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Lateinischer Unterricht.
Anwendung einzelner Mittel der Rhetorik und Poetik. Damit würde die Grundlage für einästhetisches Urtheil gewonnen. Das ist etwas ganz anderes als jene ästhetische Rederei, diebei uns Klotz begonnen, Heyne mit seiner Unterscheidung des ksnsus g-rummutieus undxosticus oder subtilior fortgeführt und in seinen Anhängern zu phrasenrcichem Enthusias-mus ausgebildet hat. Wolf und seine Schüler (insbesondere I. Bckker) haben diese äsli-«stuli llomiuss, diese Belletristen und zuckersüßen Kraftmännlein, dieses butzumm ssstlreti-cum scharf gegeißelt; auch den Holländern war cs ein Greuel.*) Jetzt sind wir in dasentgegengesetzte Extrem verfallen und suchen einen Ruhm in ungemessenem Tadel. DasMeiste läuft iu dieser herben Beurthcilung auf subjectives Gefühl hinaus und wird wahr-scheinlich nicht eher aufhörcn, als bis die Technik der antiken Composition und die dabeivon den einzelnen Schriftstellern befolgte Methode genau erörtert sein wird. Daraus erstwerden wir lernen ästhetische Eindrücke auf ihre Gründe zurückzuführcn.
Auf solcher Grundlage muß der Inhalt des gelesenen Schriftwerks erforscht, dieDurchführung des Grundgedankens, die Einheit und das Ziel des Ganzen dargclegt werden.Das hat man jetzt wohl begriffen, wie viele Schulausgaben zeigen. Auch die sachlicheErklärung tritt immer mehr in ihr Recht ein. Die politische Entwicklung der Staatenin den letzten Jahrzehnten hat uns die klare Auffassung der Verhältnisse des Alterthumsmehr erleichtert als es manche gelehrte Schriften früherer Zeit zu thun im Stande sind.Es genügt oft ein Schlagwort, eine Parallele der Neuzeit, der sich ja der Philolog jetztweniger verschließt als der in seinem Museum abgeschlossene Gelehrte sonst that. Nurwird man sich hier vor Abschweifungen sorgfältig zu hüten und die Wahl taktvoll zutreffen haben. Wenn man in der preußischen Reaktionszeit die sittlich-religiösen An-schauungen des Alterthums durch ascctisch-moralische Betrachtungen im Interesse desChristenthums verwerthete und dieselben auch gewaltsam herbcizog, ja alle Lehrgegcn-stände zu religiösen Demonstrationen verwenden wollte, so war diese erbauliche Behand-lung zwar verkehrt, aber keineswegs neu. Schon im vorigen Jahrhundert war sie vor-gckommcn und nach dem Verfasser eines bekannten Andachtsbuchcs ein „Verkubachcn"genannt.**) Nur das ist zur Erklärung beizubringcn, was mit Nothwendigkeit für dasVerständnis des vorliegenden Textes erforderlich ist. Falsch ist es, wenn man sagt,in den untern Classen sei die Lectüre nur ein Mittel für den grammatischen Unter-richt und man brauche nicht alle Seiten der Erklärung zu berücksichtigen; nur wird hierfür das Grammatische der Schüler selbst einzutrcten haben, für das Uebrige der Lehrer;in den oberen der Schüler auf Grund guter Vorbereitung für alles mit Nachhülfe desLehrers. — Hier wird sich auch in vielen Fällen von der Erklärung die Kritik nicht trennenlassen, zumal wenn sich verschiedene Texte in den Händen der Schüler befinden.***) Dadrängt sich wirklich die Kritik auf, wie Nägelsbach S. 115 verlangt, aber man darf sieauch suchen. Wolf geht zu weit, wenn er die vuristus sorixtuE als Gelegenheitempfiehlt die uuckitores urtis critiouo elsmontis imlzuouäi. Einen andern Stand-punkt hatte ich bei meiner Auswahl der Ciccronianischen Reden genommen und überallin der Angabe der Varianten die Urtheilskraft der Schüler erwogen, zu deren Schärfungsolche Besprechungen beitragen sollten. Sehr besonnen ist das Urtheil Schräders S. 372. p)
*) IVxttsnbsoll vlt. Uullnlesnii p. 244.
**) Kindervater über Fischer als Schulmann S. 96.
**') Daß alle Schüler dieselbe Ausg. haben und zwar bloßen Text, haben viele auf der WienerPhilologcn-Vers. verlangt, in Preußen ist es sehr empfohlen. Schon Ernesti xrsek. sä Oviä.p. XVIII hat daran gedacht. Perthes I, 97 verlangt (was vor 100 Jahren schon die BraunschweigerAusgaben thun) die erklärenden Anmerkungen in einem besondern Buche, das neben den Text gelegtwerden kann, aber nur bei der häuslichen Präparation benutzt werden darf. Nützlicher scheint ihmnatürlich bei Caesar seine Wortkunde zu sein. Niemand wird in Abrede stellen, daß die Anmerkungendie Augen und die Aufmerksamkeit des Schülers von den Worten des Schriftstellers abzichen.
1) Wenig bietet ein Hamburger Progr. von Kraft äs oritica vetorum scriptorum intsr-pretstione 1833. Besser ist Gernhard ässeriptio srtis criticao In intsrprotstions vet. soript.sckolsstios tusnäss, Leipzig 1804.