Druckschrift 
11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
Entstehung
Seite
660
Einzelbild herunterladen
 

660

Lateinischer Unterricht.

T. Maccius Plciutus erschien Chr. Cellarius wegen des Inhalts bedenklich,andern noch mehr wegen der Sprache, die in ganz verkehrter Weise von einigen Alter-thümlern wie Lipsius und Barth der Ciceronischen vorgezogen wurde. 1804 schrieb Fladein Freiberg ein Progr. äs Muuto in sollolis leZmiäo, aber was er dafür angeführthat, ist recht dürftig. Um zunächst abzusehen von der Intiims linZ-nas IntsIIiASutig.uesurntior st snbtilior, hebt er den sittlichen Einfluß hervor, den die Vorführung guterund lasterhafter Menschen haben müße, sogar die Bildung des Geschmacks, insofernman lerne, <pui veri st ironssti sint «ulss, «pul vani et ironsstati nävsrsurii. Undsiebzig Jahre nachher hat Schmcckebier*) nur die Förderung der gründlichen Kenntnisdes Lateins und Nutzen selbst für die Bildung des lateinischen Stils davon erwartet.Wir kennen in Plautus den Dichter, der selbstschaffend seinem Volke die griechischenOriginale vorführt, wir bewundern die Lebendigkeit des Dialogs und die Derbheit desWitzes, wir ergehen uns an seinen Parasiten und Sklaven. Aber wir wissen auch, daßwir ihn in seiner Sprache für die Geschichte des Lateins zu studiren haben und daß fürden Schüler dies Bedürfnis nicht vorhanden ist. Sollte dieser wirklich auf dem Wegeder Vergleichung dieser Umgangssprache auch die Schriftsprache mit schärferem Verständniserfassen? Vom pädagogischen Standpuncte sind einige seiner Stücke wohl Mäßig.**) Sosind die tluptivi, welche Lessing für das schönste Stück erklärt, welches jemals auf dieBühne gekommen sei, ein Rührstück mit dem würdigsten Inhalt; die ^.ulnluria führtuns den Geizhals in viel mannigfaltigeren Lagen vor als Moliere's 1'uvurs; der ltri-uummus, der gar keine Frauenrolle hat, liegt uns Deutschen wegen der NachdichtungLessings sehr nahe; die Usrmselrmi endlich geben die lustigen Conflicte, welche durch dietäuschende Aehnlichkeit der Zwillinge herbeigeführt werden, drastischer als Shakespeare.So ist denn die Aulularia besonders von Lorenz,***) 6nxtivi und Minummns vonSchmcckebier empfohlen und dieselben Stücke sind in Sachsenzur Abwechselung" fürdie Lectüre in Ober-Prima angesetzt. Aber die Schwierigkeit ist in Sprache und Vers-bau zu groß; eine Bekanntschaft mit der geschichtlichen Entwicklung der Sprach-formen liegt außer der Schule, und über die prosodischen und metrischen Gesetze desDichters schwebt noch der Streit nicht bloß in der Hiatusfrage, weil man leider nochimmer die Regellosigkeit als Princip des Dichters sesthält. Selbst für die Gestaltungdes Textes stehen neue Aufschlüsse aus wiederholter Vergleichung der Mailänder Hand-schrift sicher zu hoffen. Die vierte preußische Directorcnconferenz hat Plautus einstimmigverworfen, in Schlesien haben sich einige Stimmen für die 6aptivi erhoben. Dagegenwird in englischen Schulen der Minummus fleißig gelesen (bearbeitet von W. Wagner1872. 1875), in Frankreich scheint die ^ululnria, beliebt zu sein, wie man aus denzahlreichen Ausgaben schließen kann, unter denen nur E. Benoist (1874) Beachtung ver-dient, und dasselbe Stück hat in den Niederlanden Francken (1877) in einer Art bearbei-tet, daß man sieht, mit wie schwachen Schülern dort Plautus gelesen wird. Bei unshat Brix 'Irinummus (1864. 1871), Ouptivi (1865. 1870), Llsrmeslimi 1866 undLlilss 1875 bearbeitet und mit Recht viel Anklang gefunden; Lorenz hat bei den Aus-gaben der NostsIIuriu (1866), dcö Nilss Zäoriosus 1869 und des kssuäolus 1876 mehrStudirende der Philologie berücksichtigt. Sogar eine Chrestomathie für obere Gymnasialclassenist 1877 von A. Schmidt erschienen: Lesestücke aus Pl. Komödien ausgewählt und erklärt.

Nachdem wir den Kreis der Schriftsteller, die in die Schule gehören, geschlossenhaben, sind noch einige allgemeine Bemerkungen hinzuzufügen. Die erste betrifft dasLesen, den Vortrag des Textes. Wir wissen, daß die Römer die Werkzeuge der Stimmenicht minder gebildet haben als andere Gliedmaßen des Körpers. Die Redner wandtenkünstliche Mittel an, um sich darnach bei dem Vortrage zu richten. Die eburnsu üstulu,

*) Prolegomcna zu einer Schullectüre de; Plautus, Progr. von Demmin 1875. AehnlichBrix in der Vorrede zum Trinummus.

**) Hitscbl opuso. II, 733.

***) Philol. Anzeiger VII, 189.