Druckschrift 
11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420

Russische Ostseeprovinzen.

der höchste 500 Rubel), und der freien Wohnung sind die Elementarlchrer vornehmlichauf das Schulgeld angewiesen, dessen voller Betrag ihnen zufällt. Der Betrag desselben,der nach Maßgabe der localen Verhältnisse von den Schulcollegien mit Bestätigungdes Kurators festgestellt wird, ist ebenfalls sehr ungleich, er steigt von 2 bis 20 Rubeljährlich für jeden Schüler. Es ist unter diesen Umständen unmöglich das jährlicheEinkommen eines Elcmentarlchrcrs im Durchschnitt zu bestimmen; jedoch kann ange-nommen werden, daß das geringste Einkommen mindestens 250 Rubel beträgt; in dengrößern Städten wie in Riga, wo der Gehalt 500 Rubel beträgt, dürfte in den zahlreichbesuchten, ja überfüllten Schulen (die Normalzahl der Schüler ist 60, cs giebt aberSchulen mit 80 und mehr Schülern) das Einkommen eines Lehrers Wohl auch bis aufdas 4fache und darüber steigen.

Die Kr eis schulen enthalten in ihrer Organisation die Bedingungen, um sichentweder zu Realschulen oder zu Gymnasien fortzucntwickeln. Freilich sind bis jetztnur einige unter ihnen dazu gelangt; andere sind in einem Ucbergangsstadium begriffen,während ein Theil noch in dem ursprünglichen Zustande verharrt, sei es aus Mangelan Geldmitteln zur Erweiterung derselben oder aus Mangel einer richtigen Erkenntnisder Bedeutung dieser Schulen. Der letzte Bericht des Ministers der Volksaufklärung(Journ. des Min. 1872) hebt bei der Erwähnung der nothwcndigcn Umgestaltung derKreisschulcn in den übrigen Lehrbezirkcn, wo sie, scheint es, mehr den Charakter von Ge-werbeschulen erhalten sollen, „den Unterschied der Kreisschulen des Dorpat'schen Lehrbezirksvor den übrigen hervor." Dieselben, heißt es, haben auf Grundlage des besonder» Statutseinen Lehrcursus, der dem Gymnasialunterricht angepaßt ist, und stehen daher den Pro-gymnasien näher als den Kreisschulcn. Ihrem oben angebenen Hauptzwecke nach entsprechendie Kreisschulcn ungefähr den Bürgerschulen in Deutschland, am nächsten kommen sie Wohlder kleinern Realschule in Württemberg. Zu den Lehrfächern gehören: Religion, Arithmetik,Planimetrie und Stereometrie, Naturbeschreibung mit Berücksichtigung der Technologie,Physik, (in einigen auch Chemie), allgemeine Geschichte und Geographie, Geschichte undGeographie des russischen Reiches, deutsche und russische Sprache, Zeichnen, vorzüglich geo-metrisches, Schreiben. Nach dem Statut sollten sie aus 2 Classen bestehen, in denkleinern Städten nur aus einer Elaste; in den See- und Handelsstädten Riga, Reval,Pernan, Arensburg und Liban wurde den beiden Classen noch eine Sclecta oder eineHandelsclasse hinzngcfügt, die theils für den Eintritt in die höheren Classen der Gym-nasien durch den Unterricht im Griechischen und Lateinischen, theils speciell für den kauf-männischen Berns durch Unterricht in den neuern Sprachen, in der Buchhaltung, Han-delsgeographie u. s. w. vorbereiten sollte. Auch in den kleinern Orten, wo diese Classennicht bestanden, sollte bei der Anstellung der Lehrer darauf Rücksicht genommen werden,daß sie auch befähigt seien, den Unterricht in den alten Sprachen zu ertheilcn, wozu siegegen ein bestimmtes mäßiges Honorar verpflichtet waren, damit auch in diesen vonLen Gymnasialstädten entfernter liegenden Orten die Eltern Gelegenheit hätten, ihreKinder für die höhcrn Classen des Gymnasiums vorbcrcitcn zu lassen. Da dieser Unter-richt außer dem Cursus ertheilt wurde, so ward, um die Ucberbürdung der Schülerzu vermeiden, später gestattet, die Schüler, welche die alten Sprachen betrieben, vondem Unterricht in einigen Fächern, wie in der Physik, im Zeichnen und einzelnen Thcilender Mathematik zu dispensircn und für diese Stunden besondere Parallclclassen für dasLateinische und Griechische zu errichten. So waren diese Schulen bestimmt, einerseitsdem Bedürfnis der realistischen Bildung zu genügen, andrerseits die untern Classen derGymnasien zu ersetzen. Da aber im Verlaufe der Zeit die Ansprüche an die erstcrcsich steigerten und die vorhandenen Gymnasien den: Bedürfnisse nicht mehr genügten,so trat die Nothwendigkeit ein, die Kreisschulcn zu erweitern und umzugestaltcn. Vonden 26 ursprünglich vorhandenen Schulen dieser Art (6 von 3, 15 von 2, und 5 voneiner Elaste) wurden 4 mit Bcihülfe der Städte oder des Adels anfangs zu Progym-nasicn, dann zu Gymnasien von 6 Classen erweitert (in Pernan, Arensburg, Liban