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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Lormscr.

werke der deutschen Literatur bewirkt wird, und daß er die deutsche Sprache in allenVerhältnissen ruhig, gewandt und angemessen zu gebrauchen verstehe. Die allerfrucht-barste Uebung in der Muttersprache besteht aber darin, daß die in den alten Meister-werken enthaltenen Anschauungen und Vorstellungen in der Muttersprache reproducirtwerden. Schon aus diesem Grunde wird der gegenwärtige Gymnasialunterricht ganzanders organisirt werden müßen, als noch vor 100 bis ISO Jahren. Ein andererGrund liegt aber darin, daß der Geist und der Inhalt der Wissenschaften jetzt ganz andersgeworden sind, als sie noch vor 100 Jahren waren, und weil es denn doch die schließ-liche Aufgabe der Gymnasien sein muß, die studirende Jugend in den bewährten Geistder Gegenwart hereinzuziehen, so bekommt auch dadurch das Studium des elastischenAlterthums ein anderes Verhältnis zu dem letzten Zwecke der wissenschaftlichen Bil-dung, als es früher haben konnte. Man denke nur an die Naturwissenschaften, zuwelcher Tiefe und Bedeutung sie sich in den letzten drei Jahrhunderten entwickelt habenund welchen Einfluß sie auf die Anschauung und Denkweise des gegenwärtigen Geschlechtsausüben! Wer sich diesem Einfluß entziehen wollte, der würde sich auch im Lebenisoliren, und diejenigen, die sich zu Leitern der Nation heranbilden wollen, würden der-einst im Leben eine sehr klägliche Rolle spielen, wenn sie sich nicht mit den bewährtenResultaten der Naturwissenschaften vertraut geinacht und sich dieselben zu einem Ele-mente ihrer geistigen Bildung gemacht hätten. Gewiß würden daher die Gymnasienaußerhalb ihrer Zeit stehen und gewißermaßen in einen Winkel geschoben werden, wennsie nicht auch auf die Naturwissenschaften die gebührende Rücksicht nehmen wollten.

Diese und ähnliche Betrachtungen stehen aber mit dein Lorinser'schen Streite inengster Verbindung. Denn dieser Streit, der aus der Klage über die Vielheit derLehrgegenstände und der Beschäftigungen in den Gymnasien entsprang, führte unmit-telbar zu der Frage nack der Concentration des Gynmasialunterrichts, d. h. zu derFrage, wie dein Gymnasialunterrichte alles massenhafte und den Geist belastende zunehmen und eine einfache aus dem Zwecke und Bedürfnis der wissenschaftlichen Bildungresultirende Organisation zu geben sei. Es mußte zugegeben werden, daß auch in denpreußischen Gymnasien trotz der sorgfältigen Leitung, deren sich das Gymnasialwesenin Preußen erfreut hat, den Zeitbedürfnissen zwar im allgemeinen Rechnung getragenwar, daß aber gar vieles mehr neben einander lag, als in lebendiger Wechselwirkungstand. Es war aber ein unglücklicher Gedanke, wenn man, um die vorhandenen llebel-stände zu beseitigen, die modernen Elemente des Gymnasialunterrichts möglichst besei-tigen und eine frühere Organisation der Gymnasien, die sich seit der Reformationetwa zwei Jahrhunderte lang als zeitgemäß bewährt hatte, zurückrufen wollte. Daswar eine Concentration des höheren wissenschaftlichen Unterrichts nach rückwärts/ wäh-rend die rechte Concentration nach vorwärts geht und die in der Gegenwart liegendenberechtigten Tendenzen in einem einfachen und in sich begründeten Gesammtbilde zufassen sucht. Als charakteristische Kennzeichen dieser retrograden Concentrativnsbestre-bungen sind zu betrachten: die stiefmütterliche Behandlung der Muttersprache und derdeutschen Literatur, sowie des naturwissenschaftlichen Unterrichts, endlich auch dasDrängen auf confessionelle Gymnasien, während das eigentlich Confefsionclle der Allge-meinheit dieser Anstalten widerspricht, so nothwendig es ist, daß der allgemeine reli-giöse und sittliche Geist des Christenthums das Lebenselement ist, das sie athmcn. EineFolge von diesen retrograden Bestrebungen besteht nun auch darin, daß die verachtetenmodernen Elemente sich um so entschiedener in besonderen Anstalten eine Bildungsstättesuchten und errangen und den Anspruch machten, sich den Gymnasien ebenbürtig zurSeite zu stellen, ja sie zu überflügeln. So ist man denn bereits so weit gekommen,daß man bei allem Bemühen, die Gymnasien zu concentriren, die Concentration deshöheren Bildungswesens im allgenieinen verloren hat, indem bei uns jetzt die Gym-nasien, die Realschulen und sogar die Cadettenanstalten den gleichen Anspruch erheben,die höchste wissenschaftliche Vorbildung zu geben, während inan zu einein deutlich er-kannten Ziele sonst doch nur einen Weg hat oder doch nur einen, der von alle» der