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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzen.

finde») lebt, das System des häuslichen, von wandernden Katecheten unterstützten Unter-richts mehr verbreitet, während im estnischen Theile, wo das meist übliche Wohnen inDörfern die Begründung von Schulen und den Schulbesuch erleichtert, diese über-wicgen. Aber auch da, wo Schulen bestehen, wird der häusliche Unterricht gepflegtund sorgfältig beaufsichtigt, indem er theils zur Vorbereitung auf den Schulunterricht,theils zur Unterstützung desselben dient. Er wird dadurch gefördert, daß Katecheten,in den Parochialschulcn besonders dazu gebildete Lehrer, auf Kosten der Kirchspielsgemeindenangestellt werden, welche die Kinder entweder in den einzelnen Höfen aufsuchen, um denEltern Lurch ihr Vorbild Anleitung zum häuslichen Unterricht zu geben, oder an wöchentlichwiederkehrendcn Schultagen die Jugend eines Gebiets in einem bestimmten Gehöfteversammeln, um ihr den Unterricht in der biblischen Geschichte, im Verständnis desKatechismus, im verständigen Lesen, Gesang und auch im Schreiben und Rechnenzu ertheilcu. Im Jahre 1868 waren im lettischen Theile Livlands 67 Katechetenthätig. Häufig wird ihre Arbeit durch die Gemeindelehrer unterstützt, die ihrer-seits die Kinder zu bestimmten Zeiten zur Prüfung und Nachhülfe zusammcnkommcnlassen, während die Revision dieses ganzen Unterrichts ebenso zur Verpflichtung derPrediger und Schulrevidcntcn gehört, wie die der eigentlichen Schulen. Obgleich mmder häusliche Unterricht bisher recht günstige Resultate aufzuweiscn hatte, so kann er,der Natur der Sache nach, weder an Umfang des Lernstoffes, La Schreiben und Rechnenin den meisten Fällen nicht dazu gehört, noch an Intensität dem Schulunterrichte gleichkommen, daher eine Erweiterung des letztem durch Gründung neuer Schulen noch immerein großes Bedürfnis ist, wie dies auch besonders von den Predigern, in deren Kirchspieleder Unterricht der Katecheten den besten Erfolg gezeigt, wiederholt ausgesprochen ist.Wo der häusliche Unterricht ganz daniederliegt, werden zeitweilig auf Kosten derer, dieihre Kinder oder Pflcgbefohlcnen nicht gehörig unterrichten, sogenannte Strafschulcn, inwelche die Kinder wegen Nichterlernung des Lesens im Hause zwangsweise ausgenommenwerden, um das Versäumte nachzuholen, errichtet, so wie zur Unterstützung des häuslichenUnterrichts Sonntagsschulen zur Nachhülfe im Gesang, in der biblischen Geschichte undin der Erlernung von Bibelsprüchen.

Zum Besuch der Gebietsschule ist jedes Kind, das nicht ausdrücklich dispensirt oderdurch Krankheit verhindert wird, so lange verpflichtet, bis der Prediger cs für hinlänglichunterrichtet erklärt; nur diejenigen Kinder sind ausgenommen, welche nach seiner Ucber-zcugung in den Gesinden durch Besorgung der Eltern und Pfleger den nöthigen Unterrichterhalten. Die Bestimmung des Alters der aufzunchmcuden Kinder, so wie die Dauerdes Schulbesuchs der einzelnen hängt von dem Verhältnis des häuslichen Unterrichtszur Schule, von den Leistungen der Schule selbst und localen Verhältnissen ab, und istdaher der Schulbehörde überlassen. Der Prediger hat unter Zuziehung der Kirchen-vormündcr und Schulältestcn zum Beginn der Schulzeit anzugcbcn, welche Kinder dieSchule zu besuchen haben und welche der Unterstützung der Gemeinde bedürfen. DieSchulkinder sind der Regel nach von ihren Angehörigen während der Schulzeit mit demnöthigen Unterhalt zu verstehn, wenn sie wegen der großen Entfernung vom Hause ganzin der Schule bleiben, die völlig Unbemittelten sind in den Gcmeindcschuleu von derzugehörigen Gemeinde, in den Kirchspielschulcn auf Kosten der Kirchspielsangehörigen zuunterhalten. Die Schulzeit dauert in den Gcbietsschulen vom Spätherbst bis in denFrühling in der Regel 45 Monate; in den Parochialschulcn wird der Unterricht dasganze Jahr hindurch ertheilt. Auf willkürliche Schulversäumnisse stehen Geldstrafen, dochkommen oft genug Klagen über mangelhaften Schulbesuch vor. Während des Sommersprüft der Pastor bei Gelegenheit der Katechisationen die Kinder im Lesen und wachtdarüber, daß der häusliche Unterricht nicht vernachläßigt werde; die den letztem genießendenKinder versammeln sich auch im Winter alle 4 Wochen beim Schulmeister zur Prüfung.

Die Ausbildung von Gemeindeschullchrcrn ist eine Hauptaufgabe der Parochialschule,die jedoch zu einer erfolgreichem Lösung derselben noch einer Erweiterung ihres Lehrcurse»