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Lateinischer Unterricht.
Richtung seiner Zeit ein großes Hindernis fand. Ihm die lange Arbeit an dem Werkezum Vorwurfe machen ist ebenso unbillig als etwa Klopstock verurtheilcn, weil er zwanzigJahre am Messias gearbeitet hat. Wo er die Vorgeschichte Roms oder die Größe deshistorischen Nom vorführt ist er groß und bedeutend genug, seine Sprache ist schön; dieReinheit seiner Empfindung wird des Eindrucks auf den Schüler nicht entbehren. —Man las die Aeneide sonst in der Schule ganz, Erncsti hat sie bei wöchentlich vier Stundenin einem Jahre vollendet, indem er das Beste aus den einzelnen Büchern auswählte;*)später hat man sich meist auf die sechs ersten Bücher beschränkt und die letzten vernach-läßigt. Das ist sehr unrecht, denn diese haben auch recht schöne Partieen, wie B. 7 dieErregung des Zerwürfnisses zwischen Trojanern und Latinern^ B. 8 die sieben Hügel undalles, was sich auf die tabulao äomkstiouö bezieht, B- 9 Nisus und Euryalus. Jeden-falls sollte das zweite, wohl das vorzüglichste, dritte, vierte (von den Jesuiten nur wegen dertabula laseivisutm viäonls ausgeschlossen bei dem Dichter, der den Namen Uartbeuiaoerhielt!), das sechste, achte und neunte Buch beachtet werden und in jedem Halbjahr müßteman wenigstens zwei Bücher lesen. Aber gegen eine solche Bevorzugung sind neuerdingsStimmen laut geworden. Seyffert meinte, die technische Meisterschaft und die ethisch na-tionale Tiefe des Virgil bleibe für die Mehrzahl unserer Schüler ein Fremdes und Un-empfundenes (er will gern Zeit für die Elegiker gewinnen); auf der 12. westfäl. Directoren-Confercnz S. 16 verflieg sich einer zu der Erklärung, die Aeneis werde mit der Zeit rechtlangweilig; Mähly**) verlangt, daß höchstens zwei Bücher gelesen werden, weil die Schwie-rigkeiten durch keine Schönheiten ausgewogen würden und der Schüler diesem Pathoskeinen Gefallen abgewinnen könne; endlich Gebhardt***) gestattet nur ein Jahr für denDichter: „die Schule könne ein unvollendet und gegen den Willen des Autors uns er-haltenes Werk, da sie Ersatz genug hat, nicht brauchen." Dagegen fehlt es auch nicht anEnthusiasten, wie Weidner, der von jedem Primaner die Kenntnis der ganzen Dichtungverlangt. — Es ist auffällig, daß in den vorigen Jahrhunderten so wenig Schulaus-gaben des bevorzugten Dichters veranstaltet sind; die Protestanten gebrauchten die vonMinell (j- 1685), die noch 1787 in Leipzig gedruckt ist; in Frankreich, Italien und Englandist bis weit in unser Jahrhundert hinein die des Pariser Jesuiten La Rue (Uuasus -s 1725)wiederholt worden. Ein Anfang zum Bessern trat ein mit der Schulausgabe Heynes(1779. 1789- 1800), die nach dessen Tode Wunderlich (1816) und Ruhkopf (1822)bearbeitet haben, die aber jetzt verdrängt ist. Forbiger (seit 1836 viermal wiederholt)und Goßrau (seit 1846) bieten viel zn viel. Die Aeneis von Schmieder (1800) ist vergessen.Dafür jetzt Süpfle (1842. 1847), PH. Wagner theils mit lat. theils mit deutschen Er-läuterungen (1845. 1849. 1861) und nach ihm vielfach Ladewig (seit 1850 sieben Ausl.,die neuesten von C. Schaper) und jüngst Kappes. W. Gebhardi scheint schon langeeine neue Schulausgabe vorzubereiten; er war bisher der schärfste Beurthciler der er-schienenen. Der Auszug der Aeneide von Röhden in der Braunschweigischen Schulbuch-handlung 1793- 1794 ist in drei Bändchen mit Anmerkungen von Heinrich versehen. Einbesonderes Wörterbuch von Crusius zuerst bearbeitet, nachher ganz umgearbeitet vonG. A. Koch (1875 in 5. Aust.) sollte in Secunda nicht mehr als Bedürfnis betrachtetwerden.
Wenn es sich um eine Ergänzung der Secundanerlectüre handelte, so könnten höchstensdie Elegiker in Betracht kommen. Und in der That hielt Wolfs-) den Tibull für soleicht wie Ovid und meinte, daß er bei seiner im ganzen Virgilischen vsrseuuäia größten-theils in Schulen lesbar sei, Properz dagegen sei zu schwer und von Catull nur das opi-tbalamium Usloi ot llbstiäos zu empfehlen. In Thaulow's Gymn. Päd. 156 figurireneinige Elegien des Properz in der Prima. M. Seyffert erklärte es für einen unberechen-
*) Sein Verfahren entwickelt er in der xrask. aä Hiseksri Ovickium p. XIII.
-ff) Schweiz. Mus. Bd. 5. S. 350.fff) Zeitschr. f. GW. N. F. X. S. 66.
f) Arnoldt II, 175.