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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzen.

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Malm iu den Städten sich gebildet, wo der Lehrstand durch eine größere Anzahl vonMitgliedern vertreten ist, ohne jedoch mit Ausnahme etwa des allgemeinen pädago-gischen Vereins in Dorpat, welcher früher eine längere Zeit hindurch eine lebendigeThätigkcit entwickelte, von dauerndem Bestände gewesen zu sein. Unter den Lehrerneinzelner Anstalten oder mchrer Schulen derselben Kategorie finden auch jetzt pädago-gische Zusammenkünfte zu gegenseitiger Anregung statt. Allgemeine Lehrerversamm-lungen sind nicht zu Stande gekommen, obgleich das Bedürfnis derselben wohl gefühltwird; nur die Landschullehrer in Livland halten ihre regelmäßigen jährlichen Zusam-menkünfte in den Sommerferien. Im I. 1864 wurde durch den damaligen CuratorGraf Keyserling eine Conferenz der Gymnasialdirectoren mit Betheiligung auch einigerLehrer zusammenberufen und derselben besonders die Bcrathung über die Gründungvon Lchrervercinen mit regelmäßigen allgemeinen Zusammenkünften, wie sic in Deutsch-land (und auch in den übrigen Lehrbezirken Rußlands) bestehen, und über die Heraus-gabe einer pädagogischen Zeitschrift zur Aufgabe gestellt. Wegen der allgemeinen Zeit-Verhältnisse erschien es jedoch später nicht opportun, auf diese Fragen weiter eiuzugchn,und so hatten die Vorschläge der Conferenz weiter keinen Erfolg; auch unterblieb diezunächst in Aussicht genommene Wiederholung der Directorenconferenzen, obgleich dieWichtigkeit derselben nicht verkannt werden konnte. Ein im I. 1869 von einem gewesenenSchulmanne cingereichtes Gesuch, eine baltische Schulzeitung, welche sich besonders auchdie Aufgabe stellte, ein vermittelndes Organ für die deutschen und russischen Schulzuständezu werden, herausgeben zu dürfen, erhielt nicht die erforderliche Genehmigung.

Die Errichtung und Unterhaltung der für die Bildung des weiblichen Geschlechtsbestimmten öffentlichen Schulen ist eine Obliegenheit der städtischen Verwaltungen; siesind aber sämmtlich dem Curator und den Directoren untergeben. Nur zum Unter-halt des Lomonossow-Gymnasiums in Riga, ein nach dem Muster der ähnlichenR Anstalten im Innern des Reiches eingerichtetes sogenanntes weibliches Gymnasium,

! vorzugsweise für die Töchter russischer Familien bestimmt, mit 6 Classen zahlt die

Krone einen jährlichen Beitrag von 3000 Rubel. Die übrigen sogenannten Stadttöchter-schulen, 16 an der Zahl, zerfallen in Schulen erster und zweiter Ordnung; die dritteOrdnung bilden die eigentlichen Elementarschulen für Mädchen, die mit zu Leu Ele-mentarschulen im allgemeinen gerechnet werden. Die Stadttöchterschulcn sind den Be-st dürfnissen und den Mitteln der Städte, welche sie unterhalten, angemessen sehr ver-schieden organisirt; von der zweiclassigen Schule an, die wenig mehr als eine erweiterteund gehobene Elementarschule ist, steigt die Zahl der Classen bis auf 6. Der Unter-richt erstreckt sich in mehr oder weniger ausführlicher Fassung auf die üblichen Schul-fächer: Religion, Geschichte und Geographie, sowohl allgemeine als spccielle Rußlands,Arithmetik, Naturbeschreibung und Physik, deutsche Sprache und Literatur, russische,sranzösische Sprache, Zeichnen, Gesang und Handarbeiten. Die höhcrn Töchterschulen(erster Ordnung) haben das Recht, beim Abschluß des Cursus die Schülerinnen, welcheHauslehrerinnen werden wollen, in der Anstalt selbst, in Gegenwart eines Delegirtendes Gymnasiums zu prüfen, was sonst nur bei diesem geschieht. Schon hieraus ergiebtsich, daß die Thätigkeit dieser Schulen (in noch höherm Grade ist dies bei den Privat-schuleu der Fall) mehr als gut, besonders auf die Ausbildung von Gouvernanten ge-richtet ist. Dennoch fehlt es ihnen an besonder» Scminarclassen mit dein Zwecke, denkünftigen Lehrerinnen auch die erforderliche pädagogische und didaktische Ausbildungund die praktische Vorbereitung für ihren künftigen Beruf zu geben. Dieses darf umI» mehr als ein Bedürfnis bezeichnet werden, als sich viele Schülerinnen gerade diesemBerufe widmen. Uebrigens ist es nur eine Folge der socialen Verhältnisse, der sprö-dem Abgeschlossenheit der Familien, so wie des stärker hervortretenden Unterschiedesder Staude und der Verschiedenheit der Nationalitäten, daß es häufig vorgezogen wird,die Mädchen ihre Bildung durch Privatunterricht im Hause oder iu geschlossenen Kreisen«der iu Len Privatschulcn erlangen zu lassen.