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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Rußland, Elementarschulen und Lehrerbildung.

stehende Anstalten mit 22,163 Schülern (hiervon 57 Schulen mit 19,883 Lernenden beiden deutschen Colonisten im Gonv. Ssaratow).

Die geringen Erfolge der zum Besten der Volksbildung ergriffenen Maßregeln er-klärt das U.-M. vornehmlich daraus,daß die Regierung fast ausschließlich vermittelstdes Systems der Kronsschulen auf die Bildung aller Volksclassen einzuwirken bestrebtwar; die Privatthätigkeit (sowohl von einzelnen Leuten als auch von Landschaften undGemeinden) wurde nicht nur nicht angeregt, sondern unterlag sogar bedeutenden Be-schränkungen. Es kam hinzu, daß die Gründung der Kreisschulen nicht etwa von cineineinzelnen Ressort ausgieng, sondern verschiedenen Verwaltungen überlassen war, von denenjede nach ihren besonderen Ansichten vorgieng, woher es denn kam, daß an einem unddemselben Orte Schulen verschiedener Ressorts bestanden, die auf ganz verschiedenenGrundlagen organisirt waren, und daß in Fragen über Schulangelcgenhciten ein schäd-liches Entgegenwirken unter den verschiedenen Ressorts attfand. Außerdem litten alle dieseSchulen an übermäßiger Centralisation und bureaukratischer Verwaltung, wobei natürlichmehr auf ihre äußere Entwicklung als auf die innere Vervollkommnung gesehen wurde" (Journ.1864, Sept.). Ein weiterer, das Zunehmcn der Volksbildung wesentlich hindernder Uebelstandwar der beständige Mangel an tüchtigen Lehrkräften. Wie traurig es in dieser Beziehungzumal in den Provinzen ausgesehcn haben muß, wird man sich leicht vorstellen können,wenn man erwägt, wie das 11.-M. selbst die Zustände noch der ersten Jahre des gegen-wärtigen Jahrzehnts in seinen Berichten (vgl. S. 468) zu schildern genöthigt ist. Dazukamen noch Mangel an Lehrmitteln (Vorschriften, zusammenzustellende Buchstaben, Wand-tafeln für den Anschauungsunterricht, Karten u. s. w.; viele Kinder kamen ohne Lese-buch in die Schule), unregelmäßiger Schulbesuch infolge sowohl der zahlreichen zum Theilnur localen Feiertage, als auch namentlich der ungenügenden Einsicht der Eltern in denWerth der Bildung, Ueberfüllung der Schulen in größeren Städten und ungenügendeBeaufsichtigung, da der Gouverucmentsdirector und der etatsmäßige Jnspicicnt wederdie Zeit noch die nöthigen Reisegelder hatten, um der ihnen obliegenden Nevistonspflichtin ausreichendem Maße Nachkommen zu können. Volksbildung ohne persönliche Freiheitist unmöglich: die Leibeigenschaft wurde aber erst am 19. Febr. 1861 aufgehoben. DerAct der Befreiung vermochte nicht zugleich die Folgen der langen Knechtschaft zu beseitigen;diese vornehmlich in Mangel an geistigem Streben und in stumpfer Gleichgültigkeit be-stehend, dauern noch in der Gegenwart fort und werden nicht eher ganz verschwinden,als bis eine von freigeborenen Eltern abstammende Generation heranwächst. Dazukommt, daß bei gar vielen, insonderheit in den Städten, da sie die geschenkte Freiheitnicht zu gebrauchen wissen, an Stelle der früheren Unterwürfigkeit Trotz und Selbst-genügsamkeit getreten sind, neben welchen Eigenschaften der Lerntrieb nicht aufkommcnkann. Endlich fehlte zur Verbreitung der Volksbildung, sowohl während der Wirksam-keit des Statuts von 1828 als auch nachher bis zum 1. Jan. 1874, ein sehr wichtigerFactor: die allgemeine Wehrpflicht.

Kreisschulcn gab es am 15. Sept. 1864 in den 7 Lehrbezirken St. Petersburg (43),Moskau (86), Kasan (81), Charkow (67), Odessa (33), Kijew (42), Wilna (20),372 mit 22,883 Schülern, in Ost- und West-Sibirien 21 mit 1375, im Dorpater Lehr-bezirk 20 mit 1400 Schülern. Daß Zustand und Leistungen auch dieser Anstaltenkeineswegs befriedigend waren, spricht der Verwaltungsbericht für die Jahre 18621864(Beiträge Bd. 2), dem die folgenden Notizen entnommen sind, ganz offen aus. DieAnsicht, daß die Kreisschulen in ihrer gegenwärtigen Gestalt ihrem Zwecke nicht ent-sprechen, sei eine allgemeine geworden. Die Hauptmängel bestehen in der Dürftigkeitdes Lehrcursus und in der mechanischen Unterrichtsmethode. Daher Gleichgültigkeit desPublicums gegen diese Schulen und infolge dessen geringe Schülerzahl. Durchschnittlichkommen auf jede Kreisschule nur 57 Schüler, neun haben deren nicht über 20. Beson-ders schlecht besucht sei die dritte (oberste) Elaste, deren Schülerzahl nur (4 der Gesammt-zahl ansmache, während in der ersten Elaste die Hälfte aller Schüler sitze.Ter Kreis-