Lateinischer Unterricht.
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auch von besseren vielfach benutzt.*) Daß dies erst nach der Präparatiou geschehe unddann das Verständnis erleichtere, finden manche nicht anstößig, aber wer kann diese Artder Benutzung controliren? Den meisten dienen sie als eine Erleichterung oder auchals Ersatz der Präparation. Eben so wenig sind sie bei der Privatlectüre Mäßig oderbei der Repetition bereits gelesener und erklärter Schriftsteller. Es ist ein großes Un-glück in sittlicher und wissenschaftlicher Beziehung, aber eS ist nicht möglich sie für Schülerunzugänglich zu machen. Der Staat kann dem Buchhändler nicht verbieten sie an Schülerzu verkaufen, etwa wie dem Apotheker nur unter Cautelen gestattet ist Gift zu verkaufen.Dienstwillige Freunde würden dann die Käufer sein. Das Haus kann auch nicht in jedemFalle darüber wachen. Die Mahnungen der Lehrer werden von Gewissenlosen überhört.Und doch giebt es für den Lehrer Mittel die Schuldigen zu ermitteln, theils bei derErklärung, theils bei dem Uebcrsetzen, zumal die landläufigen wohlfeilen Uebersetzungen oftnach Texten gemacht sind, die mit den besseren, in den Händen der Schüler befindlichen imWiderspruche stehen. Auch die Stcgreifübersetzungcn werden offenbaren, was der Schülerdurch eigne Kraft vermag und was er dem Betrüge dankt. Ein Glück ist es noch, wenn dieMitschüler einen solchen Genossen gcringschätzen. Sammlungen von guten Uebersetzungenderjenigen Schriftsteller, welche in der Schule nicht gelesen werden, in den Schülcrbiblio-theken anzulegen und zu deren Lcctüre aufzufordern wird sich für Gymnasien nicht empfehlen.
Für die Erklärung kann ich gleichfalls auf Bäumleins Art. Exposition verweisenBd. 2, S. 316; nur einiges ist zur geschichtlichen Ergänzung hinzuzufügen. Die Streit-frage über cursorischc und statarischc Lcctüre ist mit einer Verweisung auf Thaulow nichtabgcthan. Schon der Name ist nicht glücklich gewählt: cursorius ist überhaupt erst imspäteren Latein aufgekommen und ist kein Gegensatz von statarius, welches von der ruhigenHaltung des Schauspielers in der comooäia stataria (gegenüber der motoria) auf denRedner übertragen ist. Der Gegensatz konnte erst entstehen, als man den Schrifstellernicht mehr um seiner selbst willen erklärte, sondern ihn nur als Anlaß benutzte, um die auf-gespeicherten Schätze massenhafter Gelehrsamkeit auszukramen. Da die akademischen Vor-lesungen sich in solcher Breitspurigkeit bewegten, drangen dieselben auch in die Schulenein, und da es diesen um Stilbildung hauptsächlich zu thun war, diente der Text nur alsHandhabe für grammatische und phraseologische Excursc und den Inhalt des Schrift-stellers ließ man unbeachtet. Höchst anschaulich hat Gesner dies Verfahren und dieNachtheile desselben geschildert Oxusc. VII, x. 293 und dagegen an der Thomasschuleversucht die Stücke des Tcrenz in wenigen Monaten durchzulesen; ick uAsbam, quautumeins llsri possst, nt in rsm pracsoutem cos ckeäuccrcin, nt ipsi in scona sibi mcckiavcrsari vickcreutur. Da er den besten Erfolg dabei hatte, empfahl er diese cursoria Icctiox. 289 und beschrieb sie also: sumitur in inauus Uber boni auctoris, non autc iileäiinittenäus quam perieotus intsZ-or sit. UsZItur autsm ita, ut ckili§cutsr quickemattcuckatur ack vocum tum simMcium siZmiticatus tum couiuuctarum, ut non uegUgutur,si quick eleganter, si quick xroprie, si quick evueiuue, si quick splcuckickc äiotum vicksatur,ut ipsac Laurus quoque oratiouis ckcmittautur ack uniinum et tamiliarcs tractatiouset coZItatiouc reckckuutur. 8eä obiter tamcu u§untur rcliqua omuia, et si quick sitin verbis obsourum, oerte iusoiitum, si quick ex autiquitatc altius repetenckuin, noniusistitur usque cobibetur et quasi sutkiainiuatur lcsscnäi impstus, verum nota tautumquackam iusi^nitur locus äiküciiis, revocauäus suo tempore et si tanti sit ckiliACutiusconsicksranckus. **) Und dann hebt er hervor, daß es hauptsächlich darauf ankomme, ut
*) Bonnell, Betrachtung über das Verhalten der Schule gegen die Uebersetzungen der altenKlassiker, Progr. des Werdcrschen Gymn. in Berlin 1855. Leuchtcnberger, Was ist von der Be-nutzung von Uebersetzungen Seitens der Schüler zu halten und welche Mittel sind dagegen inAnwendung zu bringen? Progr. von Bromberg 1872.
**) Eine neuere Charakteristik kursorischer Lcctüre giebt Mützell in s. Zeitschr. 1, 4. S. 11;ein Zerrbild der Lcctüre überhaupt Nohl, Pädagog. Seminarien S. 70. Vgl. Ameis, über kurso-rische Lcctüre der alten Klassiker in den Gymn. Pädag. Rev. 1847. September- u. Octoberheft.