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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

hafte Berücksichtigung bei den Brüdern vom gemeinsamen Leben, die doch sonst derVolkssprache großen Werth beilegen, aber in der Devcnter-Schnle jeden Schüler bestraften,dem ein deutsches Wort entschlüpfte. In Frankreich haben die Lehranstalten der nnivorsitsdas Sprechen bis in das vorige Jahrhundert streng bewahrt. Es galt als Grundsatz, wasMercier an dem coIIsAö äc Ravarrs in dem Verse ausspricht bllassitiuingnc xutat nativoiäiomato kari, auch als bereits die goldene Zeit der Litteratur gekommen und die aoa-äoinis lranyaisc gegründet war. Die deutschen Reformatoren haben darin nichts geändertund schon in dem sächsischen Schulplan heißt es (bei Vormb. I, S. 8):es sollen auchdie knaben dazu gehalten werden, daß sie lateinisch reden. Vnd die schulmeistcr sollenselbs so viel möglich nichts denn lateinisch mit den knaben reden, dadurch sie auch zusolcher vbung gewonnt und gereitzet werden." Bis zur Spielerei trieb es Trotzendorf.Der eifrigste Vertreter dieser latinitas ist I. Sturm, der es schmerzlich bedauert, daßunsere Knaben nicht mehr in cunsis matrum xuxillas lallaro eonLoosüunt,daß sie nicht schon mit den nntriccs Latein reden, daß in unfern Theatern nicht mehrPlautus und Terenz aufgeführt werden, um rechtzeitig die Empfänglichkeit für das Lateinzu wecken. Die Schule sollte dazu alle ihre Veranstaltungen benutzen, die xsulmoäiasund contionss, die scrixtionos, die äsclamutionss sowohl äs scrixto als msmoritsr,die ärumaiu und die lucii, endlich die collocntionss, welche zu förmlichen Disputationenwerden (Kückelhahn S. 126). In den actus oratorli werden Ciceros Reden nicht bloßrecitirt, sondern dramatisirt, der Proceß pro lloscio ^moriuo, xro drollig, xostu, odergegen Epaminondas nach Nepos vorgeführt und die vierte Catilinarische Rede in eineSenatssitzung umgewandelt. Bis in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts enthaltenalle Schulordnungen die Vorschrift, daß die Schüler nur lateinisch reden sollen und dieJesuiten haben es noch länger erhalten. Und da nun die Knaben bereits dazu angehaltenwurden, so erklärt sich die Beliebtheit der Colloquien-Sammlungen, in denen es anlormnlae xusrilium colloguiorum schon bei Erasmus *) (seit 1522) nicht mangelt undeine besondere Zusammenstellung ist von Sebald Heyden (1528, 1541) gemacht. Daher diefrühe Behandlung des Terenz, dessen Stücke sogar in den Kirchen aufgeführt wurden,daher die Schulkomödien, die Jahrhunderte hindurch sich gehalten haben. Das bezog sichauf die alltägliche Conversation und man führte für den Gebrauch nicht bloß die äiscönäalinAuu, sondern auch die krsnanäs. Farrnlitas an (Vormb. II, 15). Die Kenntnis derlateinischen Sprache hat dies gewiß wenig gefördert. Dazu mußten andere exsrcitia vivasvocis dienen, deren man dringend bedurfte, weil auf den Universitäten bloß lateinischeVorlesungen gehalten und zahlreiche lateinische Disputationen veranstaltet wurden, die ganzegelehrte Litteratur lateinisch war und auch die Canzleien meist in dieser Sprache schrieben.Das Latein war allgemeines Communicationsmittel der Gelehrten. Man hielt heimlichKundschafter (Inxi, obscrvntorss, corzwuoi), die diedeutschen Wäscher" zur Bestrafunganzeigen mußten (Vormb. I, 864). Wer in Heidelberg über Tisch deutsch redete, wurde mitder Ruthe gestraft (Vormb. I, 359); in Brieg mußten die deutschen Schüler auch beimSpielen lateinisch reden (a. a. O.343). (jni latms logni nsscinnt, in scllols, tucsnto, nisiglignick äiscsnäi causa sciscitsutnr heißt es in Augsburg (a. a. O. 442). Aber schonim 17. Jahrhundert beginnen die Klagen, daß das cxorcitium latmc lognonLi in Ver-fall gerathe (so Hoffmann v. Hoffmannswaldau 1666 in Breslau). Man schob alle Schuldauf die verkehrte Methode. Die Bürgerschaft in Breslau beklagte es 1707, daß dieJugend nicht rechtzeitig zum Sprechen angehalten werde. Auch die, welche Kaufleuteoder Handwerker werden wollten, sollten einen lateinischen tsrminnm verstehen und redenlernen, auch eine große Wortkenntnis erwerben, sintemalen ein Knabe, welcher etwas mitaus der Schule gebracht, bei Erlernung aller krokossionnm davon sehr viel profitirennnd in allen Aemtcrn als einen sittsamen und geschickten Bürger sich zeigen und durch

*) IV. Isrxstrs, äs O. bd conscribsnäis eolloguüs kniniliaribus cks suas nstntis iuvsinbusoptiins insrllo in den L^rnbolas iiternr. III. x. 1. Vormb. I, 21, 44, 204, 380, 418, 541, 638