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Rußland.
Tschartorhski*) und Graf Paul Stroganow.**) Diese drei Männer bildeteneinen Bund, welchen das Publicum das Triumvirat, der Kaiser zuweilen scherzweisedas oomtts äu salut xusilio nannte und welchen er einmal, auch zweimal wöchentlichzur Berathung bei sich versammelte — vom Mai 1801 bis Ende 1803. Außer ihnennahm Theil der Graf (später Fürst) Victor Kotschub es.***) Graf Stroganow hatsich die Verhandlungen ausgezeichnet, und ihre, wohl nicht ganz vollständige Publicationbildet eine interessante Partie des Buches von Bogdanowitsch (Beilage zum I. BandS. 38—91).
Graf Stroganow schreibt über die Sitzung dieses „nicht officiellen" Comits's vom23. Dcc. 1801: „Der Kaiser schlug vor, sich mit der Lesung einer von Laharpesi) er-haltenen Denkschrift über die Volksbildung zu beschäftigen." Bei Laharpe, dem der
*) Fürst Adam Tschartoryski, geb. 1770, gest. 1861, kam in seiner Jugend als Geisel ausPolen nach St. Petersburg und wurde hier dem Großfürsten Alexander attachirt. Später wurde erals Gesandter an den sardinischen Hof, der damals in Nom war, geschickt. Von dort berief ihnAlexander in einem Brief vom 17. März 1801 zurück. 1803—1823 war er Curator von Wilna,außerdem einige Jahre Gehülfe des Ministers des Auswärtigen. Bei einer reichen Begabungund vielseitigen, später in Edinburgh und London erweiterten Bildung — sein Erzieher war derAbbate Piatoli, seine Lehrer Lhuillier in der Mathematik, Dupont de Nemour in den Staats-wissenschaften und Groddeck in den alten Sprachen — stand er in großer Achtung (Rastoptschinschreibt: „setzt man ihn ab, so ist kein einziger Mensch für seine Stelle da"), bis seine polnischenAgitationen ihn unmöglich machten. Er wurde 1824 entlassen. Erst 1831 erfolgte indes derkaiserliche Befehl, demgemäß er, „der den Eid der Treue gebrochen und hartnäckig au allen ver-brecherischen Unternehmungen der polnischen Aufrührer bis zur endlichen Bezwingung derselbenund der Unterwerfung des ganzen Gebietes durch Unsere Waffen Theil genommen hat" —aus den Dienstverzeichnissen ausgeschlossen wurde. Sehr interessant ist: ^Isxanärs I. st Isxrines krartorxslei. korrsoxonäsnos xartioulisrs st oonvsrsations 1801—1823. Kub. xnr lsxrinos D. Krmrtorxslri. Karls 1865.
**) Graf Paul Stroganow (spr. Ströganofs), der einzige Sohn des unter Katharina d. Gr.bekannten Magnaten, in dessen Familie die Liebe zur Kunst erblich geworden; erzogen von demJakobiner Romme, den sein Vater bei ihrem Aufenthalt in Frankreich zum Erzieher genommenhatte, wird er als eine durch und durch edle Persönlichkeit von liebenswürdigem Wesen geschildert.Ausschließlich französisch gebildet war er ein eifriger Verehrer Mirabeau's, „was ihn nicht hinderteder eifrigste und inbrünstigste russische Patriot zu werden" (Gretsch). Er wurde zum Gehülfendes Ministers dcö Innern ernannt, trat aber bald in den Militärdienst über, machte die fran-zösischen Feldzüge mit, in denen er bei Craon seinen einzigen Sohn verlor. Dies nagte an seinemHerzen; er starb 1817 auf der Reise nach Italien.
***) Graf Victor Kotschubkj, geb. 1768, wurde zuerst im Hause seines Onkels, des KanzlersFürsten Besborodko, und dann in Genf erzogen. Sodann der Leitung des Gesandten in Londonübergeben, machte er dort seine Studien in den Politischen Wissenschaften. 1792 wurde er außer-ordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister in Constantinopel. Kaiser Alexander ernannteihn zum Minister des Innern. Man warf auch ihm vor, daß er England besser kenne, alsRußland; allein auch seine Feinde gaben zu, daß er die ebenso seltene, als nothwcndige Kunsteines Staatsmannes besitze, die Menschen zu erkennen, zu verwenden und ihren Werth ein-zusehen. S. ^ In msmoirs äu Krinas Lotolroubsx, sbanosllisr .... xar Killst 1834.
4) Friedrich Cäsar Laharpe, geb. 1754 in der kleinen Stadt Nolle am Genfersee. Dietreffliche Biographie desselben von M. Suchomlinow, der die Notizen über ihn entlehnt sind,ist mit Benützung der im Besitze H. Monod's, eines Verwandten von L., und der in der Can-tonalbibliothek zu Lausanne befindlichen Papiere L.'ö gearbeitet (St. Petersburg 1871. 91 u.62 S.). Den Schulunterricht genoß er in dem Seminar M. Planta's in Haldenstein (Cant.Graubünden), dessen Seele der Pädagog Nesemann war und wo in Geschichte, Geographie, Logik,Naturrecht, Mathematik, Naturkunde, Buchhaltung, Kalligraphie und Orthographie, sowie in derlateinischen, italienischen, französischen und deutschen Sprache unterrichtet wurde. Schwach wurdedas Griechische betrieben, das L. erst als OOjähriger Greis ordentlich lernte. Dann studirte erin Genf vorzugsweise Philosophie, in Tübingen Jura, wobei er seine Lieblingsfächer Mathematikund alte Sprachen weiter betrieb. Hier wurde er Doctor der Rechte (1773). In sein Vaterland