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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

hinzufügt, eine Fälschung des Pcrotto sei, glaubt jetzt niemand mehr dem wackern Christ(1746), auch die harten Urtheilc z. B. Bernhardy's, der den Phädrus den Nepos derPoesie nennt, beeinträchtigen den Werth für die Schule nicht. Von Wolf an bis aufden neuesten kritischen Bearbeiter L. Müller giebt es entschiedene'Verthcidiger;*) dieser machtfür ihn geltend, einmal ixsa argumonta satis oonvkniunt tonsras aotati, 2) magnaäictionis elsgantia magnnsgus nitor und 3) ars metrioa. Wolf hatte nur darumZweifel, weil unter hundert Schulmännern nur vier bis fünf sein würden, welche Anleitungzum Scandiren des Senars geben könnten, und in der That hat noch mein Lehrer 1823in Halle uns die Fabeln als Prosa lesen lassen und sogar auf der 12. westfäl. Dirc-ctorenconf. S. 34 Ahlemeyer harmlos erklärt, daß die Berücksichtigung des Metrumsauszuschließen sei. Einen Dichter als Prosa lesen ist abgeschmackt. Das ist auch jetztnicht mehr zu befürchten. Die Menge der Schulausgaben spricht für die Verbreitung;wir haben dergleichen in allen Ländern, in Deutschland seit dem 17. Jahrh. sehr zahl-reich. Um von den älteren abzusehen (Jördcns 1788, Jacob 1799, Meinekc 1801,Lauge 1824, Beck 1828) kommen nur in Betracht Brohm seit 1811 in 5 Ausl., Sie-belis seit 1851 in 6 Ausl, (seit 1865 von mir bearbeitet), Raschig zuerst 1853, in dritterAusl, von Richter 1871, Nauck 1855, Sichert 1865. Alle diese geben nur eine Aus-wahl von sehr verschiedenen Gesichtspuncten. Ein besonderes Wörterbuch von Schaubachist Lpz. 1870 erschienen, eben so von Sichert 1877 in 2. Ausl.

Daß Ovidius zu lesen sei, haben wenige bestritten. Er hatte seine natürlicheAnlage zur Poesie in den Schulen der Rhetoren**) entwickelt und das große Form-talent besonders bei Arellius Fuscus zu einer leichten und anmuthigen Darstellung aus-gebildet. Tie Verse kamen ihm leicht aus der Feder und sind fließend und glatt. Dieerotischen Dichtungen sind natürlich von der Schule auszuschließen. Und doch sind ausdiesem Kreise die sogenannten Rsroiäss nicht nur früher viel in den Schulen***) gelesen,sondern auch von Wolf fl) als charakteristisches Genus (es war allerdings eine neueGattung von Gedichten) und wegen der von Bachet de Meziriac trefflich erläutertenMythologie dringend empfohlen. Ich will nicht die Unechtheit mehrerer oder die zahl-reichen Interpolationen hervorheben, aber diese fingirten Liebesbriefe von Frauen desheroischen Zeitalters bieten höchstens für den ein Interesse, der daraus die versificirtensnasorias der Rhetorenschulen kennen lernen will, und da sie dem Charakter der Heroen-zeit nirgends angemessen sind, wird auch die Kenntnis der Mythologie wenig gefördertwerden.

Anders ist es mit Kletamorxbossvn iibri XV, in denen der Dichter mit Benutzunggriechischer Quellen, besonders des Parthenios, in anmuthigem Wechsel Verwandlungenvon dem Chaos an bis auf Jul. Caesar vorführt. Daß bereits das Alterthum sie inden Schulen gelesen habe, läßt sich nicht Nachweisen; der mythologische Stoff lenkte zuerstdie Grammatiker darauf. Quintilian (IV, 1, 77) tadelt: lasoivirs in Llotamorxbosesinsolst gusm kamen exensare neoossitas xotsst res ciivsrsissimas in sxeoiemnnins corxoris evliigentsm, oder X, 1, 88 lasoivns in bereis iauclancins kamen inxariibns. Auch im Mittelalter hat die Fülle wunderbarer Begebenheiten und der bunteWechsel der Localitäten seit dem dreizehnten Jahrhundert einen großen Reiz ausgeübt,die Humanisten haben dann diese poetischen Erzählungen bevorzugt und alle folgenden

*) Wolf bei Arnoldt II, 171. Nägelsbach in dieser Encykl. I, 928, Schmalfeld, Heerwagen(Augsb. Phil.-Vers. S. 116), Schräder, Peter zur Reform unserer Gymn. S. 30, L. Müllerin der Petersburger Phil. Zeitschr. 1874. Mai S. 23.

**) Wolf nennt ihn (praek. orat. klare.) primum in possi ctsclsmatorem, freilich vsnustissi-inum st ingsniosissimum.

*") Arnoldt II. S. 172.

fl) Die Ausg. cum notis Klinsliii (seit 1702), von I. H. Kromeyer (seit 1711) sind ost ge-druckt, auch an eclitiones purgatas ist kein Mangel.