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Russische Ostsceprovinzcn.
Alle diese Anstalten, Mitteldinge zwischen Gymnasium und Universität, hatten denZweck, außer der Vorbereitung für die letztere auch für die praktische Thätigkeit in denverschiedenen Verwaltungszwcigen brauchbare Beamte zu bilden. Wohlhabende jungeLeute pflegten sie eine Zeitlang zu besuchen und dann zu ihrer weitern Ausbildung sichauf eine Universität in Deutschland, oder auf die Landesuniversität, so lange diese be-stand, zu begeben. Diese letztere nahm bald Rücksicht auf Livland, auf das praktischeLeben und vornehmlich auf den Schulunterricht. Für diesen waren die von einigenProfessoren herausgegebenen Grammatiken der deutschen und griechischen Sprache, sowiedie Handausgaben von Classikern bestimmt. Auch die Privatlehrer wurden verpflichtet, vorAnnahme einer Erzieherstclle sich vor der Universität über ihre Herkunft, ihren Glaubenund ihre Kenntnisse auszuweiscn und sich ein Zeugnis ausstellen zu lassen, worüber diePrediger Wachen sollten. Die Beaufsichtigung der Schulen war den Konsistorien über-tragen. Auch erhielt Livland 1693 eine besondere Schulordnung, die von der Einsetzungder Lehrer, von den wechselseitigen Beziehungen der Lehrer und Kinder, und von der Lehr-methode sowohl in den Gymnasien als in den Elementarschulen handelte. Eine besondereInstruction erließ der Niga'sche Magistrat für die Professoren des Gymnasiums (1697).Daß aber die Förderung des Unterrichts auch für den Bauernstand in der Absicht desgroßen Gründers der Universität lag, zeigt sich schon in der Aufnahme der Landessprachenunter die Lehrfächer, noch mehr aber in der Thätigkeit, welche sich jetzt auf die Abfassungvon Erbauuugsbüchern in beiden Sprachen richtete, sowie von Uebersetzungen des Kate-chismus, der Sonn- und Festtagsevangelien und von Kirchenliedern in die estnischeSprache, um welche letztere sich besonders der Superintendent Stahl in Reval verdientmachte, der auch eine estnische Grammatik verfaßte. Eine Uebersetzung des N. T. insEstnische erschien 1686, eine lettische Uebersetzung der Bibel wurde von dem schon ge-nannten, um das Schulwesen verdienten Fischer besorgt. Vorzüglich richtete auch Karl II.seine Aufmerksamkeit auf den Unterricht des Landvolkes; er befahl die Errichtung vonVolksschulen sowohl für die Letten als für die Russen in den Grenzgebieten, die Ueber-sctzung der Bibel in die Volkssprachen und ermunterte die Gelehrten, brauchbare Schul-bücher für die Bauernschulen zu schreiben, welche unter arme Schüler unentgeltlichvertheilt würden. Aus den Vorschriften für die zur Kirchcnvisitatiou bestimmten Com-missionen ist zu ersehen, daß cs schon damals Gebiets- und Hofschulen und Kirchspiels-schulen gab, in welche die Kinder aus jeueu zur fernem Hebung übertraten, sowie daßdie Kinder gehörig zur Schule angehalten und diese von den Pastoren fleißig revidirtwerden sollten.
Der nordische Krieg, Lessen Schauplatz Livland lange Zeit war, und in seinemGefolge Brand, Hungersnot!) und Pest zerstörten, wie erwähnt, wiederum die mühsamgewonnenen Früchte der Jugendbildung. Livland und Estland unterwarfen sich demrussischen Zaren. In den verschiedenen Capitulationsurkunden wurde vor allem die Er-haltung der Religion, der Kirchen und der Schulen und Wiederherstellung der letztem,wie sie in den ruhigsten Zeiten eingerichtet gewesen, sowie die Herstellung der Universitätbedungen und zugcstandeu. In den nun folgenden Zeiten eines dauernden Friedens hattedas Land die Möglichkeit, sich wieder von der Verwüstung des Krieges zu erholen.Dennoch geschah dies nur sehr langsam. Von den früheren Schulen hatte mir dasGymnasium in Reval nach kurzer Unterbrechung seine Thätigkeit wieder ausgenommen;das Lyccum in Riga ward erst 1733 wieder eröffnet und gelangte durch den RectorLoder bald zur Blüte; die städtische Domschule wurde auf 5 Elasten erweitert, derenbeide obersten das untergegangene Stadtgymnasium ersetzen sollten. In Dorpat, dessenEinwohner 1708 nach Rußland verbannt, erst nach 13 Jahren die Erlaubnis zur Rück-kehr und zum Aufbau ihrer Stadt erhielten, wurde 1731 die frühere vereinigte Krons-und Stadtschule wieder eingerichtet. Wie traurig die Verhältnisse dieser Schule waren,zeigt der Bericht vom I. 1752, in welchem angeführt wird, daß in den ersten 8 Jahrendie Zahl der Schüler in der Sccunda zwischen 8 und 13 betragen, später sich noch mehr