674
Lateinischer Unterricht.
die Schönheit des Stils in die Rhetorik und, indem er sich zwischen Grammatik und Rhetorikin die Mitte stellt, beschränkt er sich auf das Verhältnis der Darstellungsmittel im Lateinzu denen im Deutschen. Daher seine Topik d. h. die Nachweisung der Fundstätten fürden dem Deutschen entsprechenden lateinischen Ausdruck und die Tropik oder Metaphorikd. h. die Lehre von dem Verhältnis der Metaphern in beiden Sprachen; er fügt in derArchitektonik die Formen der Sätze und Perioden hinzu. Das ist eine große Beschrän-kung, weil Grammatik, Lexikographie und Rhetorik wesentliche Theile zu der Stilistik liefernmüßen und die von N. gegebenen sprachvergleichendcn Bemerkungen sich viel besser beidem Uebersetzen aus dem Lateinischen verwenden lassen. Reinh. Klotz in dem Handbucheder lateinischen Stilistik (1874) geht nicht von dem Gesichtspunkte der deutschen Spracheaus, sondern versucht aus der Natur und dem innersten Wesen der lateinischen Sprachedie Anleitung zur Stilbildung zu entwickeln. Das aus Vorlesungen hervorgegangeneBuch ist brauchbarer als die Hefte Eichstädts in Jena oder Zumpts in Berlin, die ichin Nachschriften besitze. A. Wichert's lateinische Stillehre (1856) bespricht nur einenTheil des Satzbaues mit der Akribie der Lobeckschen Schule. M. Seyffert's sclmlaelatiimv behandeln in dem ersten Theile (seit 1855) nur die truotatio, in dem zweitendie Chrie (seit 1857); da sie aber für die Schule noch zu ausführlich scheinen, hatCapelle für den Gymnasialgebranch seit 1873 einen viel benutzten Auszug gemacht.An Seyffcrt und Nägelsbach schließt sich an R. Bouterwek ^.ävsrsarm Intina, Handbuchdes lat. Stils, Berlin 1876; er zieht aber manche Theile der Rhetorik herbei. Bergcr'svielfache stilistische Lehrbücher, zuletzt auch noch Anleitung und Materialien zur Anfertigungfreier lateinischer Arbeiten (1877) und Haacke's grammatisch-stilistisches Lehrbuch (seit 1867)und lateinische Stilistik scheinen viel benutzt zu werden.
Es handelt sich um die freien Hebungen, bei denen der Schüler beweisen soll, daßer seine lateinischen Kenntnisse auch zu eigenen Produktionen zu verwerthen im Standeist. Was die Römer hierbei gethan haben, ist S. 239 besprochen. Der Humanismusgieng bei seinen Hebungen von der imitativ aus, über welche Quintilian (X, 2) maß-gebend war*) und welche besonders von I. Sturm empfohlen wurde. Seine lidri IIIäv imitations orntoria (1574) beziehen sich auf alle schriftlichen Darstellungen und dieHervorhebung des Ideals in Cicero. Es ist verkehrt, daß K. v. Raumer darin nureinen geisttödtenden Mechanismus, eine Phrasencntlehnungstheorie, **) Dohlenstreicheerkennt, denn es handelt sich nicht bloß um die Entlehnung von Wörtern und Phrasen,sondern neben der Eleganz des Ausdrucks wird auch xruävntia und sanitas verlangt.Sturm hat sein ganzes Verfahren in dem Büchelchen äs vxvrvitationilms rimtoriois 1575praktisch entwickelt. So weit als in Straßbnrg ist man anderwärts nicht gegangen.Die württembergische K.-O. begnügt sich in der fünften Classe mit längeren und schärferenArgumenten (Vormb. I, 90 und wörtlich so in Sachsen S. 246), fügt aber hinzu: „sollenetwan eine vpistola, zu zeiten ein vxorclium, narrativ, locus communis, oonürmatio,xsroratio, äoscriptio alicuius rsi, tractatio kadnlas oder dergleichen ziroZ'Mmasmatafürgegeben und die aäolvseentvs dermaßen abgcricht werden, daß ihnen nachmals ganzeävolamationes zu schreiben minder schwer sei. Auf die xuritas lingmao soll dabei be-sonders gesehen werden und die Imitativ Oicvronis, sonst coacerviren die Knaben alleinviel ssntvntias aus andern scrixtoribus ohne allen Verstand und Urtheil zusammen."Und so finden wir auch anderwärts in den obersten Elasten ans dem Gebiete der Pro-gymnasmata Chrien und Exordien, sodann ganze Reden oder Lsclamationvs, endlich einThema vel vxistolari matoria vvl iüstorica (Vormb. I, 314, 416, 538). Es wurdenaber dergleichen Hebungen sehr häufig veranstaltet. Im 17. Jahrhundert ist darin weniggeändert, nur daß zu den vxistolas und ävelamationss noch sehr oft ckisxutationes hin-
*) Die Schriften derselben hat Hallbauer in der eollsotio oxusoulorum 6s imitations oratoria,leime 1726 zusammengestellt; nur Melanchthon ist unbeachtet in 6. U. I. p. 6. III, x. 538. XI,p. 59. XIII, p. 492., Sam. Pctitus 6s imitations reets mstitnsncla u. a. bei Walch bist. orit. x. 510-**) Vgl. auch L. v. Nanke's Werke Bo. 37. S. 43.