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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

Acrons trägt, ist uns erhalten. Wie langsam aber diese Lectüre sich nachher verbreitethat, ist oben gesagt; eigentlich erst seitdem die deutsche Lyrik an der Nachahmung diesesRömers wieder erweckt ist, wurde er mehr beachtet und dann besonders in den Liedernnur mit bewundernden Ausrufungen gefeiert. Hofman Pecrlkamps nüchterne Kritik» er-klärte deshalb alles, was seinen Anforderungen an den vollkommen tadellosen Dichternicht entsprach, für Interpolationen und mußte dieselben bereits in die erste Kaiserzeit ver-sehen, weil viele angezweifelte Stellen so früh als Horazisch angeführt sind. Wie weitseitdem der Subjcctivismus bei uns gegangen ist, hat Teufsel in der Tübinger Festschrift1876 S. 12 hübsch zusammengestellt;*) hierher gehört cs nicht, weil hoffentlich keinLehrer die Schüler mit derartigen kritischen Fragen behelligt, durch welche nur die Lustan der Lectüre getrübt wird. Es ist auffallend, daß bei einem so viel gelesenen Dichtersich so wenige über die methodische Behandlung desselben ausgesprochen haben. H. Albertiist meines Wissens der erste gewesen, der in einem magern Schleizcr Progr. 1821 äs Horatiioäarum cum xneris fraetanäarum rationo gehandelt hat; Satiren und ars xostieaschließt er ganz aus, von den Liedern will er nur eine Auswahl, damit die anstößigenleichter überschlagen werden und wählt dann solche, die sich auf die Jahreszeiten, aufGleichmuth und Zufriedenheit, auf den Staat, Maecenas und AugustuS beziehen und endlichdie von ihm enrminn suoru genannten. Das ist denn doch ein sehr beschränkter Kreis.Weiter geht Häverstädt in den Gedanken über die Erklärungsweise der HorazischenOden,**) der wenigstens aus dieser Lectüre ein Bild des Dichters und Anschauung desrömischen Lebens gewinnen will; deshalb sollen die Lieder nach ihrer auf der Gleichartigkeitdes Inhalts beruhenden Zusammengehörigkeit gelesen und, weil sie allein zur Erreichungjenes Zweckes nicht ausreichen, noch mehrere Satiren und der größte Theil der Epistelnhinzugefügt werden. Dies Verfahren hat Lehnerdt***) vollständig durchgeführt undfür den zweijährigen Cursus der Prima die Gedichte so geordnet, daß in einem Jahredas Leben und die Persönlichkeit des Dichters zur Anschauung gebracht wird, in demandern die Gedichte behandelt werden, welche die Zeitgeschichte und die politischen Ver-hältnisse wiederspiegeln, vielleicht auch die, welche Horaz als ästhetischen Kritiker und inseinen Beziehungen zur Litteratur vorführen. Als propädeutische Lectüre wird ein Kernbesonders anziehender Gedichte in jedem Halbjahre vorausgeschickt. In diesen Cyklus würdenalle Gedichte fallen können, mit Ausschluß von etwa 9 Satiren und 8 Epoden. Ich bin mitdieser kunstvollen Gruppirung nicht einverstanden, weil mir grade die Mannigfaltigkeit derStoffe sehr zusagt, wohl aber billige ich es, daß Lehnerdt die erotischen Lieder nicht ausschlicßt.In Bezug auf diese muß die Prüderie nicht zu weit getrieben werden (Lübker, Ges. SchriftenII. S. 216). Da jedoch nicht alle Lieder gleich gut sind, so verweile man bei den besseren^)länger und begnüge sich für die andern mit einer guten Uebersetzung. Die Lectüre dercarmins. überhaupt zu beschränken und dafür mehr Satiren und Briefe zu lesen gefällt mireben so wenig, als nur oarminu zu lesen. Die Behandlung desselben Stoffes wird durchdie verschiedenen Dichtungsarten wesentlich modificirt und man lernt erst durch die Be-achtung dieser Verschiedenheiten richtiger über den Dichter und seine Verhältnisse urtheilcn.Auf fünf Satiren und zwei Briefe sich beschränken genügt nicht. Aber mit dem Umfangeder Lectüre die Gründlichkeit der Erklärung in Einklang zu bringen wird von dem Ge-schicke des Lehrers verlangt, der in der Prima ja kein Anfänger mehr zu sein pflegt. Aesthe-tische Ergüsse muß man vermeiden, dagegen auf Anordnung und Gedankengang genau achten.-js)

*) Und dabei ist die schnöde Geringschätzung einiger wie z. B. Güthlings nicht einmal beachtet.

**) Zeitschr. f. GW- 1858. S. 881.

***) Horaz in Prima, Progr von Thorn 1876. Das Progr. von Krause (Hohenstein 1875)>1s linguas lat. apuel primanos traetations p. 25 bietet wenig.

f) TeuffelIm neuen Reich" 1874 S. 645; er hat 1876 nur III, 7. 9. 29 als trefflicheearmina anerkannt.

ff) Bei der Horazlectüre den Schüler nöthigen, allerlei sprachliche und sachliche Collectaneenanzulegen ist ein Misbrauch; dagegen wird dieser Dichter reichen Stoff zu freien Arbeiten bieten.