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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

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die lateinische Sprache bei allen Nationen im Kaufen und Verkaufen und andern Gelegen-heiten sich cxpliciren und helfen kann. Ja die Bürgerschaft beruhigte sich nicht bei denvom Rector Hanke gegebenen sieben Mitteln zur Verbesserung dieses oxoreitü und kam1700 mit einem neuen Za-avanuzu. *) Während man in der schlesischen Hauptstadt durchden Verkehr mit den slavischen und magyarischen Nachbarn auf den praktischen Nutzendes Lateinsprechens geführt war, haben diese selbst neuerdings die Wiedereinführung derungarisch-lateinischen Sprache verlangt.**) In Halle hielt man an dem Latcinsprcchennoch fest.Auf das Lateinreden, heißt es bei Vormb. III, 215, wird hie bei großenund kleinen gedrungen: und darf niemand weder mit seinem 6ommi1itous noch Infor-mators anders sprechen; cs wäre denn, daß er von diesem letzteren auf Tcutsch gefragtworden. Wer dagegen handelt, wird angemercket und muß von seinem Ksorsations-Geldeeinen gantzen oder halben Pfennig zur Straffe geben: welches Geld dann der Informatormonatlich unter die gantzc Elaste austheilt." Sogar auf den Wohnstuben, auf demSchulhofe, bei Spaziergängen wurde darauf gehalten (Vormb. III, S. 277). Wie trittes schon bei Gesncr zurück und in der sächsischen Ordnung von 1773 wird den Zöglingender Landesschulen nur angemuthet (Vormb. III, S. 646):Sie sollen aber auch in allenihren Reden alle niedrige, pöbelhafte Worte und Ausdrucke vermeiden: hingegen Achthaben, wie gelehrte, kluge und wohlgesittete Männer reden und ihnen nachahmen, in-sonderheit sich im Lateinreden fleißig zu üben suchen." Ernestis Schüler, Scheller, sonstein eifriger Verthcidiger des Schreibens, sagt sehr kühl (Anleitung S. 342),man sollejunge Leute zum Lateinredeu eben nicht sehr anhalten, denn a. wer viel redet, redet nichtimmer wohl und schreibt folglich nachher auch schlecht; b. wir lernen das Latein nur, umes zu verstehen und zu schreiben. Erst wenn sie im Schreiben fest sind, kann dann undwann Latein geredet werden über bekannte oder vom Lehrer erklärte Gegenstände." BeiF. A. Wolf finden sich sehr widersprechende Ansichten (Arnoldt II, 236). In dem Gut-achten über das preußische Prüfungsreglcment machte er 1812 die spöttische Bemerkung(6onsil. 197):Lateinreden auch? Das können ja auf den berühmtesten Universitätennicht drei Gelehrte, oft nicht der Professor slogusntiao, von Lehrern auf Schulen kaumsechs unter hundert." Und in der That machte er nur mäßige Anforderungen, denn erbeschränkt den Schulgebrauch auf Sachen, die mit dem Alterthum zusammenhängcn, willcs nur bei leichteren Schriftstellern gebraucht wissen und verabscheut das Notenlatein.Etwas weiter geht er in dem Briefe (6ousil. 137): Auch wäre zu wünschen, daß in denobersten Classen es schon auf einige Fertigkeit im Lateinsprechen angelegt würde. Angefangcnkönnte es in Secunda werden beim Lesen des Terenz. Dort giebt er auch lateinischeErklärung und Wiederholung in der Prima zu und noch mehr fordert er in der Selecta.Jetzt stellt sich auch hierin ein Gegensatz zwischen Nord- und Süddcutschland heraus.Nägelsbach zieht das Lateinsprechen der Schüler gar nicht in Betracht; der Lehrer könnees thuu bei der Erklärung, wenn er cs verstehe; wo nicht, werde er es besser unterlassen.Etwas billiger urtheilt Autcnrieth über diesen gelehrten Lupus: Wenn es in den oberenClassen systematisch vorbereitet ist, mag dieser Luxus gerne bestehen bleiben, denn für dieFertigkeit im Ausdruck ist er jedenfalls förderlich aber er begnügt sich mit Relationenund Recapitulationen über bereits Gelesenes durch die besseren Schüler. In Württem-berg, meint Roth S. 121, 214, 311, lasse eS sich nicht mehr halten. In Preußen solldem Schüler bei der Maturitätsprüfung Gelegenheit gegeben werden seine Geübtheit imLateinsprechen zu zeigen; ebenso in Sachsen, aber die Ergebnisse sind keineswegs befriedi-gend. Deshalb ist dort viel über den Gegenstand verhandelt, zum Theil amtlich, wiein der vierten pommerschen Directorcnconfcrenz S. 100105, in der fünften und sechstenpreußischen S. 5358, thcils privatim, wie 1868 auf einer Versammlung in Oschers-

*) Schönborn hat in einer Gratulationsschrift 1853 Hanke's Anmerkungen von dem Lateinredender studirenden Jugend in Breslau abdrucken lassen.

**) Zeitschr. f. Oesterr. Ghmn. IX. S. 91. Das Progr. von Tirnau 1857 Liäas^ äs stilodsus latino.