Lateinischer Unterricht.
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dem christlich-sittlichen Leben verlangt, so ist dies Wohl nur ein Nachklang aus der inPreußen einst beliebten Verkubachung der Klassiker. Meine Erfahrung hat mich belehrt,daß die Jugend an dieser Lectüre kein großes Interesse nimmt; ich werde ihr Ver-schwinden nickt beklagen. Bei dem Vorherrschen derselben bis in die neueste Zeit ist cserklärlich, daß wohl keine Schrift Ciceros mehr Bearbeiter gefunden hat; die üblichstenSchulausgaben sind von Zumpt (1837, 1849), Unger (1852), v. Grubcr (1856, 1866),O. Heine (seit 1857 viermal).
4) Eher würde ich mich für die Tusoulauas äisxutatiouss aussprechen, bei denen dieprotestantischen Zeitgenossen die dringende Empfehlung des Erasmus wenig beachtet,und auch die zahlreichen Commentare der italienischen und deutschen Humanisten vonValla und Beroaldo an, von I. Camerarius, H. Wolf und Fr. Fabricius die Ein-führung in den Schulen nicht gefördert haben. Nur Breslau macht mit der „lieblichenDisputation von der Unsterblichkeit der Seelen" eine rühmliche Ausnahme.*) Seit F.A. Wolf ist dies anders geworden,**) jetzt erscheinen sie mit den Officien in allen Lehr-plänen für die Unterprima. Das erste und das fünfte Buch verdienen den Vorzug.Zahlreiche Ausgaben erleichtern die Behandlung: F. A. Wolf (1792 und öfter), Neide(1798), Kühner (1829, 1835, 1846, 1853), Orelli mit Wolfs akademischen Vorlesungen(1829), Klotz (1835), Seyffert (1865) und zum Schulgebrauch Tischer u. Soros seit1850 sechsmal, Heiue (seit 1864), Meißner (1873).
Ich erachte die Beschränkung der philosophischen Lcctüre auf Cato für eine mittlereund auf die Tusculanen für eine obere Elaste für nothwendig. Die Schrift- äs äeorumnatura,***) haben die preußischen Directoren in Westfalen (XII, S. 16) und in Preußen(IV. S. 124), die letzteren auch äs äiviuations verworfen, mit Recht, weil weder diedeistischen Lehren des Epikureismus noch die pantheistischcn der Stoiker, uoch die platonischeoder peripatetische zu einer vollständigen und klaren Darstellung gelangen und bei der Behand-lung der Auswüchse deS Aberglaubens das nationale und politische Interesse mehr in Betrachtkommt als das religiöse. Die Bücher äs ünilins sind mit besonderem Fleiße ausge-arbeitet und vielleicht die vorzüglichsten unter Ciceros philosophischen Schriften. Darumhat sie auch Wolf den Schülern Picht ganz vorcnthalten wollen und Nägelsbach undLübker sie zur Privatlectüre empfohlen. Böckel (1872) u. Holstein (1873) haben siefür die Schule bearbeitet und in Frankreich sind Uebersetzungen von Ltisvsuart, Baldot,Bouilliss und die Bearbeitung der zwei ersten Bücher von Bmils Ollarlss (1874) er-schienen. Mir erscheinen sie in der Kritik der sittlichen Principien zu schwierig. Außerdemliest man in Frankreich noch die Schrift äs rspulllioa, was schon wegen der lückenhaftenForm unzuläßig erscheint.
Cicero selbst (äs äivin. II, 1 , 4) hat mit den philosophischen Schriften die rheto-rischen (lidri oratorii) verbunden, nicht die Jugendarbeit äs inveutious, die er späterselbst verurtheiltc (äs orat. I, 2), sondern nur äs orators, Brutus und Orator. Wäh-rend Wolf alle drei in der Schule verlangte, st) gieng Schelle S. 489 leichten Fußesüber dieselben hinweg. Nägelsbach S. 130 frägt: „Sollen nicht theoretische Schriftenüber Rhetorik gelesen werden? Eigentlich schon; aber ich wüßte eben keine Zeit zu ge-winnen und vom bloßen Naschen bin ich kein Freund. Ich weiß keinen Ausweg, alsdaß man schon bei der anderweitigen Lectüre fleißig auf die rhetorischen Schriften hin-weist und die talentvolleren Schüler auf den ganz trefflichen Orator und Brutus frühzeitigaufmerksam macht." Die Klage erklärt sich aus dem früheren Mangel des neunten Schuljahresin Bayern; wir haben die Zeit dazu und finden deshalb diese Schriften in der Prima dernorddeutschen Gymnasien. Freilich in der 12. westfälischen Directoren-Conferenz (S. 16)
*) Vormb. I. S- 203.
**) Zwölfte Wests. Directoren-Confer. S. 16.
***) Die Schömannsche Ausg. in der Weidm-mnschen Sammlung hat 4 Amlagen erlebt.
f) Arnoldt II. S. 166.