Russische Ostsceprovinzcn.
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wurden die langjährigen Streitigkeiten zwischen der Ritterschaft und der Stadt über dasMichaeliskloster dadurch beigelegt, daß aus diesem unter gemeinschaftlicher Bethcilignngder Ritterschaft (die jedoch 1651 die Anstalt der Krone ganz überließ) und der Stadtem Gymnasium gemacht wurde, das jetzige Gouvernements-Gymnasium. Außer den altenSprachen wurden in der obersten Classe Ethik, Poetik, Physik und Mathematik gelehrti„id Stilübungcn gehalten. Man las den Plntarch, Jsokrates, Homer und Hesiod.Das Gymnasium hatte 4 Professoren; 1) der Theologie, der zugleich Rector war unddas Hebräische lehrte; 2) der Beredsamkeit und historischen Wissenschaften; 3) der Poesieand griechischen Sprache; 4) der Mathematik und zugleich auch des römischen Rechts,später in Verbindung mit der estländischen und mit der französischen Sprache. Außerdemlehrten sämmtliche Professoren das Lateinische. Sie lasen 10—12 Stunden wöchentlich,die besonders bezahlten Privatcollcgicn ungerechnet. Ein Cantor lehrte das Singen, einSchrcibmeister Kalligraphie, zwei Collegen lehrten außerdem besonders in den unternNassen. Die Schüler waren in 4 Classcn vertheilt und gehörten je nach ihren Kennt-nissen zugleich zu verschiedenen Elasten; sie verließen die Anstalt nicht nach einer be-stimmten Reihe von Jahren, sondern nach den erworbenen Kenntnissen und nach bestem,dener Prüfung. In Riga, wo auf der von Rivins gelegten Grundlage die Domschnlcihre Thatigkeit fortgesetzt hatte, wurde ebenfalls 1631 auf Anrathen und Vorschlag desSuperintendenten von Livland Ll. Hermann Samson, eines um das Kirchen- undSchulwesen hochverdienten Mannes, der das volle Vertrauen des Königs genoß, einehöhere Anstalt vom Rathe der Stadt gestiftet, welche bei einem dreijährigen Studiumsiir Theologen und Juristen die Universität ersetzen sollte. Es wurden Vorlesungen undhäufige öffentliche und private Disputationen gehalten über Theologie, über Philosophie,zu welcher anfangs zwei Professuren, die eine für Physik und Ethik, die andere für Logikund Metaphysik, später nur eine gehörte; über Jurisprudenz, mit der theils Politik, theilsspäter Mathematik verbunden war; über Beredsamkeit und Dichtkunst, womit auch dasFach der Geschichte vereinigt wurde, und über griechische Sprache. Auch diese Anstaltdauerte nur bis zum I. 1656, wo bei der Belagerung durch die Russen auch das Ge-bäude des Gymnasiums zerstört wurde, und ward erst nach 20 Jahren (1677) wiedereröffnet; in dieser erneuerten Gestalt bestand sie, jedoch ohne das frühere kräftige Lebenzu entwickeln, bis zum I. 1710, wo Belagerung und Pest ihr Eingehen bewirkten.Bereits vor der Wiederherstellung dieser Anstalt war auf den Rath des Generalsnperinten-dcntcn I. Fischer, „zur Erziehung der adeligen Jugend und zur Bildung tüchtiger Pre-diger eine rechtschaffene Landesschule aufzurichten," im I. 1675 vom König Karl XI.unter dem Namen solrola Oaroliua, später gewöhnlich Lyccnm genannt, ein neues Gym-nasium in Riga errichtet worden, welches noch jetzt als Gouvernements-Gymnasiumbesteht, und bald unter seinem Rector Uppendorf zu hoher Blüte gelangte, lieber dieinnere Einrichtung gicbt uns der Lcctionskatalog vom I. 1693 Aufschluß. Im Hebräischenwurden demnach der Pentateuch, Jcsaias und mit den Anfängern die 4 ersten Eapitclder Genesis gelesen; im Chaldäischen der Erodos, im Syrischen Lukas und die aposto-lischen Schriften unter der Leitung des Rectors, eines eifrigen Orientalisten; im Grie-chischen Las N. T. und M. Antoninns; im Lateinischen Virgils ^onsis und bloloZmo,Cnrtius, Cicero's Briefe an Atticus, Cäsar äo b. oiv., Corn. Nepos; außerdem OoräorieollmMg, und Oomonii orbis xietus. Von Grammatiken wurden gebraucht Wasmuthsdebraisiuns, Golii griechische Grammatik, Scybolds lateinische, der Donatus. Insbe-sondere wurden viele mündliche und schriftliche Hebungen angestellt, man imitirte, scandirte,schrieb Reden und Gedichte und hielt namentlich Disputationen. In der Theologiewurde die Moral erklärt, in den unteren Elasten trieb man Königs Dogmatik, FischersKatechismus und die biblische Geschichte; Logik wurde nach Scharf vorgetragen, Rhetoriknach Voß und Mitternacht; die Geschichte vom 5. Jahrh. der christlichen Zeitrechnungbis aus die neueste Zeit; die Geographie nach des Rectors eigener tabellarischen Ileber-ycht beim Erklären der Klassiker und beim Lesen der Zeitungen.