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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzen.

alter die Anfänge eines städtischen Schulwesens, das aus dem Kampfe der städtischenMagistrate mit den geistlichen Behörden hervorgieng, dessen weitere Entwicklung jedocherst durch den Einfluß der Reformation erfolgte. In diesen Schulen, deren wir namentlicheine größere Anzahl in Riga vorauszusetzen Grund haben, wurde der Unterricht nurKnaben ertheilt; von einem Unterrichte der weiblichen Jugend finden sich vor der Refor-mation kann: Andeutungen; er mochte in den Klöstern von einzelnen Nonnen durstiggenug ertheilt werden. Eine höhere wissenschaftliche Ausbildung konnte freilich auch injenen Schulen nicht erlangt werden: wer diese suchte, mußte sich ins Ausland begeben.Schon 1206 hatte der Bischof von Lund, damals in Riga anwesend, den Rath gegeben,junge Knaben aus dem Landvolke nach Deutschland zu schicken, nur sie im Christenthumunterrichten zu lassen (Kelch, livl. Hist. S. 55). Die Bischöfe pflegten die von deneingeborncn Liven und Esten genommenen Geiseln nach Deutschland zu schicken und siein den Klöstern unterrichten zu lassen, um sich ihrer dann als Missionäre, Prediger undDolmetscher in der Heimat zu bedienen (Lorixt. Inv. I. x. VI.). Obgleich nun soeinzelnen unter den Nationalen, zu denen auch Heinrich der Lette, Verfasser einer Chronikin lateinischer Sprache, gehörte, der Zugang zu einer der Zeit entsprechenden höherenBildung eröffnet ward, so findet sich doch keine Spur, daß in irgend einer Weise fürden allgemeinen Unterricht der Nationalen Lurch für sie bestimmte Schulen gesorgt ge-wesen wäre. Die Idee einer allgemeinen Volksbildung lag überhaupt dem Mittelalterferne; am wenigsten dürfen wir erwarten, ihr in einem Lande zu begegnen, wo dasVolk selbst, die ursprünglichen Bewohner des Landes, Liven, Letten und Esten, von LeuEroberern, ihren Herren, durch Nationalität, Sprache und Sitte so scharf getrennt waren,Wie in den baltischen Landen.

Die Reformation brachte auch hier in das Leben der Schule frische Triebe, eineneue Entwicklung. Die bei den Klöstern bestandenen Schulen wurden nach Aushebungderselben zu Stadtschulen für Knaben einige auch zu Mädchenschulen umgewandelt,die ihre Rectoren und Lehrer zum Theil in Männern erhielten, welche von den Refor-matoren selbst empfohlen waren, wie z. B. M. Jac. Battus als Rector an der Dom-schule in Riga, Herm. Gronau als Lehrer in Reval. Besonders häufig wurde damalsvon jungen Leuten aus Riga die unter Joh. Bugenhagen als Rector blühende Schulein Treptow in Pommern besucht, von »wo auch die ersten ebenfalls um das Schulwesensehr verdienten Reformatoren in Livland Johann Knöpgcn und Joachim Müller nachRiga kamen, als durch die Verfolgungen ihrer katholischen Obern Rector und Lehrer dergenannten Schule zur Auswanderung bewogen wurden (Kelch, S. 176). Die Anzahlder Schulen inehrte sich nun in den Städten; aus den Büchersammlungen der auf-gehobenen Klöster entstanden Stadtbibliothcken. Bei dem Adel und aus dem plattenLande fand die Reformation langsamer Eingang als in den Städten; eine Einwirkungderselben auf das Landschulwesen ist daher zunächst nicht warzunehmen. Zwar wird ineiner im I. 1558 an den damaligen Hcrrmeister Fürstenberg gerichteten officiellenSchrift erwähnt, daß dem Landvolke eine Schatzung auferlcgt worden, welche von ihmslcola nauäa, d. h. Schulgeld, genannt und alljährlich beigetrieben werde, um davonSchulen zu stiften und zu erhalten; doch ist nicht zu ermitteln, seit wann und wie langediese Abgabe bestanden, dagegen sehr wahrscheinlich, daß sie nicht zu dem angegebenenZwecke verwandt wurde.

Die Einrichtung der städtischen Schulen, der Unterrichtsgang und die Lehrweiseentsprach ohne Zweifel im wesentlichen den von Joh. Bugenhagen für mehrere StädteNorddcutschlands, Braunschweig, Hamburg, Lübeck, von denen letzteres in naher Be-ziehung zu den baltischen Städten Riga und Reval stand, entworfenen Schulordnungen.Aus einem ausführlichen Lehrprogramme der durch Joh. Rivius im I. 1594 reorgam-sirten Domschule in Riga ist zu ersehen, daß diese Schule damals aus den üblichen fünfClassen (onriao) mit 7 Lehrern bestand. Die Lehrfächer waren Wie in allen lateinischenSchulen Religion und Latein; Griechisch in den beiden obersten Classen. Auswendiglernen