Lateinischer Unterricht.
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Jahrhunderte*) sie beibehalteu. Daß namentlich die letzten Bücher der Feile**) er-mangeln, hat dabei wenig gekümmert. Da aber manche Stücke Anstoß geben, so isteine Auswahl erforderlich. Auffallend genug betrachtete Lindner „lehrreicher Zeitvertreibin Ovidianischen Verwandlungen" (Lpz. 1760) den Dichter als „fürtrefflichen Sitten-lehrer" und wurde deshalb von Heyne (Allg. d. Bibl. 1765) zurechtgewiesen. Jüngsthaben wir in W. Menzel's Denkwürdigkeiten S. 73 gelesen: „Wenn man erwägt, daßder römische Dichter diese unzüchtigen Gemälde nur zur Erlustigung der sog. Göttertafelseines Herrn schrieb, so sollte man doch meinen, daß christliche Schulbehörden die Lectüreso verbuhlter Bücher nicht für deutsche Knaben obligatorisch machen sollten," was vielleichtnur in der Erfahrung eigener Jugendlectüre eine Veranlassung findet, nicht aus einer wieder-holten des gereiften Mannes hervorgcgangen ist. Einen andern Standpunct nimmt Nohl(pädag. Seminarien S. 71) ein, der bei dem Tertianer nicht die geistige Reife zum Er-fassen der poetischen Schönheiten findet. Abgesehen von einigen älteren epitomus oberexoorptg, sind dergleichen für die Schulen bearbeitet von Meineke und Köppcn mit An-merkungen von Lenz in der Braunschweiger Schulbuchhandlung, von Seidel (seit 1794bis 1837), Gierig (1806), Nadermann (1828—1855), Loers (1837), Siebelis (seit1854, von der sechsten Aust, an durch Polle verbessert), M. Haupt seit 1853 (6. Ausl.1878, den zweiten Band hat O. Korn erst 1876 hinzugefügt), Meuser 1873. Auch dieGesammtauSgaben mit deutschen Anmerkungen von Meineke (1807 u. 1825) waren fürden Schulgebrauch bestimmt. Gelehrterist Gierig.1784, 1804 u. 1821 undBach(l831—36).Specialwörterbücher giebt es von Meineke, Siebelis, in 2. Aust, durch Polle 1874und von Eichert (1878 bereits in 7. Aust.). In Frankreich hat das Ooussil äo I'in-structiou xubli^uo die Auswahl getroffen, an die sich die Ausgaben halten müßen.
Die Vusti, in deren allein erhaltenen sechs Büchern wir nur die ersten sechs Monatedes Festkalenders haben, sind wegen des elegischen Versmaßes weniger günstig aus-genommen, zumal der Dichter durch die gedrängte Form das Interesse etwas beeinträch-tigt. Sie sind früher mehr gelesen, haben aber in der neueren Zeit an Terrain verloren,wohl darum, weil cs an einer geeigneten Schulausgabe fehlte. Denn Gierig 1812 istgelehrt, Matthiae 1813 und Krebs 1826 werthlos, Conrad (1831) nur ein flüchtigerAuszug aus Gierig. Da wir jetzt eine sehr gute Schulausgabe von Herm. Peter (1874)haben und dieser Gelehrte in der Vorrede den Plan eines längeren und eines kürzerenAuszugs aus der Dichtung vorlegt, so läßt sich erwarten, daß diese jüngst auch vonMähly sehr empfohlene Lectüre wieder Eingang finden werde; ich würde mich bei einerchrestomathischen Verwerthung beruhigen.
Von den Dichtungen, welche in die Zeit nach der Verbannung des Dichters fallen,haben die Mistig, und die Lpistulgs ex l?onto sich am längsten in den Schulen be-hauptet. Gcsner erklärte sie für das allerleichteste in der lateinischen Poesie und bevor-zugte sie darum. Wolf dagegen sagt, es sei ein Jammer, daß sie in den Schulen gelesenwerden und damit stimmt Nägelsbach ***) überein: „Thöricht ist es, einen vierzehnjährigenKnaben mit den Mistig, oder bipistolae zu Plagen; wie soll ein jugendliches Gemüthfür dieses ewige Jammern erwärmt werden?" Schelle freilich S. 685 will sie nichtübergehen und Frick meint, sie dürften nicht fehlen, damit der Schüler Gelegenheithabe das Distichon anzuschauen. Aber dies traurige Einerlei von unmännlichen Klagenüber das Entbehren der Hauptstadt und die maßlosen Schmeicheleien, durch die er dieRückkehr zu erlangen hofft, haben etwas abschreckendes. Ich habe wiederholt wohl dieinteressanten Beiträge zu der Lebensgcschichte des Dichters (Mist. IV, 10) erklärt,aber dergleichen mag man in einer Chrestomathie suchen, wie wir sie von Ranke, Jsler
*) Goethe hatte große Vorliebe dafür (Dicht, und Wahrh. II. S. 183) und wurde deshalbvon Herder getadelt.
**) Er giebt es selbst zu Mist. I, 7, 26. II, 555.
*'*) Gymn. Päd. S. 131 und in dieser Encykl. I, 626.