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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Rußland.

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guten alten Zeit zugcneigten, wenn auch die neue Regierung freudig begrüßenden Volkes be-gonnen. Namentlich die mittleren und höheren Schichten, von deren energischer Mitwirkunggerade auf diesem Gebiet so vieles abhieng, standen lange gleichgültig oder abgewandt denbesten Absichten des Kaisers gegenüber. Aber Alexander I. war nicht bloß einKrösus anguten Absichten," wie ihn ein Zeitgenosse nennt. Mit diesem Hochsinne verband er eineruhige, umsichtige Besonnenheit, wie sie selten einen in solcher Jugend zur höchsten Ge-walt Berufenen schmückt. War es seine Schuld, wenn es ihm an ausführenden Kräftenfehlte? Hätte die Reform deswegen aufgeschobcn werden müßen? Man wußte, daß inder Masse der Bevölkerung das Bildungsbedürfnis noch nicht erwacht war; Alexanderthat alles, was an ihm war, es zu wecken.Das russische Volk ist ein mächtiges,hochherziges und mannhaftes Volk," sagt der spätere Justizminister D. Troschtschinskiin einem Memoire über die Mängel der Ministerien von 1802 (Magazin der russischenhistorischen Gesellschaft III. S. 49),allein wenn sich auch in Rußland viele gebildeteMänner befinden, so ist doch die Hauptmasse des Volkes noch nicht so gebildet und dieBildung ist keine solche, wie die der Hauptvolksmassen in den westeuropäischen Staaten.In ihnen war immer und ist die Regierung noch jetzt nur ein Bestandteil des Staates;in Rußland ist die Regierung alles.... Hier handelt sie aus freien Stücken, ohneeine Anregung nöthig zu haben."

Der Rathgeber des jungen Kaisers waren es nur wenige; aber sie hatten die Weltgesehen und wenn auch ihr Blick in die inneren Verhältnisse des eigenen Vaterlandesnicht allzutief eingcdrungen sein mochte, so war er doch lveit genug, um vereinigt mitnatürlichem Talent und staatsmännischer Begabung das, was noth that, zu erkennenund sich hoch über die Masse derer zu erheben, welche zu Hause geblieben waren. Warder Geist der Zeit über diese jungen unv feurigen Geister dahingeflogen und hatte sieberührt mit seinem Flügel; glaubten sie einerseits nicht mehr an die Vergangenheit, son-dern an die Zukunft, die ihnen so leicht nach dem in ihren empfänglichen Seelen ge-stalteten Ideal zu gründen schien, und war ihr feuriger Wunsch, die neuen Lebensformen,die so eben in Europa gebildet worden waren, auch in Rußland zur Anwendung zubringen" (Longinow): so erhöhte ihren ThätigkcitSdrang noch das gehobene Gefühl derNeuschöpfung. Die intimsten Freunde seiner Jugend waren es, mit welchen der Kaiserdie Pläne dieser Reformen zunächst bcrieth, Nikolaj Nowosilzow,^) Fürst Adam

*) Nikolaj Nowosklzow, gcb. 1762, gest. 1838, galt für den talentvollsten unter den Genannten.Er überragt die beiden andern um eines Hanptes Länge. Er kennt Frankreich auswendig undhat überdies eine nicht geringe Dosis deutschen Giftes zu sich genommen, infolge wovon, da ersich in alles mischt, ich nicht daran zweifle, dah er bei den besten Absichten und der starken An-hänglichkeit an die Person seines Kaisers eine Menge Unheil »machten wird," schreibtJos. de Maistre im März 1807. Auf's sorgfältigste im Hause deö Grafen Alexander Stroganowerzogen, trat er zuerst in den Militärdienst, in welchem er den Krieg gegen Schweden und Polenmit Auszeichnung mitmachte, nahm aber 1796 auf den Rath des Großfürsten Alexander denAbschied und gieng nach England, mit dessen Einrichtungen und Gewohnheiten er in den 4Jahren seines Aufenthaltes (17971801) so verwuchs, dah Bogdanowitsch von ihm sagt (I. S. 73),er habe es in der Tiefe seines Herzens als sein Vaterland betrachtet. Er war darum der fran-zösischen Partei nicht genehm. Der Einfluß desklugen, talentvollen und kenntnisreichen"Mannes läßt sich daraus erkennen, daß er viermal wöchentlich Vortrag beim Kaiser und zu jederZeit freien Zutritt zu ihm hatte. 1803 wurde ihm der Curatorposten von St. Petersburg über-tragen; außerdem war er Präsident der Akademie der Wissenschaften, Gehülfe deö Justizministers,Mitglied der Gcsetzgebungscommission und der Oberschulverwaltung und wurde zu diplomatischenSendungen nach Preußen und England verwendet. 1809 muß er dem Einfluß Napoleonsweichen und reist in's Ausland und zwar nach Wien. 1812 zurückgekehrt ist er später in Polenthätig und der Kaiser spricht ihm 1823 für seine Bemühungen um das Unterrichtswesen Polensseinen Dank aus. 1824 wird er zum Curator von Wilna, 1834 zum Präsidenten des Reichs-raths, 1835 zum Grafen ernannt; er starb 1838 als Präsident des Reichsrathsin allgemeinerund verdienter Verachtung" (Grctsch im Nuss. Archiv 1869): er hatte sich zuletzt dem Trünke ergeben.