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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

Konferenz S. 117 viel Beifall nnd Güthling hat sie in einem besonder» Aufsatze»)warm empfohlen. Palm setzt die Lectüre in die Prima, Bayern in die dritte Gymnasial-classe. Ich bin dagegen,»») nicht etwa darum, weil Onintilian nicht in die classtschePeriode gehört (dann hätte ich Tacitus erst recht verwerfen sollen) und darauf legtWrobel (Zeitschr. f. österr. Gym. 1876. S. 353) daS Gewicht, sondern weil geradejene Uebersicht der Litteratur nur die Hauptvcrtrcter der verschiedenen Gattungen anfübrt(X, 1, 104 sunt et alü soriptorss bout, seä nos sssusra äsZmstamus, non biblio-tbsous kxeutimns), nur die Lectüre des künftigen Redners berücksichtigt (§. 45), inihren Kunstnrtheilen wesentlich von Cicero nnd bei den Griechen von Dionysius abhängtund zum gründlichen Verständnis eine andere Bekanntschaft mit der Literatur voraus-fctzt als sie der Schüler besitzen kann. Die übrigen Capitel des Buchs gehören in dieStilistik. Wenn Wrobel das Buch höchstens in der Ober-Sccunda gelesen wissen will,„weil in der Ober-Prima nur daS Allerbeste geboten werden solle," so ist mir ein solcherGrund unerklärlich. Trotzdem haben wir, von ältcrn Arbeiten abgesehen, Schulausgabenvon F. G. Augusti (d. i. Schneidewin) 1831, Herbst (1834), Bonncll (1851—1873 vierAust.) und Krüger (1861 nnd 1874).

Eben so wenig kann ich den in der jüngsten Zeit sich mehrenden Empfehlungen desülaloxus äs oratoridns beistimmen, den die Neuzeit jetzt dem TacituS nicht mehr ab-spricht. Früher wurde er z. B. in Hamburg abwechselnd mit Onintilian gelesen. NägelS-bach»»») sagte doch nur: „Vor allem soll privatim der Dialog von Tacitus gelesenwerden — ein unvergleichliches Meisterstück und nach Form und Inhalt anziehend."Andere gehen weiter, denn Schräder nennt ihn offenbar in der Redefigur der Litotes„nicht ungeeignet;" Steiners-) sagt, diese Schrift sollte auf Gymnasien weit mehr alsbisher gelesen werden, zumal sie sich ganz vorzüglich dazu eignet, um den Primaner ausseinem Cicero in den Tacitus und überhaupt aus der elastischen Vorzeit in die Spracheund Litteratur der Kaiserzeit hinüberzuleiten, und Schönborn konnte in der ersten schle-sischen Dircctorenconfercnz S. 45 schon von einem günstigen Erfolge bei den Schülernberichten. Mit großer Entschiedenheit ist Classcnsst) dafür cingetretcn: der vortreffliche Dia-log eigne sich ganz vorzüglich zur Lectüre in der oberen Classe und er sollte unfern Schülernnicht unbekannt bleiben, denn er sei durch Inhalt nnd Form mehr als eine anderegleichzeitige Schrift dazu gemacht, uns ein lebendiges Bild von der Denkweise undGcistcsrichtnng der gebildetsten Kreise Roms im ersten Jahrhundert der Kaiscrzeit vorAugen zu stellen. Auch von Seiten der Form empfehle er sich als eine vorzüglich lehr-reiche Lectüre; der Ton der Rede sei der ciccronischen durchaus verwandt. Während

Classcn ihn nur über gleichzeitige Schriftsteller und die Darstellung des Kulturlebenshcrvorhebt, geht Andrsten ftftft) noch viel weiter. Ihm ist der Dialog nicht eine Abhand-lung in der bedeutungslosen Form des Gesprächs, wie die Ciceronischen Schriften der

gleichen Gattung; diese Schrift ist reicher und mannigfaltiger im Inhalte als die Cicero-nischen, weil der Gesichtskreis des Cicero ungleich beschränkter ist als der des Verfassersdes ämlog-UL, überdies, weil weniger technisch, dem modernen Verständnis näher gerückr.Bei dem BrutuS, den er allein anführt, hat er allerdings Recht und auch noch sonstkann man zugeben, was er über die Entwicklung des Inhalts und die Charakteristikder sprechenden Personen sagt (nur nicht die Tendenz eines rechtfertigenden Denkmalsfür Maternus), aber in der Form findet er doch nur einen glücklichen Nachahmer des

') Z-itschr. f. GW. 1869. S. 881.

»») Auch Schönborn auf der ersten schles. Dir. Eons. S. 45 und die XII. westfäl- Dir.-Conf. S. 17.

»**) Eymn. Püd. S. 130.

D Krcnzmacher Progr. von 1863.

Pf) Eos Bd. 1. S. 2.

sss) Der äialogus äo oratoribus des Tacitus als Schullecture, in der Zeitschr. f. GW. 1871S. 305-328.