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Lateinischer Unterricht.
selectio existolarnm, in welche neben 150 Ciceronischen auch 50 von Plinius und etwa20 von Seneca ausgenommen werden sollten; er rühmte an Plinius eine gewiße Nettig-keit, Schönheit und herrliche Sentiments und hielt diese Briefe deshalb für sehr geeignetzur Privatlectüre. Auch Schelle S. 326 verwundert sich, daß sie auf Schulen nichtmehr gelesen werden, ja Gesner*) schlägt sie mit dem Panegyricus sogar als Schul-lcctüre vor. Ich mag sie auch nicht zum Privatstudium für Schüler der oberen Classen,in deren Interesse M. Döring 1843 eine Bearbeitung gegeben hat.
II. Lectüre der Dichter.
Anknüpfcud an die Praxis der römischen Schulen und des Mittelalters gab manzunächst den Knaben sententiöse Verse mit moralischen Lehren in die Hand, welche ge-lesen und memorirt wurden. Der sächsische Schulplan schreibt für den zweiten Haufenvor:**) „Abendts wenn die Kinder zu Haus gehen, sol man yhn einen sententz auseinem Poeten oder andern fürschreyben, den sie morgens wieder ausfsagen." Dazu be-nutzte man die mimi kndliani, wie sie bis auf unsere Tage geheißen haben, und Oatonisäistielra. Luther war sehr dafür eingenommen und Melauchthon (6. Uek. X, 101) giebtden Rath: puoro imxoritiori xroäesset xroxonere Oatonem. Beide dienten aber auchzur Einübung der Grammatik. In der Württemberg. Sch.-O. heißt es***) für diezweite Classe: In der ersten Stunde soll der kraeeextor den Knaben ülimos kndlianossürgcben. Und wenn er dieselbigen einmal außgelesen, allererst Oatonsm fürnehmen,doch sich gantz und gar aä caxtnm xnerornm richten und nicht mehr fürlesen, dann derKnaben verstand sahen und ertragen mag." So auch in Pommern si), in Brieg 1581,Brandenburg (nur baß hier die mimi erst nach Cato kommen), im Herzogthum Sachsen1573, Augsburg u. a. Das Verfahren zeigt die sächsische Anweisung:j-s) versionlumex LIimis kudlianis vel Iris adsolntis äisticlmn alignoä 6atonis xrius a praoesptorsexxositnm rnrsus exxonant, ita ut soäont oräine. kosten ex eoäem äisticlro primnmoonstructionnm exsmxla taoillima revocontur aä oommnnissimas sxntaxis re§nlas,ynas initio xraomittenäas alias äieemns. veinäo in sinssnlis äictionibns praeee-xtiones st^moloAiae, «xuantum earum auäiverint, exereeantur. — Doniixne et verbakormnlasgue latini sermonis oum intsrxrotations vsrnaeula äictante praoeoptorspneri in lidellos snos aä iä oompositos seridant. Und so blieb cs im achtzehntenJahrhundert, j-j-s) Die dabei benutzte Sammlung der kudlilii 8xri mimi (d. h. Schau-spieler) sentsntiae, des Cato und der äieta saxientnm rührte von Erasmus her (1514),wurde von G. Fabricius und Th. Zwinger (abgesehen von den gelehrten Ausgabenunserer besten Philologen) bearbeitet und noch im vorigen Jahrhundert von I. P. Miller(1753) und Tzschucke (1790) herausgegeben. *-s) Aber schon I. Scaliger beklagte es sehr,daß die mimi verdrängt würden: cum aä iukormanäos et moribus et latino sermonsxnerornm teneros animos no^ne meliorem lidrum neqns pnrins loguentem Irac poesiviäerom, und an einer andern Stelle: meliora enim et latiniora, cinidns animitensri inkormentur, äari non xossnnt. Cato wird von Caspar Barth (Hävers. XXI,21. XXIV, 4) bedauert, daß er aä xulverulenta wa§istrornm sndsellia äamnatns sei.Dagegen hielt Wolf*j-s) den Cato für ziemlich werthlos, während er sehr wünschte, daß8xri mimi wieder in Umlauf gesetzt würden, „weil viele sentsntiae sich noch heute fürden Jugenduntcrricht zur Entwicklung moralischer Ideen schicken würden." Aber dazu
*) Vormb. III, 389.
*") Vormb. I, 6.
*'*) Vormb. I, 78 und daraus wörtlich die sächsische S. 238; vgl. auch S. 28.f) Vormb. I, 171. 307. 528. 585. 469.f-s) Vormb. 1, 586.
-fff) Vormb. II, 116. 203. 273. 275. 378. 379. 454.
*f) Die Arbeiten von Nibbeck, Wölfflin und Wilh. Meyer über die Spruchverse de? PubliliusSyrus, von Hauthal über Cato (1869) kommen hier nicht in Betracht.
*-sf) Arnoldt II, 176.