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Lateinischer Unterricht.
sonst allgemeinen Praxis zurückkehrcu, daß man in einer Sprache erst dann schreibt, wennman sie spricht und dadurch in ihr denken gelernt hat. Hinsichtlich der Bchandlungsweisefragt es sich, ob man die Behandlung den Schülern auf gut Glück überlassen oder kurzeAndeutungen über Auffindung des Stoffes geben oder eine eingehende Besprechung überInhalt und Anordnung vorausschicken soll. Eine allgemeine Vorschrift läßt sich darübernicht geben. Wenn das Letzte bei Anfängern bisweilen nothwendig wird, damit sie dieFurcht überwinden (übereifrige Rectoren sollen es sogar bei den Aufsätzen der Abiturientengethan haben), so läßt es sich erklären; jedenfalls darf aber der Lehrer nicht so vielmittheilcn, daß der Schüler nur des Lehrers Gedanken aufschrcibt. Dabei wird dasHauptgewicht auf die Darstellung gelegt und doch ist auch der Inhalt wohl zu beachten.Der Vorwurf, daß diese Arbeiten Gedankenlosigkeit begünstigen, wird aufhören undCatos goldene Regel rem tens, vsrbu ssguentur sich auch bei der schriftlichen Dar-stellung bewähren.
Eine praktische Frage ist noch, ob man einer Classe nur ein und dasselbe Themagebe oder mehrere, um der Individualität der Schüler die Wahl frei zu lassen. Friedrichder Große gab den Rath, die Schüler müßten mehrere Themata erhalten, damit jedersich eines nach seinem Gefallen, seinen Fähigkeiten und Kräften ausführcn könne (Wolf,consil. selloi. S. 121), und Mützcll hat dies wiederholt. Aber es erfordert dies mehrZeit, setzt bei dem Lehrer einen großen Rcichthum von Aufgaben voraus und bringt denSchüler in die unangenehme Lage zwischen den Aufgaben hin und her zu schwanken unddamit viel Zeit zu verlieren oder aber eine bestimmte Gattung mit Vorliebe zu bevor-zugen. Dem einen Uebclstande könnte man entgegcntreten, wenn die Wahl zwar nichtauf der Stelle, aber doch zwei bis drei Tage nach dem Aufgebcn erfolgen müßte unddann unabänderlich bliebe. Zur Beurthcilung des Standpunctes der Schüler ist einThema zweckmäßiger; gemeinsame Arbeit an demselben Stoffe erleichtert auch das Durch-nehmen. Dazu kommt dann die gegenseitige Anregung der Schüler, die auch ihre Be-deutung hat. — Die Zahl der freien Arbeiten darf nicht so groß sein als früher; wirhaben als Primaner jede Woche eine geliefert und unsere Thätigkeit gieng ganz darin auf.Vier pflegen jetzt für ein Halbjahr vorgeschricben zu sein, werden aber nicht immererreicht; Schulrath Kruse verlangte eine Beschränkung auf höchstens zwei. Daneben istcs nothwendig, bisweilen eine Klausurarbeit anfertigen zulassen, schon um den Muth zustärken und die Sicherheit für die spätere Forderung bei der Maturitätsprüfung zu er-höhen. Bei der Corrcctur ist auf tatinitus und oxplunutio gleichmäßig zu achten; frei-lich hat man jetzt mehr mit Jncorrectheit und Germanismen zu kämpfen. Es kommtnicht darauf an, daß die verbesserte Form überall in murg-ins verzeichnet werde (schreib-selige Lehrer mit wenig Schülern lassen sich dazu leicht verleiten), sondern es genügt,fehlerhafte Stellen zu bezeichnen und mündlich Erläuterungen hinzuzufügen. Der Haupt-nutzen bei dieser Hebung liegt gerade in dem Anfertigen des Aufsatzes, da des Lehrers Durch-sicht nur der Sporn zu recht gewissenhaftem Fleiße dabei sein soll. Man darf nichtpedantisch mäkeln und tadeln, aber auch nicht enthusiastisch loben und noch viel wenigerzu allerlei Spielereien greifen, die eine besondere Anerkennung ausdrücken sollen, wiedas Vorlesen guter Arbeiten durch ihre Verfasser ist oder das Einträgen derselben in eingoldenes Buch u. dgl. So etwas macht eitel und ist guten Schülern selbst unangenehm.Wenn man mit Recht gesagt hat, nur der Schüler werde lateinisch gut schreiben, derauch lateinisch denken könne, so ist dies nur aus einer dreifachen Thätigkeit zu erreichen,aus fleißiger Lectürc, aus sorgfältiger Ucbung im Schreiben und aus dem Lateinsprechen,das daher besonders in Betracht gezogen werden muß.
Man hat besondere Sammlungen von Aufgaben als Hülssbücher für Lehrer undSchüler; nach unserer Anleitung werden dieselben ganz überflüssig. Die älteren vonSiutcnis (Züllichan 1808), Esmarch (Schleswig 1822) und Richter (Magdeburg 1828)berücksichtigen sowohl deutsche als lateinische Ausarbeitungen. Ob auch Bomhards The-mata zu Aufsätzen (Nürnberg 1861), weiß ich nicht. Tie neueren sind dazu verfaßt,