Rußland, Elementarschulen und Lehrerbildung.
453
am 8. März 1851) ein Statut, welches dem Gesetz vom 8. Dec. 1828 im wesentlichennachgebildet ist. Der Ausbildung von Kreisschullehrern dienten die pädagogischen Cursein Warschau (Ges. 2. April 1842), der von Elementarlehrern das Institut in Lowitsch,welches am 10. März 1843 reorganisirt und nach Radsimin (nicht weit von Warschau)verlegt wurde. — Der Warschauer Lehrbezirk war bis zum 15. Mai 1867 dem U.-M.nicht in derselben Weise unterstellt, wie das eigentliche Rußland; sondern Minister undKurator mußten sich über die zu treffenden Maßnahmen zuerst mit dem Statthalter desZarthums verständigen. — Aehnlich ist noch jetzt die Stellung des kaukasischen Lehr-bczirks (Statut am 18. Dec. 1848, Ergänzungen am 23. Nov. 1850, neues Statutam 29. Dct. 1853).
Statistisches. Im I. 1863 (Beitr. 3,413) zählte man in den 36 Gou-vernements, für welche das bald zu besprechende Statut vom 14. Juli 1864 in Krafttrat:*) 30,179 Volksschulen verschiedener Ressorts und Bezeichnungen mit 632,471Lernenden, (554,017 Knaben und 78,454 Mädchen). Darunter waren:
Schulen Lernende
a) Pfarrschulen des U.-M. in den Städten und auf dem flachen
Lande. 692 36,301
b) Dorfschulen des Domänenministerinms. 5492 177,394
c) Dorfschulen des Apanagenressorts. 2127 36,546
ä) Schulen in den Dörfern der zeitweilig verpflichteten Bauern,
vom Ministerium des Innern abhängig ....... 4961 89,571
e) von Priestern und Kirchendienern orthodoxer Confession ge-gründete Dorfschulen. 16,907 292,659
„Wie bedeutend," heißt es in einem officicllen Aufsatze (Journ. d. U.-M. Sept.1864), „auch diese Zahlen auf, den ersten Blick erscheinen, mit der Bcvölkerungsmasseverglichen sind sie äußerst gering. Die Einwohnerzahl dieser 36 Gouv. beläuft sichauf 45 Millionen, es kommt folglich daselbst eine Schule auf 1500 und 1 Schüler auf?v Bewohner (1 Schüler auf 40 männliche, 1 Schülerin auf 300 weibliche Seelen).Hierbei ist nicht zu übersehen, daß die Schulen der orthodox-griechischen Geistlichkeit(welche 56°/, aller Schulen ausmachen) theilweise nur dem Namen nach existiren, daßsie ferner in materieller Beziehung nicht sicher gestellt sind, da sie weder eigne Localenoch Lehrhülfsmittel haben und da ihre Existenz meist von dem persönlichen Eifer undder Selbstaufopferung ihrer Gründer und Leiter (der Priester und Kirchendiener) ab-hängt. Wie schwach bei uns sogar in den Bildungscentrcn die Kenntnis des Lesensund Schreibens verbreitet ist, ersieht man unter anderem daraus, daß am 15. Dec. 1862in St. Petersburg nicht weniger als 274,521 des Lesens und des Schreibens Unkundigewaren." Im I. 1863 hatte St. Petersburg nur 18 Pfarrschulen mit 1281 Lernenden.
Privat-Elementarschulen gab es (1. Jan. 1864, Beitr. 1,203) in Rußland (wohlim ganzen Reiche, doch ohne Polen, Finnland und den Kaukasus) 846 mit 13,821Lernenden, außerdem bei Kirchen fremder Confessionen und bei Synagogen 102 gleich-
Russijch 18, Lateinisch 18, Deutsch 13, Mathematik 23, allgemeine und russische Geographie 9,allgemeine und russische Geschichte 12, Schreiben 13, Zeichnen 13. — Am 16. Aug. 1832 wurdedie Errichtung 6 sUnfclassiger Kreisschulen, vornehmlich für Kinder von Adeligen und Beamten»»geordnet (Ges. II t>, 1383).
) Lehrbez. St. Petersburg 6 (St. Petersburg, Nowgorod, Pskow, Olonez, Wologda, Archangel),Moskau 0 (Moskau, Twer, Wladimir, Rjäsan, Tula, Kaluga, Ssmolensk, Kostroma, Jaroslaw),Kasan 10 (Kasan, Nishni-Nowgorod, Pensa, Astrachan, Ssaratow, SsimbirSk, Ssanrara, Orenburg,Perm, Wjätka), Charkow 5 (Charkow, Kursk, Orel, Woronesh, Tambow), Odessa 4 (Bessarabien,^rsjon, Jekaterinoslaw, Taurien), außerdem 2 Gouv. des Lehrbez. Kijew (Tschernigow, Poltawa).sind die Schulen im Lande der Don'schen Kosaken (Hauptstadt Nowo-Tscherkask, zum Lehrbezirkkhartow gehörig) mit gerechnet?