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MädchciierzichMsi.
inacht, und daß dann jene Strenge unwirksam bleibe, weil sie nur als Ausbruch derEmpfindlichkeit oder des Eigensinns erscheine. Und wie das junge Mädchen lernen
muß, die eigene Meinung zu unterdrücken, den Widerspruch aufzugeben, so werde esauch immer ernstlicher darin geübt, mit Heiterkeit und Ruhe den gelegentlichen Freudenzu entsagen, welche sich ihm etwa darbieten. «Es wird nichts aus der Fahrt; dieFreundin hat den Besuch abgeschrieben; die gehoffte Einladung ist nicht eingetroffen!"Mit solchen einfachen Worten werde das betreffende Factum mitgetheilt und der Sachenicht die geringste Bedeutung gegeben. Allenfalls möge ein ermuthigender Scherz hin-zutreten, aber niemals sollte ernstes Bedauern den Kampf der Selbstverleugnung imGemüthe des Mädchens erschweren. Wird so verfahren, sieht das Kind, wie andereüber die leichten Schmerzen des Lebens mit leichtem Schritte hinweggehen, so wird esdies selbst thun. Hat aber der Egoismus und die Vergnügungslust in dein jungenMädchen bereits tiefere Wurzeln geschlagen, so daß es die Vernichtung seiner gehofftenFreuden schon mit leidenschaftlicher Betrübnis aufnimmt, so muß es in diesem Alterliebreich, aber auch schon mit ganzem Ernste darauf hiugewiesen werden, daß es Un-dankbarkeit und Ungehorsam gegen Gott sei, den Reichthum des Glückes, den das jungeMädchen im Vaterhause besitzt, zu verkennen und ein solches.Gewicht zu legen aufFreuden, die vielleicht nur eingebildete seien und welche Gott uns aus heiliger Liebeversage. Auch die genossenen und nicht zerstörten Freuden der Art können dazu benutztwerden, dem Mädchen das Vaterhaus thcuer und werth zu machen. Selten sind dieseFreuden ohne einen Tropfen Bitterkeit gewesen. Es war vielleicht langweilig, es wurdeLieblosigkeit und Zurücksetzung empfunden, es waren eitle, auf schöne Kleider, aufhöheren Rang stolze Mädchen da rc. Man hüte sich, das zurückkehrende Mädchen aus-zuhorchen, es zu Klatschereien oder zur Splitterrichterei zu ermuntern; aber man zeigeihm Theilnahme für den erlittenen Schmerz und befestige durch warme Liebe das Kindin der Empfindung, daß die Freuden der Geselligkeit selten ein rechtes Genüge gewähren,und daß es doch nirgends in der Welt so schön sei, als daheim, und so helfe manihm zur Billigkeit des Urtheils und zur Seelenruhe. Wenn so das junge Mädchenüberall zur stillen und freudigen Selbstverleugnung, zur Geduld und Sanftmuth an-geleitet werden muß, so darf doch der Charakter nicht zur Passivität herab-gesetzt werden. Das Mädchen soll nicht aufhören, selbst zu handeln, soll lernen, sichzu entschließen und zwar sich kurz zu entschließen, da Unentschlossenheit oft schon dererste Schritt zum Bösen und die erste Ursache schlimmer Erfolge ist. Es muß demjungen Mädchen gezeigt werden, daß es Dinge giebt, von denen es sich absolut undsofort abwenden müße, daß es Fälle giebt, in denen augenblicklich der Entschluß gefaßtsein muß, und daß nicht die Entschiedenheit des Willens cs ist, welche unweiblich macht,sondern die heftige, rohe Art, in welcher es geschieht. Aber wenn die Liebe alleines ist, welche das sich immer reicher entfaltende Gemüthsleben des Mädchens in rechterWeise zeitigen kann, so kann die Gemüthsbildung doch auch nur dadurch vollendetwerden, daß das Gemüthsleben des Mädchens selbst ein Leben der Liebe werde. Inder Liebe muß alle die Geduld, die Sanftmuth wurzeln, zu der es täglich und stündlichangeleitet wird, in der Liebe muß die Selbstverleugnung, sowie die Entschiedenheit desEntschlusses ihre letzte Begründung haben. Das Wesen der Liebe aber stehet darin,daß Gott uns zuerst geliebt hat und daß wir davon eine lebendige Erfahrung im Glaubenhaben. So vollendet sich die Gemüthsbildung des jungen Mädchens indem religiösen Leben, zu welchem die häusliche Andacht, der Religionsunterrichtder Schule und der Kirche auf gleiche Weise Mitwirken. Von der höchsten Bedeutungist die gegen das Ende dieser Periode eintretende Confir mation. Haben Haus,Schule und Kirche ihre Pflicht gethan, so gewinnt das junge Mädchen eine Lebens-anschauung, welche alle Pflichten unter die eine höchste Pflicht der Dankbarkeit gegenGott, der uns in Christo geliebt hat, subsumirt, und es weiß nun nicht bloß durch dieStimme der Natur, daß es berufen ist, Liebe zu üben. Von ganzem Herzen stimmenwir, durch mannigfache Erfahrung darin bekräftigt, mit Palmer (Evangel. Katechetik