Lateinischer Unterricht. 669
Hausaufgaben (äomsstica) mäßen zahlreich sein. Hier soll sich die bewußte An-wendung der Regel zeigen, hier soll der Schüler an Sorgfalt gewöhnt werden. Der inWürttemberg noch heute übliche Name „Hebdomadar" deutet auf die Menge der Aufgaben;dort lebt auch noch das „Argumentum" in seiner naiven Verkleinerung als Argumcntle.Von der sächsischen Schulordnung an finden wir überall die Forderung, daß llsbäomatimein latmum scriptum o xsrmanico kactum geliefert werde; wo deren zwei verlangtwerden, ist das andere auf die Uebung ln Uxata orations zu beziehen. blxsrcitatio stM heißtes bei Vormb. I, 431, nullo umquam momsuto, nullo loco prastsrmittatur, st verumest, quocl lruic Z-gnsrl bona pars sruältlonls accspta rsksrrl äsbsat. Aber überallwird darauf gedrungen, daß die Argumente nicht zu lang sind, und nicht zu schwer, daßman dabei „die angehörten lsctionss" (Vormb. I, 84, 198) oder auch den Stoff derfrüheren Gassen (lblcl. S. 490) benutzen konnte. Die von Kelle angegriffene Praxisder Jesuiten stellt Ebner in der Beleuchtung S. 435 fgg. klar; rn der rsxstltioIiumaniorum mußte täglich Vormittags eine schriftliche Arbeit in Prosa und Nach-mittags entweder eine Komposition in Versen oder ein griechisches Pensum cingereichtwerden (Ebner S. 80). Uebungsbüchcr gab cs damals nicht, sondern der Lehrerdictirte einen deutschen Text, den der Schüler zu „transferiren" hatte. Jetzt bedarfes einer Anleitung,*) denn es ist ebenso unrichtig, dem Anfänger den Text in dieHand zu geben und es ihm zu überlassen, wie er damit fertig wird, als wenn manden ganzen Text vorher übersetzen läßt. In dem elfteren Falle veranlaßt man den
Schüler entweder fremde Hülfe in Anspruch zu nehmen, oder eine unbrauchbare Ueber-sehung zu liefern, deren Verbesserung die Geduld des Lehrers übersteigt. In dem andernFalle reproduciren die Schüler die Uebersetzung ohne weiteres Nachdenken ans demfrischen Gedächtnisse. Eine kurze Anleitung zu dem Verständnisse des Textes, Fragenüber Grammatik, Vocabeln, Synonyme werden dahin führen, daß fleißige Schüler fastfehlerfreie Uebersetzungen geben. Die Mehrzahl der Lehrer benutzt jetzt ein gedrucktesBuch, aber man kann dergleichen Bücher nie lange gebrauchen, wegen der für die Schülernaheliegenden Versuchung die Hefte ihrer Vorgänger zu misbrauchen, sogenannte Annalen.Das Beste wird sein, daß der Lehrer selbst die Texte mit Rücksicht ans die Lectüre unddas grammatische Pensum ausarbeitet. Wie Nepos dabei zu verwerthen sei, hat
G. Wagner gezeigt in der Zeitschr. f. GW. V, S. 834, wie Caesar Carl v. Jan indm Uebungen zur Repetition der lat. Syntax (Landsberg 1874), wie Cicero Küblerund Firnhaber. Aber es hat etwas ermüdendes, den Stoff der Lectüre noch einmal imUebungsbuche durchzuarbeiten. In den oberen Classen mäßen auch gute Texte deutscherSchriftsteller verwerthct werden, wie dies mit Nägelsbach begonnen hat; auch in andernAndern will man sich damit begnügen, z. B. Zedritz äs älsclxlina st stuülo latinarumlittsrarum (Upsala 1853): durch die opsra vsrtsuäi Luscana scripta in latlnumseriuonsm llrinantur virss animi, non kranAuntur, msutis sxsrcsnäas st inllustrlaassusscsnäi satis amplus sst locus, quonlam sins maZua äiliAsntia sisri non xotsst,ut quis quas sint ack vsrtsnäum proposlta accurats, propris, latins vsrbis sxxrlmat.Deutsche Schulmänner**) schlagen diese Uebungen höher an als die freien Aufsätze;jedenfalls wird dadurch die Selbstthätigkeit sehr angeregt und nach Ueberwindung derersten Schwierigkeiten auch die Lust erhöht. Schon die Periodenbildung schließt sich andas bei dem Uebersetzen aus dem Lateinischen Geübte eng an. Aber die vorhandenenllebungsbücher unterliegen doch mancherlei Bedenken, selbst die besseren. Dies ist nochmehr der Fall bei denen, welche ihre Texte auS Neulateinern entlehnt haben; wenndieselben noch dazu ganz undcutsch übersetzt sind, so ist es durchaus verwerflich sie zubenutzen. Nur die Bequemlichkeit oder Unfähigkeit der Lehrer trägt hier die Schuld, die
*) Möller, Bemerkungen und Vorschläge für den lat. Unt. auf den mittleren Classen der Gymn.,Prvgr. des Altstädter Gymn. in Königsberg 1864.
**) Schmitt die altclassischen Studien, insbesondere die lateinischen Stilübungen, Progr. vonWeilburg 1867,.