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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

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Parallelen und Nachahmungen, auch neuerer Dichter, anzuziehen gewährt einen besonder»Reiz. Soll Horaz Eigenthum des Primaners sein, so muß viel memorirt werden. Beider Recitation solcher Gedichte auch der Empfindung einen Ausdruck zu geben scheut sichdie Jugend, man muß aber immer darauf hinarbeiten. Daß dabei das Metrum zu beach-ten ist, versteht sich jetzt von selbst; in meiner Jugend noch schien dies unserem Lehrer über-flüssig. Man gebrauchte in den Schulen die Ausgaben von I. Bond, Minell seit 1673,von Jouvency bei den Jesuiten, Juncker moäum Llinkilii seit 1709, von Gottschlingmit deutschen Anmerkungen seit 1723. Die Schulausgaben beginnen erst in unserer Zeit,denn der von Gesner 1752 nach Deutschland verpflanzte Baxter, Jani 1778, Mit-scherlich 1800 und dessen Nachfolger Döring seit 1803 sind zwar viel in den Schulengebraucht, aber nicht für sic bestimmt. Einen trefflichen Anfang machte Dillcnburgcr,seit 1844 oft wiederholt; dann folgte für die oarmina Nauck seit 1859 in 9 Ausl., fürSatiren und Briefe Krüger seit 1852 7 Ausl. Düntzer hat das Ganze bearbeitet (1868)und 1874 H. Schütz die Oden, dieser leider pädagogisch verfehlt, lieber das Metrischegiebt unter zahlreichen schon mit Manuzio beginnenden Büchern Schiller für die SchuleAusreichendes (1877 in 2. Aust.). G. A. Koch hat sogar zwei Wörterbücher zu Horazgeliefert, von denen das größere (1863) wohl für Gelehrte bestimmt sein soll, das kleinere jeden-falls für Schüler entbehrlich ist. Zu beachten ist Herder (Werke I. S. 410. 450. 492).

Zu den komischen Dichtern stellt sich die neuere Zeit ganz anders als die frühere;sie hat die sittliche Unbefangenheit verloren und will darum die leichtfertige Jugend Griechen-lands und ihren Verkehr mit worotriees von der Schule fern halten. Wer dies aus Besorgnisfür die Sittlichkeit thut, hat keine Kenntnis von den Verhältnissen der Städte, namentlichder größeren; solchen Uebelständen müßte von ganz anderer Seite entgegengearbeitet werdenals von der Schule und auch in dieser auf einem anderen Gebiet. Wolf schon beklagte es,daß die so interessante und nützliche Lectüre aus den Schulen verschwunden sei und verlangteTerenz für Secunda oder lieber für Prima, weil er ein tieferes Verständnis beabsichtigteund metrische Scansion verlangte. Während der Reaction haben sich in Preußen die Di-rectorenconferenzen beeilt ihn zu verwerfen und Schmeckebier verurtheilt ihn als einen unterscheinbarer Decenz doch ein feines Gift enthaltenden Schriftsteller. So scharfschmeckendist man anderwärts nicht, denn Sachsen setzt unbesorgt für Unterprimazur Abwechselungein geeignetes Stück des Terenz" ein. Frankreich liest wenigstens die Andria; in England,Holland, Dänemark wird viel mehr gelesen. Nägelsbach freilich in dieser Encykl. I. 926 sagtgelegentlich einmal als Confect." Gewiß mit Recht, denn Terenz ist oortissimus oastuo1ntinitati8 anotor, ein eleganter Kunstdichter in dem Sinne der feineren d. h. griechisch-gebildeten vornehmen Gesellschaft Roms, in deren Kreisen er nicht fremd war, ist einVertreter der urtmnitas, der uns überdies den Verlust der neuern griechischen Komödie,besonders Menanders, ersetzt. Einzelne Stücke, Adelphi, Phormio, Andria, sind nichtungeeignet. Aber man muß bei dieser Lectüre rasch vorschreiten, um Anlage undCharaktere des Stückes zu einem klaren Verständnis zu bringen. Was im 16. Jahr-hundert Erasmus, Melanchthon, Rivius, G. Fabricius, Muret und andere für die Erklä-rung gethan haben, wird jetzt nicht nicht mehr beachtet; im 17. Jahrhundert kamMinell 1673 und ist überall oft wiederholt, auch nachgeahmt von Juncker 1702, so wieder Jesuit Jouvency, dann folgteeine nach dem Begriff der Jugend recht einge-richtete Erklärung nach Art des durch L. Linoorum edirten Cornelius Nepos", Augs-burg 1718 und erst am Ausgange des Jahrhunderts Schulze (Braunschweig 1790) undB. Fr. Schmieder, noch 1819 wiederholt. Beide können ebenso gut jetzt vernachläßigtwerden wie Perlet und Reinhardt. Alle diese kommen schon wegen des Textes nicht mehrin Betracht. Die Andria von Klotz (1865) ist für Studirende bestimmt, dagegen für dieSchule Spengel (1875) und Meißner (1876); der Phormio von Dziatzko (1874) wirdmehr dem Lehrer Nutzen bringen als dem Schüler. In England ist neben einigen rechtschlechten Bearbeitungen Wagner (Cambridge 1869) zu rühmen, der auch in Berlin denHeauton timorumcnos herausgegeben hat.