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Rußland.
Ministerium unterordnen, welches die allgemeine Bildung zum Zweck habe. Nach derAnsicht des Grafen Stroganow wären sie fürs erste, im Einklang mit dem allgemeinenVerwaltungssystem, im Reffort des Unterrichtsministeriums noch zu belassen. Er be-merkte, in Frankreich seien die Fachschulen unter verschiedenen Ministerien, weil die Zög-linge derselben, nachdem sie die vorbereitende (allgemeine) Bildung in den allgemeinenLehranstalten erhalten und in die Fachschulen eingetreten seien, als im Dienst befindlichangesehen werden und dort nur den wissenschaftlichen Cursus durch Erwerbung der fürihr Fach nothwendigen Kenntnisse abschlöffen. Nehme man daher dieses System an,so müßte man die abschließende Bildung der jungen Leute in den Fachanstalten den-jenigen Ministerien überlassen, unter welchen sic nachher im Dienste stehen werden; imentgegengesetzten Falle müßten die Fachlehranstalten dem Unterrichtsministerium übergebenwerden. Augenscheinlich billigte der Kaiser diese Idee. — Außerdem wurde" — undhier ist besonders zu bedauern, daß die Aufzeichnungen des Grafen Stroganow nichtim französischen Original, sondern nur in russischer Uebersetzung veröffentlicht sind —„die Frage berathen, wie dieses Ressort zu benennen sei, Ministerium der öffentlichenBildung oder Erziehung? Graf Kotschubej meinte, man müße dem Ausdruck: Er-ziehung den Vorzug geben, weil er weniger hochtrabend sei, während andererseits derAusdruck: Bildung bei dem im Lande herrschenden Vorurtheil, als sei die Bildung ge-fährlich, zu falschen Deutungen führen werde. Allein die übrigen Mitglieder meinten,Bildung sei genauer, Erziehung sei etwas ganz anderes, woran gar nicht zu denken sei;man dürfe diese Begriffe nicht durch einander werfen; überdies könne der Terminus:Bildung durchaus nichts Schlimmes im Gefolge haben, weil eine von der Regierungverbreitete Bildung bei niemand Zweifel erwecken werde. Graf Stroganow sagte, eswäre durchaus nicht unangemessen, nicht nur den Terminus: Erziehung zu gebrauchen,sondern sogar in der Folge eine öffentliche Erziehung zu geben. Seiner Ansicht nachhätte das Wort: Erziehung einen umfassenderen Sinn und schließe auch den Unterrichtmit ein; er hielt es für falsch, sich gegen öffentliche Erziehung auszusprechen, indem erbemerkte, man dürfe diese nicht mit Volkserziehung verwechseln, welche seiner Ansicht nachin Wirklichkeit unmöglich sei. Oeffentliche Erziehung sei die, welcher alle Bürger theil-haftig werden können; Volkserziehung die, welche allen Bürgern ohne Ausnahme gegebenwerden würde u. s. w. Zuletzt wurde nach ziemlich langdauernder Berathung die Be-nennung: Ministerium der Volksbildung festgestellt."*)
Bis Ende 1803 dauerten die Berathungen des Comito's. Allein die Aufzeichnungendes Grafen Stroganow, dessen Thätigkeit im Ministerium des Inneren einstweilen be-gonnen hatte, folgen den Sitzungen nicht mehr mit derselben Ausführlichkeit. Von denbehandelten Gegenständen betreffen einige die Militäranstalten, über welche die PapiereFolgendes enthalten (S. 89): „... Man überzeugte sich, daß, wenn man den Unterrichtder Militärs nicht auf gleichen Fuß mit dem der Uebrigen stelle, die Armee in einer Un-wissenheit verbleiben werde, welche sehr ungünstige Folgen haben könnte. Um dem ab-zuhelfcn, wurde anfänglich vorgeschlagen, die Militärschulen in Bezug auf wissenschaftlicheAusbildung mit den Gouvernementsgymnasien zu vereinigen; dagegen in Betreff der Er-ziehung sie vollständig der militärischen Disciplin zu unterwerfen, indem man die jungenLeute den soldatischen Dienst thun lasse. Nach Beendigung der Gymnasiallaufbahnwürden sie als Offiziere in die Armee eintreten, die begabtesten und kenntnisreichstensollten nach Petersburg kommen, um die höheren Militärschulen durchzumachen. — Ineiner der Sitzungen wurde davon gesprochen, wie nothwendig es sei, der Sache Auf-merksamkeit zuzuwenden. Nowosilzow referirte über ein Project des Fürsten Subow,der die wissenschaftliche Bildung der Zöglinge in den Corps auf Lesen, Schreiben,Rechnen und einige fremde Sprachen beschränken und alle nach Petersburg geschickt wissen
*) Daraus folgt, daß nicht der erst 1803 ernannte Directvr des Departements Martynowdie Wahl dieser Benennung herbeisührte, wie Kolbassin in dessen unten anzuführender Biographie(S. 58), wenn auch nach dessen eigenen Aufzeichnungen, wie cs scheint, angiebt.