Druckschrift 
11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Rußland.

5

vorherrschende Antheil an der geistigen Erziehung Alexanders gebührt, Josephde Maistre schreibt 1805:Der Kaiser ist Philosoph und wenn ich mich so ausdrückendarf, zu sehr Philosoph. Laharpc hat auf sein junges Herz einen unauslöschlichen Ein-druck hervorgebracht," einem Manne, dessen gerader, unabhängiger Charakter, dessenUebcrzeugungstreue und sittliche Würde den größten Einfluß auf den Großfürsten hatten,holte der Kaiser in allen wichtigen Reformangelcgenheiten Rath.

Nach diesem Projcct," fährt der Bericht Stroganows fort,sollte man ein be-sonderes Counts für diesen Zweig der Staatsverwaltung errichten, an dessen Spitze einMinister zu stellen sei. Eine derartige Ccntralinstitution müße dann in den Gouverne-ments ihre Zweige und aus dem Adel ernannte Jnspectoren haben. Ferner verweistLaharpe auf die Nothwendigkeit, in den Dörfern Schulen und Lehrer zu haben, wasüberall schwer sei, zumal bei uns, aber si on ns oommsnss risn, on n'urrivsra s.rlsn.« Es sind dieselben Gedanken, welche aus Laharpe's Papieren SuchomlinowS. 76 mittheilt: Die Franzosen haben ihr Institut, das bedeutende Gelehrte unter seineMitglieder zählt; eine polytechnische Schule, Prytaneen, Colleges, Akademieen, kurzalles, was glänzt und einem Sand in die Augen streut. Aber in Frankreich ist fürdie Bewohner der Dörfer und Flecken nichts gethan. Mag man in großen Städtenimmerhin Universitäten, Gymnasien und andere Schulen errichten; zugleich eröffne manaber Landschulen, in denen man wenigstens lesen, schreiben und rechnen lehre. DieExistenz von Volksschulen ist ein bedeutender Vorzug, die moralische Stärke Englands,Hollands, America's und des protestantischen Deutschlands. Es ist nöthig, daß mangenaue Notizen über die Verbreitung des Lesens und Schreibens in Rußland sammleu. s. w., für die Bildung von Volksschullehrern und für Lehrbücher sorge... Laharpeerwartet davon den größten Nutzen, zumal bei dem russischen Volke, das, wie wenige,die Wohlthaten der Schule zu erhalten verdiene, das sich durch Charakterstärke, Kühn-heit, Gutmüthigkeit und Frohsinn auszeichne. An den Kaiser gewendet fährt er fort:Lassen Sie sich nicht wiederholen, was unter Ihrer Erlauchten Großmutter stattfand.Verbieten Sie, mit äußerem Glanz zu prahlen! . . . Eine überall verbreitete, nutz-bringende, nicht aber eine glänzende Volksbildung das ist der Eckstein des ganzenGebäudes." In seinen Aufzeichnungen berichtet nun Graf Stroganow weiter:In

zurückgekehrt widmete er sich zuerst der juristischen Praxis. 1782 machte er mit einem russischenEdelmann als Mentor eine Reise nach Italien und wurde dadurch der Kaiserin Katharina bekannt.Anfangs 1783 kam er nach Rußland. Ans Grund eines pädagogisch-didaktischen Memoires vom10. Juni 1784 ernannte ihn die Kaiserin zum Lehrer ihrer Enkel Alexander und Constantin.Das Memoire enthält als Lehrgegenstände: Geographie (welche mit Rußland zu beginnen ist),Astronomie, Chronologie, Mathematik, Sittenlehre, Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuchs,Philosophie, Griechisch (aber nicht Lateinisch). Ueberall sollen dem Unterricht tüchtige Werke, demin der Geschichte die Alten zu Grund gelegt werden. Die in L.'s Papieren enthaltenen Lehr-stunden umfassen 12 Bände, wovon 9 vorzugsweise der römischen Geschichte gewidmet sind. JedeSeite wurde von der Kaiserin durchgesehen und nicht selten spricht sie ihre Zustimmung aus.Mit der Verheirathnng Alexanders (1794) brach der Unterricht ab. 1795 ist L. wieder in derSchweiz, wo er Präsident des helvetischen Direktoriums und infolge dessen 1799 seiner russischenOrden und Pension für verlustig erklärt wird. Später lebt er in intimer Freundschaft mit demschweizerischen Unterrichtsminister Stapfer in Frankreich. Nach Alexanders Regierungsantrittkam L. wieder nach Rußland (Aug. 1801), und war, wenn auch nur auf kurze Zeit (bis Mai1802), hier in immerwährender engster Verbindung mit seinem kaiserlichen Zögling, eine Verbin-dung, die später brieflich fortbestand.Ich wünsche aufrichtig," schrieb er einmal,daß derhumane Alexander eine hervorragende Stellung in den Annalen der Welt cinnehme, in der Reiheder Wohlthäter des Menschengeschlechts und der Vertheidiger der Principien deö Wahren undGuten." Von 1815 an, lautet ein späterer Zusatz, sei eine Abwendung von diesen Idealen ein-getreten. L. wohnte später längere Zeit in Plessis-Piquet bei Paris, zog 1816 nach Lausanne,wo er mit dem Studium der Naturwissenschaften, der vaterländischen Geschichte und socialerFragen beschäftigt den 30. März 1838 starb.