Russische Ostseeprovinzen.
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lung der livländischen Volksschule bis 1874 erscheint; die Lehrpläne aber (1,1>) gebensür die fortan zu leistende Schularbeit Maß und Ziel, weisen also in die Zukunft. Esfolgen sodann statistische Notizen aus dem Rechenschaftsbericht des livländischen Schul-raths von 1875, welche die neuesten Fortschritte Nachweisen. Endlich S. 26—42 einbesonders lcscnswcrther Ausblick in die Zukunft der livländischen Volksschule, welcher mitZusammenfassung der Bedingungen für ihre gedeihliche Fortentwicklung schließt, indemer verlangt:
„1) Fortgehende wohlgesinnte Fürsorge der Großgrundbesitzer unseres Landes„für die Volksschule unter der bewährten Oberleitung der livl. Oberlandschul-„behörde."
Das neue Verhältnis, in welchem sich nicht mehr Bauer und Herr, sondern Klcin-grundbesitzcr und Großgrundbesitzer gcgenüberstehen, ist erst im Stand des Werdensund muß sich erst concrcter ausgestaltcn; die livländische Ritterschaft hat sich durch ihregroßen Opfer an Geld und Arbeit für die Volksschule ein Recht erworben, in ihrenAngelegenheiten ein entscheidendes Wort mitzuredcn; die Großgrundbesitzer sind die Cultnr-träger, die durch persönliche Bcthätigung ihrer Fürsorge, durch ihre moralisch-gewichtigeStellung unter den Kleingrnndbesitzern, das Familienleben des Gutsherrn und nament-lich die Edelfrauen den tiefgreifendsten Einfluß auf die Volksbildung üben.
„2) Einlcnkcn der auf eigene Hand sich bethätigenden Mitarbeit unseres Land-volkes in die durch den geschichtlich erwachsenen Organismus des livl. Volks-Schulwesens vorgezeichnetcn Bahnen, behufs einträchtigen und einheitlichen Zu-sammenwirkens aller in den Dienst der Volksschule sich stellenden Kräfte des„Landes."
Das Landvolk baut seit 1819 mit Geld und Arbeit selbst mit an seiner Volksschule.Die Local- und Krcisschulbehörden haben gewählte Männer aus dein Volk zu Mit-gliedern. Die Lehrer, fast alle dem Volke entstammt, rcpräsentiren die innerliche Aneig-nung der Schule seitens des Landvolks auch vermöge ihrer socialen Stellung, indem sicnicht, wie vielfach in Deutschland, den: Volksleben entfremdet gegenüberstehen, als einebesondere Elaste mit eigenem Standesbewußtsein, sie stehen vielmehr mitten im Volks-leben drin. Das Landvolk ist jetzt damit beschäftigt, das ihm zuströmende Neue auf-zunehmcn und zu verarbeiten, zum Theil auch solches, Was es nicht assimiliren kann,und im Zusammenhang damit ist auch hei den Volksschullehrern auf ihrem speciellenArbeitsfeld eine gewisse kritiklose Hast nicht zu verkennen, womit sie auch den unge-gorenen Most neuen Wissens und Könnens für reinen Wein der Wissenschaft hal-ten. Das Landvolk ist von einer Emancipationsbewegung ergriffen, welche sich demEinfluß der seit sieben Jahrhunderten maßgebenden Culturmacht des Deutschen ent-ziehen will, und in diese Strömung sind auch viele Volksschnllehrer mit hineingezogenund besprechen die Schulfragen so, als gäbe es außer den mit und ohne Beruf auf-trctenden Schriftstellern keine berechtigte und organisirte Oberleitung der Volksschule inLivland. Solches autonome Vorgehen führt zu einer den Gesicktskreis verengendenJsolirung, sperrt die Canäle, welche der Schule bisher Licht uud Luft zugcführt haben,und droht die Schule zum Schauplatz eines aus politischen und socialen Motiven an-gcsachten, für sie selbst und das Landvolk verderblichen Emancipationskrieges zu machen.
„3) Ausbau unseres Volksschulwesens nach der Seite höherer Mädchcnbildnng„behufs intensiverer Mitarbeit des ganzen Volkes in Familie und Haus an sei-ner Schule, an seiner Gesittung und an seiner Gesammtbildnng."
Der Hausunterricht ist ein intcgrirendcs Glied des livländischen Landschulorganismus.Da er sich fast ganz in den Händen der Mütter und Frauen befindet und diese auch imBauernhause uud in der Taglöhnerhütte zu Hüterinnen der Gemüthsbildung und derGesittung berufen find, so Wird die Mädchenbildung des Landvolks mehr und mehrGegenstand öffentlichen Interesses. Die Particnlarschulen für Knaben sind nicht derrichtige Ort sür die wcitergehendc Bildung der Mädchen. Eigene Particularskbulen für