlat. Sprache, Aachen 1869. Einzelne Regierungen haben auf die Nothwendigkeit besondershingewiesen, wie Preußen am 15. Dec. 1861, welches Rescript anordnet, daß in den Reife-zeugnissen der künftigen Theologen eine besondere Mahnung hinzugefügt werde, das Schreibenund Sprechen des Latein nicht zu vernachläßigen. Dort hatten die Theologen bei denCandidatenprüfungen traurige Erfahrungen gemacht, in Sachsen veranlaßen die juristi-schen Professoren eine ähnliche Verfügung. Die Universitäten dürfen am wenigsten sichbeklagen, denn sie haben den Verfall des Latcinsprechens verschuldet. Leider könnendie Professoren nicht mehr sagen, was die Ciceronianer des 16. Jahrhunderts oder großePhilologen des vorigen Jahrhunderts, wie Ruhnkenius, anführten, sie wollten durch dasSprechen ihre lateinische Darstellung nicht verderben. Denn die Behauptung von 8uu-otius (Minerva II, 571): gut lutius Zerrinnt, oorrumpuut iLtinitutsur ist einfach nichtwahr, wie die Schriften eines Wolf, G. Hermann, Böckh und Ritschl zeigen.
Daß trotz des immer mehr schwindenden praktischen Bedürfnisses die Gymnasiendas Latcinsprechen beibehalten, zeigt, daß sie sich ihrer Aufgabe als allgemeine Bildungs-anstalten bewußt bleiben. Es ist nicht mehr ein zu erreichendes Ziel, sondern ein Mittelzur Befestigung in der Kenntnis der Sprache. Zum raschen und leichten Verständnisder Schriftsteller ist auch einige Herrschaft über den mündlichen Gebrauch der Spracheerforderlich. Noch mehr aber übt es die Denkthätigkeit und gewährt eine vorzüglicheGymnastik des Geistes. Wer seine Gedanken unmittelbar in die logisch durchgebildetelateinische Sprache einkleiden will, der muß sich diese Gedanken vollständig klar machenund das Verhältnis derselben schnell überblicken. Auch zur Sicherheit des grammatischenund stilistischen Wissens trägt cs viel bei, weil es ohne lateinisches Sprachgefühl nichtmöglich ist. 2 *) Nicht mehr über alle Verhältnisse des gewöhnlichen Lebens wollen wirlateinisch reden, sondern nur über antike. Weiter gieng freilich das Gymnasium inGrciffenberg, welches die lateinische Sprache dem Gymnasium allein zuspricht und verlangt,daß es dieselbe bei allen Schulfeierlichkeiten, Entlassungen, Censuren, Einführungen aus-schließlich anwende. Wichcrt betrachtet es als ein Privilegium der Prima, auf welchesder Primaner stolz zu sein habe, daß in dieser Elaste die Interpretation lateinisch gegeben,daß bei der Besprechung der Aussätze, bei Exercitien und Extemporalien das lateinischeIdiom möglichst häufig gebraucht werde. Bei dem ersteren Vorschläge werden die Schülerder mittleren und unteren Elasten unbetheiligt bleiben, bei dem zweiten tritt der Uebel-stand, daß die Uebungen meist zu spät und in der Regel erst in der Prima begonnenwerden, recht grell hervor.
Wenn man glaubt, daß man nach siebenjährigem lateinischen Unterrichte in den zweiJahren der Prima auch Sprechen lernen werde, so täuscht man sich; wer noch die zweiJahre der Sccunda hinzunimmt, wird nicht viel mehr erreichen. Einen guten Schrittweiter gieng die vierte pommersche Directorenconferenz S. 103 in der Annahme derThesis: Die Uebungen im mündlichen lateinischen Ausdruck sind nothwendig, müßenaber schon in den mittleren Elasten mit Retroversionen und sodann mit lateinischenRekapitulationen einzelner in der Elaste gelesener Abschnitte der Schriftsteller begonnenwerden. Hierzu treten in den oberen Elasten referirende Vorträge über die Privat-est Masius' Jahrb. der Pädag. Bd. 98. S. 626.
**) v. Rutsch im philol. Anzeiger VII. S. 464 betrachtet es auch als ein Mittel gegen Frcund'schePräparationen und deutsche Uebersetzungen bei der Lectüre.