Rußland, Elementarschulen und Lehrerbildung.
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von Peter sehr gewünschten Reisen ins Ausland oder durch Privatunterricht vermittelt.Daß es aber mit letzterem sehr mangelhaft aussah, möge folgende Charakteristik einesrussischen Schulmannes zeigen: „Der russische Junker der Zeit Peters galt noch mit17 und 18 Jahren für einen unverständigen Knaben und lebte auf seinem Gute in gedan-kenloser Unwissenheit. Seine Erziehung beschränkte sich meist auf das Lesen der Fibelund deö Psalters unter Anleitung des Küsters, den der Schüler mehr als Gegenstandder Unterhaltung denn als Lehrer ansah."
Katharina II-, obwohl in den ersten Jahrzehnten ihrer Negierung durch dieTurkcnkriege und die polnischen Verhältnisse sehr in Anspruch genommen, erkannte dochden Mangel an Schulen und befahl 1775 den Collegien der allgemeinen Fürsorge (jedesGouvernement hatte ein solches Collegium, dem die Unterrichts- und Wohlthätigkeits-anstalten untergeordnet waren) dahin zu streben, daß zunächst in allen Städten, dannaber auch in den größeren Ortschaften Schulen gegründet würden. Da es jedoch wederLehrer noch Schulbücher gab, auch alle Erfahrung fehlte, blieb dieser Befehl im wesent-lichen unausgeführt. Erst im I. 1781 war es der Kaiserin vergönnt der ihr sehr amHerzen liegenden Angelegenheit der Volksbildung ihre thätige Aufmerksamkeit zuzuwenden.Da wurden in den sieben Stadttheilen der Residenz St. Petersburg ebcnsovicle ein-classige Volksschulen errichtet, in denen der Hauptunterricht den Priestern der nächstge-legenen Kirche zuficl. Schon im ersten Jahre zählten diese Anstalten 486 Schüler.Nachdem so die dringendsten Bedürfnisse der Hauptstadt befriedigt waren, galt cs auchfür das Reich selbst zu sorgen. Zu diesem Zwecke ernannte die Kaiserin am 7. Sept.1782 eine Commission zur Gründung von Volksschulen. Präsident derselben war GrafP. W. Sawadowski ss. Encykl. XI. S. 10). Mitglieder waren PH. I. Epinus, P. I.Pastuchow und ss. das. S. 18) der aus Oesterreich berufene Jankowitsch de Miriewo.Die Commission hatte den vierfachen Auftrag: Lehrbücher herzustellcn, ein Statut fürVolksschulen zu verfassen, Schulen in der ganzen Monarchie zu errichten und brauchbareLehrer vorzubildeu. Der Haupttheil der Arbeit fiel Jankowitsch zu: er bearbeitete deneigentlichen Lehrplan (allerhöchst bestätigt am 1. Oct. 1782); er bereitete 20 Zöglingedes Alexander-Newski-Seminars auf das Lehramt vor; er verfaßte die Mehrzahl derdamals durch die Commission herausgegebenen Schulbücher, von denen die Kaiserin selbsteinige prüfte und billigte. Infolge dieser angestrengten Thätigkeit war es möglich dieSchulen der Residenz bereits im Anfang des Jahres 1783 als zweiclassige, besser ein-gerichtete Lehranstalten zu rcorganisircn. Für den ersten Bedarf der Schulen in denStädten des St. Petersburger Gouvernements sorgte die Commission durch Ausbildungvon 70 meist aus geistlichen Seminaren kommenden jungen Leuten zu Lehrern. Nochin demselben Jahre (13. Dcc. 1783) wurde die vierclassige Hauptvolksschule in St. Peters-burg eröffnet (Lehrgegenstände außer den Elcmentarkcnntnissen: Mathematik, Natur-geschichte, Physik, Geographie, Geschichte, Zeichnen und Reißen, Russisch, Lateinisch undDeutsch), an der auf Staatskosten stets wenigstens hundert jnnge Leute erhalten und mitden Erfordernissen des Lehrerberufs vertraut gemacht werden sollten.
Im I. 1786 hielt die Commission die Lehrerbildung für weit genug gefördert, umSchulen auch in den Provinzen zu errichten. Das am 5. Aug. 1786 allerhöchst bestätigteStatut der Volksschulen befahl die Eröffnung vierclasstger Hauptvolksschulen indm 26 Gouvernementsstädten*) und zweiclassiger einfacher Volksschulen in den Kreis-städten. Die Schulen jedes Gouvernements wurden vom Colleg der allgemeinen Für-!»rge, dessen Präsident zugleich den Titel Curator hatte, verwaltet; doch bedurften alleVerfügungen der Zustimmung des Generalgouverneurs. Die unmittelbare Leitung derSchulen, besonders der Hauptvolksschule, hatte der Dircctor der Volksschulen, dem fürdie einfachen Volksschulen ein Jnspicient zur Unterstützung beigegeben war. Die Schul-
*) Die 26 Gouvernements waren: St. Petersburg, Moskau, Jaroslaw, Wologda, Wladimir,Kostroma, Olonez, Archangel, Kasan, Wjätka, Nishni-Nowgorod, Pensa, Perm, Ssaratow, Ssim--büsk, Rjcisan, Tambow, Orel, Kursk, Woronesh, Tula, Kaluga, Twer, Nowgorod, Pskow, Ssmolensk.