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Lykurg.
Jugend regelten. Wie sehr sie aber in's einzelne giengen, läßt sich daraus erkennen,daß es z. B. verboten war, während der Dunkelheit auf irgend einen Gang ein Lichtmitzunehmen. Am weitesten in's Extrem gegenüber der Weichlichkeit anderer Völker ver-lor sich die spartanische Erziehung, indem sie den Körper systematisch an Ertragung großerSchmerzen zu gewöhnen suchte und dazu eine allgemeine Geißelungder Knaben am Feste der Artemis Orthia benutzte. Sie dauerte den ganzen Tag;wer am längsten aushielt, ohne das geringste Zeichen von Schmerz blicken zu lassen,erhielt als Bomonikas einen Preis. Bekanntlich gaben manche unter den Schlägenihren Geist auf, ohne vorher eine Miene verzogen zu haben.
Den größten Theil des Tages verbrachte die spartanische Jugend in den Gymnasienmit körperlichen Hebungen. Diese waren für die verschiedenen Altersclassen in ver-schiedenen Abstufungen geregelt. Mit Recht betrachtete man auch die leibliche Ausbildungals ein allmählig zu entwickelndes Ganzes. Erst mit der Vollendung des Wachsthumssollte das Ziel erreicht sein, darum schonte man die Kräfte in früheren Jahren undwar des letzten Erfolges um so sicherer. Im eigentlichen Turnen übte man insbe-sondere das Laufen, Springen, Ringen, Diskos und Speerwerfen; sorgfältig mied manalles, was über das Maß hinauszugehen und nur einem Virtuosenthum zuzustrebenschien, und schloß daher den Faustkampf und das Pankration ganz aus. Man wollteKrieger, nicht Athleten bilden; jener wirkt als Glied eines Ganzen von seinem Platzeaus, dieser giebt seiner Person eine selbständige Bedeutung. In Sparta wirkten daherimmer viele zusammen; auf militärische Ordnung, Zucht und Gliederung hielt manstrenge. Die Waffenübungen waren daher ebenfalls nur nach dem wirklichen Ge-brauch im Kriege abgemessen und sollten zur taktischen Bildung des Einzelnen dienen.Dagegen ließ man die Hoplomachie, welche seit dem peloponnesischen Kriege im übrigenHellas aufkam, in Sparta nicht zu. Alle diese Uebungen waren die Hauptfreude derspartanischen Jugend, die ja andere Genüsse gar nicht kennen lernte. Eben deshalbtrieb man sie aber auch mit einer gewißen Fröhlichkeit. Sie wurden zu mannig-fachen Spielen verbunden, in welchen Gewandtheit und Kraft zur Anwendung kam.Die älteren Spartaner erkannten darin eine Hauptaufgabe, die Turnspiele der Jugendzu ordnen, zu leiten und zu beleben; in den gymnastischen Spielen producirten sie sichauch öffentlich. Besonders beliebt waren die Ballspiele*) in vielfacher Abwechslung,auch mit Tanz verbunden. Für die Erwachsenen war das edelste Vergnügen das sog.Kriegsspiel, welches auf der Insel Platanistas bei Sparta vorgenommen wurde, unddann die Jagd, die man auch als Vorspiel des Krieges ansah. Dem Spartaner waraber — dafür war er Hellene — auch der Sinn für anmuthige Schönheit, ein künst-lerisches Bedürfnis, eingeboren. Dies erhielt in den Tänzen Befriedigung, welchemit Mimik verbunden wurden. Die Bewegungen veranschaulichten einen Gedanken;der Leib diente der Seele unmittelbar zum Ausdruck innerer Bewegungen. Darin liegtzugleich der pädagogische Werth der Tanzkunst. Besonders beliebt war die Pyrrhiche,ein Tanz in Waffen. Ein besonderes Fest der Gymnopädien war für die Productionender Jugend im Tanze bestimmt. Sie trugen natürlich viel zur Ausbildung, eines edlenGeschmackes bei. — Den Uebergang zum eigentlichen Kriegsdienst bildete der Dienst,welchen die Heranwachsenden Jünglinge vom 18. bis 20. Jahre) für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung im Lande zu versehen hatten. Dem spartanischenStaat drohte eine fortwährende Gefahr von Seiten der großen Hclotenmaffe, die erdoch nicht entbehren konnte. Die Heloten wurden daher wie Feinde angesehen und dieAufgabe jener Jünglinge war, sie zu beaufsichtigen, zu bändigen und die gefährlichstenaus dem Wege zu räumen. Dieser Dienst ist unter dem Namen der Krypteia berüch-tigt. Mit dem Eintritt des 20. Jahrs trat der Jüngling in's Heer; vollständig kamaber die Erziehung erst mit dem so. Jahre zum Abschluß.
*) Eine Elaste der e-de-'-r, welche dem Mannesalter am nächsten stand, führte daher denNamen