Lateinischer Unterricht.
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bei und lasse die Schüler bei dem unverhältnismäßig großen Zeitaufwand«: zu einemeingehenden Studium der Klassiker nicht kommen. Schließlich stimmte nur Deinhardtfür die Abschaffung und mit ihm fünf Rcalschuldirectvrcn. In einer VersammlungMecklenburgischer Lehrer 1873 ist eine Thesis von Raspe: „Der lateinische Aufsatz hataufzuhören obligatorisch zu sein, dagegen llcbertragungen ans reinem, vorzugsweise derwissenschaftlichen Sprache angehörenden Deutsch ins Lateinische mit aller Entschiedenheitbcizubehalten sind" mit kleiner Majorität angenommen. *) Auch Peter verwirft in seinem„eigentlichen Gymnasium" die freien Aufsätze, um Zeit für die Lectürc zu gewinnen; ergiebt nur schriftliche Hebungen zu, die sich unmittelbar an die Lectüre anschließen,vr. Sauer**) nennt den Aufsatz den wirklichen und wahrhaften Vampir des Gymnasiums;dieses Gespenst der Abiturientenprüfung sauge den römischen Klassikern und der unberufenenMehrzahl der deutschen Jünglinge das Blut aus und mache Aberglauben und Amulete allerArt; er schädige den Wahrheitsstnn, indem er Formeln statt Gedanken zu Tage fördere;er habe höchstens eine zünftige Bedeutung für künftige Philologen und darum müße erfacultativ werden. Schneider (Neu-Ruppin 1877) behauptet, in ihm habe die Schein-wisserei den treuesten Bundesgenossen und Vertreter, und der Verfasser des Buches „derhöhere Unterricht" Straßburg 1878 beseitigt ihn, weil es an geeigneten Lehrern immermehr und mehr fehle, dafür solle nach süddeutscher Weise eifriger Komposition getriebenwerden. Von den Vertretern der sogenannten nationalen Erziehung eifert der Verfasserdes gleichnamigen Buches S. 43 dagegen, weil die Forderung, ein gutes und gewandtesLatein zu schreiben, höchstens an den Philologen zu stellen sei, das Gymnasium sei dochkeine Vorbereitung für das philologische Studium. Laas schwankt, denn in dem Bucheüber den deutschen Unterricht S. 39, 55 wünscht er die Beibehaltung des lateinischenAufsatzes; in dem 1872 erschienenen Buche über die Pädagogik Sturms sagt er S. 113ganz kurz: der lateinische Aufsatz wird demnach fallen müßen, und in dem Buche „Gym-nasium und Realschule" 1875 S. 78 will er ihn erhalten, wenn ein Lehrer ihn zweck-mäßig behandelt. „Aber wie viele Lehrer giebt's denn auch, die den lateinischen Aufsatzfruchtbar und instructiv zu machen vermögen"? Man sieht den Einfluß seines Auf-enthalts in Straßburg auch darin, daß er ihn für die Maturitätsprüfung beseitigt.Lattmann (Reform des Gymnasiums 1873 S. 75) geht auch von der falschen Voraus-setzung aus, daß der Aufsatz die Basis des Gymnasialunterrichts sei und daß alles aufden lateinischen Stil bezogen werde. Dieser rein formale Zweck passe gar nicht zu derrealistischen Richtung unserer Zeit; verdränge man den Aufsatz von der Maturitätsprüfung,so werde er auch bald in den Gymnasien an Boden verlieren (es sollen nach ihm in Se-kunda gar keine, in Prima höchstens vier Aufsätze gemacht werden). In der Theoriehätten die Vcrtheidiger allerdings Recht, aber in der Praxis gehe cs nicht mehr; nurdas specifische Philologenthum halte daran fest und man scheue sich nur die Bedenken aus-zusprechen. Die Realschulmänner sind so furchtsam nicht; sie spielen gleich einen starkenTrumpf aus, indem sie die Vcrtheidiger als Nachtreter der Jesuiten brandmarken. SoKaßner die deutsche Nationalerziehung S. 61 ***) und ähnlich Ostendorf, der mit seinenAnsichten bei den Berliner October-Conferenzen (1873) S. 63 gar kein geneigtes Gehörfand. Diese haben bei ihrer Forderung der Gleichberechtigung der höheren Lehranstalteneinen ganz genügenden Grund für die Beseitigung, an den bildenden Zweck denken sie nicht.Bei dem Gegensätze zwischen Nord- und Süddeutschland ist es nicht zu verwundern, daß1867 Köchly viel Anklang fand mit seiner Thesis: „Ob und inwieweit freie lateinischeAufsätze den Schülern aufzugebcn sind, beibt dem Ermessen der Lehrer-Konferenz dereinzelnen Gymnasien anheimgestellt. In keinem Falle aber sind dieselben als Selbstzweckzu behandeln; sie haben daher möglichst auf die dem Schüler durch Lectüre und Schreib-
*) Zeitschr. f. G.W. Bd. 27. S. 686.
**) Zeitschr. f. G.W. 1874. S. 676.
***) Wmdt in der Zeitschr. f. G.-W. Bd. 27, S. 112.