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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzcn.

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Kinder aus der zugehörigen Gemeinde das Lesen, den Katechismus, das Singen derbekanntem Kirchenmelodien (möglichst nach Noten und mehrstimmig), die biblische Ge-schichte, Schreiben und Rechnen. Die Kirchspiels- oder Parochialschulen haben den Zweck,für Gemeindeämter tüchtige Subjecte, namentlich künftige Gemeindeschulmeister auszu-bilden, sollen aber auch da, wo Gemeindeschulen noch fehlen, wenigstens einer geringenAnzahl Kinder Gelegenheit geben, sich zu bilden, um dadurch auf die Maste wohlthätigzu wirken. Im ganzen sind die Unterrichtsgegenstände dieselben, wie sie von den ihrerBestimmung entsprechenden Gemeindeschulen gefordert werden; doch soll der Unterrichttiefer und umfassender sein, auch erstreckt er sich außerdem häufig noch auf Geographieund Geschichte (besonders vaterländische), Naturbeschreibung und Naturlehre, Geometrieund Zeichnen, auf die deutsche und meist auch die russische Sprache, Stilübungen, Musik(Clavier, Orgel- oder Violinspiel), so wie in einigen Schulen auf Mitthcilnng landwirth-schaftlicher Vorkenntnisse, katechetisch-praktische Hebungen und Turnen. In einzelnendieser Fächer, namentlich in der Geographie und Geschichte und in der deutschen Sprachewird auch schon in einigen gehobenen Gemcindeschnlen unterrichtet. In Estland gicbtes ebenfalls Parochialschulen, jedoch nur in geringer Zahl, deren Vermehrung als eindringendes Bedürfnis bezeichnet wird. Die Unterrichtsgegenstände fast irr allen Gebicts-oder Dorfschulen sind die oben genannten, biblische Geschichte, Katechismus, Gesang,Lesen, Schreiben, Rechnen; in den wenigen Schulen, in denen bisher das Schreiben undRechnen nicht gelehrt worden, soll dieser Unterricht nach dem auf der Provincialsynode(1870) abgestatteten Bericht obligatorisch gemacht werden; in der russischen und deutschenSprache wurde Unterricht in 10 Schulen ertheilt (1870) und in mehreren Schulen auchdie Elemente der Geographie und soll dieser Unterricht, so wie der in der russischenSprache, wo es thunlich ist, auch in andern Schulen eingeführt werden. In Kurlandsind znfolge dem auf der Prov. Synode 1871 abgeplatteten Berichte, die Schulen sehrverschieden angelegt, weil ein allgemein gültiger Lehrplan nicht cristirt. Es giebtParochialschulen, welche die Kinder bis zur Loxta, des Gymnasiums gebracht haben, undwiederum Schulen, welche nur Lesen, Schreiben, Katechismus und biblische Geschichtelehren. Diese Gegenstände werden in allen Schulen gelehrt; nur die reinen Lcscschulcnnehmen Kinder auf, welche noch nicht lesen können, die meisten Schulen verlangen dasLesen schon aus dem häuslichen Unterricht und wird dasselbe in den Schulen nur betrieben,um die Kinder fließend und mit Verständnis lesen zu lehren. Der Gesang, namentlichder mehrstimmige, wird in einem Drittel der Schulen nicht gelehrt, was gewiß einMangel ist, da die Letten Lust und Talent zum Singen haben. Kopf- und Tafelrechncnwird in allen Schulen gelehrt, welche nicht reine Lcseschulen sind: alle Schüler lernenWohl die 4 Species, bessere kommen bis zur Regel detri mit Brüchen und Gcsellschafts-rechnung; der Unterricht in der Geographie, welche in mehr als der Hälfte der Schulengelehrt wird, beschränkt sich auf eine sehr allgemeine Kenntnis der Welttheile, Meere,Länder und Hauptstädte; etwas specieller wird die vaterländische Geographie behandelt.Aus der Geschichte und Kirchengeschichte werden meist nur Einzelheiten hcrausgchoben,die deutsche Sprache wird in 235 Schulen (von 336) gelehrt; im allgemeinen beschränktsich die Kenntnis des Deutschen auf etwas Lesen und Ucbcrsehen. Eben so ist es mitdem Russischen, welches in 136 Schulen gelehrt wird. Zeichnen wird in 69 Schulenbetrieben und beschränkt sich meist auf Linearzeichnen; Turnen in 10, weibliche Hand-arbeiten in 57 Schulen.

Außer dem Schulunterricht wird in allen drei Bauerverordnnngcn häuslicher Uuter-richt gefordert, der das Kind bis zum Lesenkönnen und zur Kenntnis des Katechismusbringen soll, so wie zum Singen der bekanntesten Choralmelodiccn, sich jedoch auchauf die biblische Geschichte und die Einprägung ausgewählter Bibelsprüche erstreckenkann. Er wird meist von den Müttern selbst ertheilt. Unter der lettischen BevölkerungLivlands (diese nimmt den südlichen Thcil des Gouvernements ein, der nördliche ist vonEiten bewohnt) ist, weil dieselbe über das Land zerstreut in Einzelgehöften (sogen. Ge-