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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzcn.

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des Katechismus, zuerst deutsch, daun lateinisch, später mit der Auslegung, Einprägenvon Sprüchen aus Jesus Sirach und von Stellen der Evangelisten; tägliche Lectüre desN. T-, der Psalmen; Auswendiglernen ausgewählter Hymnen des Prudentius; in derI. Lectüre des griechischen Textes der Evangelien, ansgewählter Reden des Basilius LI.,Gregor v. Nazianz und Ehrysostomus, und Melanchthons loei oommuuos, Rcproductionder Sonntags gehörten Predigten bildeten den anzucigncnden Stoff des Religionsunter-richts. Im Lateinischen in V. Lesen, Schreiben, wohl in Verbindung mit dem Deutschen,wobei auf gute und deutliche Aussprache und gute Handschrift besonders Gewicht gelegtwird und sehr ausführliche Vorschriften über die Methode erthcilt werden; Dcclinircn,Conjugiren, Vocabellerncn; in IV. Etymologie und Syntax, Jnterprctircn der Distichendes Cato und der <tinlo§i Lrusmi; in III. Fortsetzung der Grammatik; ^osox. Oumo-rarü, Dialoge des Castellio und Ludov. Vives, Hebungen im lateinisch Sprechen undSchreiben; in II. Grammatik und Prosodie, Lectüre des Terenz, Cicero, Virgil; dasGriechische tritt hinzu mit mechanischem Lesen und Abschreiben aus den Evangelien,Etymologie, Erklärung einzelner Sätze, der cliotu soxtom supioutium, des Phocylides,kürzerer Fabeln des Aesop, alles mit fleißigem Repetircn, Memoriren und Declamircnund Erercitien auch in metrischer Form. Im Verkehr unter sich und mit dem Lehrersollen die Schüler sich nur der lateinischen Sprache bedienen. In I. Lectüre griechischerund lateinischer Autoren (Cicero, Jsokrates, Demosthenes, Plutarch -rxyl -ra/Swi,

Theoguis, Hesiod, Homer, Terenz, Virgil, Cäsar, Ovid, Sallust), Rhetorik und Dialektik,Stilübungen durch Uebersetzen aus einer Sprache in die andere (auch ins Deutsche, jasogar ins Polnische), Nachbilden, freie Aufsätze; Dcclamationen und Disputationen. Inden Vorschriften über die moros wird den Schülern der unteren Classen bis ins einzelnsterorgeschricbcn, Wie sie sich zum Gang in die Schule durch Waschen, Kämmen, Putzender Schuhe und Kleider zu rüsten, auf dem Hin- und Rückwege und in der Schule zubenehmen und sich im Hanse besonders gegen die Eltern zu betragen haben. Den älternSchülern wird die Wichtigkeit des äußern gefälligen Anstandes eingeschärft, das eigeneEhrgefühl und das Wohlwollen der Lehrer gegen sie als Beweggründe zum Fleiß undGehorsam hervorgehoben, vor allem Dankbarkeit und Bescheidenheit zur Pflicht gemacht.Den Lehrern wird empfohlen, durch Schonung, Geduld, Milde und Freundlichkeit dieSchüler zu gewöhnen, was sie Unrechtes gethan, selbst ihren Lehrern anzuzcigen. DerUnterricht begann im Sommer um 6, im Winter um 7 Uhr Morgens; nach 2 Stundenwurden die Schüler wieder entlassen, um sich von 910 wieder zu versammeln. Um12 Hebungen im Lesen und Schreiben, Correctur der Erercitien, Musikunterricht; um1 Lehrstunde; um 2 Entlassung nach Hanse; von 34 wieder Unterricht. Mittwochsund Sonnabends Nachmittags Betstunde, der Donnerstag Nachmittag frei. In V. wähltder Lehrer Decurionen, welche die klebrigen im Lesen, Schreiben und Aussagen übenmußten; Sonnabends Universalrepetition und danach Bestimmung der Plätze in den«dem Classen.

Der Einfluß der Reformation auf die Umgestaltung des Lebens und besonders auchder Schule war jedoch in dem baltischen Ordensstaate weniger durchgreifend als wir ihnin andern Ländern finden. Denn theils erfolgte die Annahme der neuen Lehre weitmehr aus politischen Gründen, als ans dem Bewußtsein und der Erkenntnis ihrer Vor-züge, letztere finden wir Wohl nur bei den Bürgerschaften der Städte lebendig,theils waren die allgemeinen Zeitverhältnisse, innere Streitigkeiten und äußere Gefahrund Bedrängnis von Seiten des russischen Zaren, nicht dazu geeignet, Interesse für dasSchulwesen zu fördern. Infolge der durch die inneren Zerwürfnisse herbeigeführtenSchwäche löste sich der bisherige Ordensstaat im I. 1561 auf; Estland unterwarf sichdem Könige von Schweden, Livland der Krone Polens, um Schutz gegen die Eroberungs-Pläne der Russen zu finden. Zwar hatte man bei der Unterwerfung die Erhaltung desLutherthums und der protestantischen Schulen zur Bedingung gemacht und zugesichert,allein dadurch wurden die Bestrebungen der Könige Polens, das Land durch Einwirkung