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4 (1881) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Kirche.

wie alle wahren Kirchen in der Welt verbunden, sondern noch bestimmter durch ein-heitliche Organisation und einheitliches Regiment und durch Gleichheit der gottesdienst-lichen Formen auch äußerlich als Gemeinschaft sich darstellen soll. Denn der Geist desneuen Bundes ist zwar an keine Nation gebunden, aber er zerstört die nationalenBande ebensowenig als irgend ein anderes natürliches Band, sondern schließt sich ansie an und füllt diese Natnrformen mit geistigem Inhalt. Die natürliche Einheiteiner Nation, deren umfassendste und entwickeltste Erscheinungsform der Staat ist, beruhtauf der ursprünglichen Stammeseinheit, deren Gefühl sich auch unter den mannig-fachsten politischen Verschmelzungen oder Trennungen im Kern des Volkes forterhält,und demgemäß auf der Gleichheit der Sprache, der Geschichte, des Charakters; unterden gemeinsamen Lebensinteressen nun steht obenan das religiöse. Das Christenthumschließt keine Nationalität von sich aus, es schließt sich vielmehr an jede Nationalitätan, kleidet sich in nationales Gewand, ohne darum seine Universalität zu verlieren.Wer wollte leugnen, daß z. B. der französische Protestant, eben weil er Franzose ist,ein vom deutschen Protestanten ganz verschiedenes Gepräge hat, so ffehr, daß er oftweit weniger vom französischen Katholiken unterschieden zu sein scheint, als vom deutschenGlaubensgenossen? So ist die englische Frömmigkeit eine specifisch englische, und darumin vielem von der deutschen verschieden, selbst wo das Dogma gleichlautet. DasLeben ist stärker als die geschriebenen Formeln. Deshalb ist es ganz der normaleGang und Stand der Sache, daß die Kirche als Landeskirche existirt; wie die übrigenInteressen, so soll auch das höchste ein der Nation gemeinsames sein, auch in ihremreligiösen Leben will und soll sie ähnlich wie im kleinen Kreise die Familie alsNation sich wissen, als Nation vor Gott treten, d. h. das Volk will und soll sich zurKirche constituiren. Liegt doch dieser Trieb, diese innere Nothwendigkeit selbst in derkatholischen Kirche z. B. dein Gallikanismns zu Grunde; und wenn heute das Missions-werk in einer heidnischen Landschaft eine entsprechende Ausdehnung gewinnen würde, sowürde sicherlich darauf hingearbeitet werden, das Land als solches zu christianisiren;dadurch erst, daß auch die weltliche Regierung die christlichen Ideen in ihre Rechts-begriffe anfnähme, und das ganze Volk als solches ein christliches wäre, wäre der Zweckder Mission erfüllt. Daß durch die vielfacheu Territorialwechsel der neuern Zeit daslandeskirchliche Princip überall durchbrochen ist, hebt die Richtigkeit desselben nicht auf.Diese geographische Einheit der Kirche, als organischer Form des religiösen Volkslebens,init der Nation, zerstört auch nicht das Bewußtsein der Gemeinschaft mit fremden Landes-kirchen, so weit sie auf dem Boden derselben evangelischen Wahrheit stehen, ja mit allenwahrhaft christlichen Elementen, wo sie immer in der Welt sich finden mögen. DieseGemeinschaft kann, wenn Bedürfnis vorhanden ist, sich äußerlich in Allianzen, Conferen-zen, Kirchentagen oder wie sonst kund geben, oder sie kann sich auf geistigen Verkehr,ans literarischen Austausch beschränken; zu Einer Kirche aber verschmelzen init alle demdie Landeskirchen niemals und sollen es auch nicht, bis der Tag kommt, da Ein Hirteund Eine Heerde sein soll*).

IV. Durch Obiges hat sich uns der Begriff der Kirche, also das Subject genaubestimmt, dessen pädagogische Thätigkeit wir nun anzugeben haben. Daß ihr über-haupt eine solche zukommt, daß es nicht ein Eingriff in ein fremdes Amt ist, wenn dieKirche sich als zur Erzieherin berufen achtet, das liegt im Wesen des Christenthumsselbst, dessen Trägerin die Kirche ist, es liegt in dem engen Zusammenhänge, derzwischen Erlösung und Erziehung besteht, sofern die letztere das menschliche Werkzeugist, durch welches jene göttliche That sich an den Einzelnen successiv vollzieht. Wie

*) Sehr gut hat vr. Eduard Nägelsbach in der gegen altlutherisches Separationsgelüstegerichteten Schrift:lieber kirchliche Gemeinschaft und Austritt aus der Kirche" (Erlangen 1854)S. 49 gesagt:Ich stelle mich entschieden auf den landeskirchlichen Standpunkt, weil derselbeallein der wahrhaft kirchliche ist. Er ist auch der wahrhaft deutsche und wahrhaft lutherische.Ich habe oft Franzosen sagen hören:llws Llloinuncks sout kirchlich", weil sie in ihrer Sprachekein Wort für eine Sache haben, die ihrer Landesart und Sitte fremd ist. Daß auch das Ganze