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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Loriuser.

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preußischen Cultusministerium zu besonderer Berücksichtigung empfohlen wurde; derzweite und tiefere Grund aber darin, daß das Gymnasialwesen sich in einer Krisis be-fand (freilich noch immer sich befindet), die so zu sagen nur auf einen kleinen Anlaßwartete, um mit Gewalt hervorznbrechen und die lebendigsten Erörterungen und Strei-tigkeiten hervorzurufen. Wir sprechen zuerst davon, welche Entwicklung die Sache inPreußen nahm. Kaum war nämlich die Lorinser'sche Schrift erschienen (nach einemallgemein verbreiteten Gerüchte wurde sie dein Könige von Preußen direet zugesendet),so wurde an den Minister v. Altenstein, der damals an der Spitze des preußischenlluterrichtswesens stand, eine Cabinetsordre erlassen, die wörtlich also lautete: «Ick habevon einem Aufsatze zum Schutz der Gesundheit in den Schulen Kenntnis genommen,welcher sich in dem ersten Stück der diesjährigen medicinischen Zeitung befindet, undmit dessen Inhalt Ich Mich in der Hauptsache einverstanden erkläre. Ich empfehlediesen Gegenstand Ihrer besonderen Aufmerksamkeit und fordere Sie auf, Mir in einemBericht Ihre Ansicht vorzulegen und Vorschläge zu machen, wie dem Uebelstande zu be-gegnen sei. Berlin, den 2 . Febr. 1836 ." Man sieht ans dieser Cabinetsordre, daßsich der König mit aller Entschiedenheit auf die Seite des Anklägers stellte, die Be-hauptungen Lorinser's ohne weiteres als Thatsachen voraussetzte und Vorschläge verlangte,die geeignet seien, dem Nebel zu begegnen. Das Verfahren, welches der Minister Al-tenstein hierauf einschlug, war eben so würdig als weise. Altenstein war ein Mann,der das Unterrichtswesen mit Einsicht leitete —, Vertrauen in die ihm untergebenenLehrer setzte und ihre Ansichten und Erfahrungen, wie sich's gebührt, beachtete. Es ge-hörte daher auch mit zu seinen Gewohnheiten, daß er bei besonders wichtigen Entschlie-ßungen, die die Schulen betrafen, die Gutachten der Lehrer einholte und darauf einbesonderes Gewicht legte. Dieses geschah z. B. im Jahre 1833 , als die neue Abitu-rienteninstruction, die 1834 erschien, vorbereitet wurde; dieses geschah auch in dem vor-liegenden Falle. Ehe etwas weiteres erfolgte, wurden stimmliche Provincial - Schuicol-legieu aufgefordcrt, über Grund und Ungrund der Lorinser'schen Anklagen die Gutachtennicht bloß der Directoren, sondern auch der Lehrercollegien sämmtlicher Gymnasien ein-zuziehen und über die auf diese Weise sowie durch eigene Beobachtung gewonnenenErgebnisse unter Einreichung der betreffenden Gutachten ausführlich zu berichten. Sokam die Sache vor dasjenige Forum, vor welches sie vorzugsweise gehört, vor dasForum der Lehrer; und diesem Umstande ist es besonders zuzuschreiben, daß der Lo-rinser'sche Streit so fruchtbar für die Entwicklung der Gymnasialpädagogik geworden ist.Zunächst erschien eine Menge kleinerer Schriften besonders von preußischen Gymnasial-lehrern, die sich im ganzen noch auf die Erörterung der Lorinser'schen Beschuldigungenbeschränkten und nur hier und da einen Anlauf in's allgemeine nahmen. Ich erwähnevon denselben nur die von Kritz in Erfurt, Gotthold in Königsberg, Heinsius, Benaryund Krech in Berlin. Die Verhandlungen in den Lehrerconferenzen veranlaßten aberviele Gymnasiallehrer, auch abgesehen von diesem besonderen Streite, die Einrichtungender bestehenden Gymnasien zu prüfen und über die letzten Zwecke der Bildung, sowieüber die angemessenen Mittel und Methoden, diese Zwecke zu realisiren, ebenso überdas normale Verhältnis des körperlichen Factors zum geistigen Leben sich aufzuklären,Erfahrungen zu sammeln, auch die Geschichte der Erziehung und Bildung zu stndirenund sich über alle diese Dinge öffentlich auszusprechen. So entstand infolge des Lo-rinser'schen Streites eine förmliche Literatur der Gymnasialpädagogik, während früheraußer einigen vortrefflichen Abhandlungen über die Gymnasialbildung, z. B. von Bern-hardi und Spilleke, kaum etwas gründliches und zusammenhängendes über diesen Ge-genstand existirte, als etwa Thiersch's verdienstvolles Werk über die gelehrten Schulen,obgleich auch dieses Werk inehr eine beredte Apologie ist für die bildende Kraft deralten Sprachen und ihrer Literatur, als eine aus einem sicheren und wahren Grund-gedanken entsprungene Gymnasialpädagogik. Auch der Unterzeichnete verfaßte infolgedieser Anregungen im I. 1837 die Schrift: «Der Gymnasialunterricht nach den wissen-schaftlichen Anforderungen der Gegenwart", deren Grundanschauungen er bis auf den