Bayern.
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Professor der Mathematik zugleich diesen Unterricht für die drei oberen Classen desGymnasiums und beschränkte die Fähigkeit zum Religionsunterricht ans Lehrer geist-lichen Standes. Die Schulordnung von 1830 (welcher der von Thiersch 1829 aus-gcarbeitete, aber sofort vom Ministerium wieder znrückgenommenc und modifieirte Schnl-plan zu Grunde lag *) stellte eine, eigene Professur für die Mathematik am Gymnasiumwieder her, rssx. beließ den Mathematikprofessor der aufgehobenen Lyeealelasse, dieeben in die Oberclasse des Gymnasiums übergieng. Was die übrigen Schwankungenin den verschiedenen Schulordnungen und Gencralrescripten von 1824, 1830 , 1834,1837, 1838 betrifft, so giebt das Buch von C. L. Roth „Das Gymnasial - Schul-wesen in Bayern zwischen den Jahren 1824 und 1843" reiche Auskunft; einzelneswird im Folgenden gelegentlich seine Stelle finden. Die wichtigsten Verordnungen seitAnfang des Jahrhunderts bis 1838 giebt die Verordnungen - Sammlung vonDöllinger Bd. IX. Th. II. Die „Revidirte Ordnung der lat. Schulen und derGymnasien im Königr. B." erschien 1854, theilweise Abänderungen 1861. Die neuesteSchulordnung ist von 1874.
Der humanistische Standpunct ist in den Schulplänen bcibehalten worden: der von1824 benennt als Aufgabe des eigentlichen Gymnasiums „das gesteigerte grammatischeund das gcsammte humanistische Studium", der von 1829 „die dem Studium derWissenschaften sich widmende Jugend für die Universität geistig zu stärken und gründlichvorzubereiten". Die folgenden stimmen damit im wesentlichen überein: nach derneuesten Schulordnung haben die Studienanstalten den Zweck, .die männliche Jugendauf der Grundlage höherer allgemeiner Bildung zu selbstständigem Studium vorzu-berciten und sie zu religiös-sittlicher Tüchtigkeit zu erziehen". Während aber die Rev.Ordn. unter der religiösen Erziehung die christliche versteht, und (Z 10 u. 46) es alsAufgabe der Anstalt bezeichnet, das Christenthum in den Gemüthern der Schüler festzu begründen und lebendig zu erhalten, ist in der neuen Schulordnung jede Beziehringauf das Christenthum beseitigt. Der Entwurf dieser Ordnung auf Grund der Be-schlüsse der 1869 dazu berufenen Berathungs - Commission (welcher veröffentlicht undden Lehrergremien zur Prüfung hinausgcgeben wurde**) war von einer ausführlichenDarlegung der Motive der Commission begleitet, worin es bezüglich jenes Puneteshieß, mit Rücksicht darauf, daß die Aufgabe der humanistischen Mittelschulen mit derPflege christlicher Gesinnung nicht in unmittelbarem Zusammenhänge stehe, sowie ansdie seit dein Jahre 1854 eingetretenc gesetzliche Entwicklung unseres Staatslebens,dann nach dem Beispiele der neueren Stndienordnungen in andern deutschen Staatenhabe man die pädagogische Aufgabe der Gymnasien in jener allgemeinen Weise bezeichnet.
Die Gelehrtenschulen theilen sich in Gymnasien und lateinische Schulen. DieLyceen, deren jetzt (nachdem Aschaffenburg 1873 aufgehoben wurde) noch 8 bestehen,7 königliche und ein bischöfliches (in Eichstätt), lassen wir in: Folgenden ganz bei Seite,da sie nicht, wie die Lycealelassen von 1824 —29 es sollten, eine Uebergangsstnfezwischen Gymnasium und Universität bilden, sondern hinsichtlich der Lehrgegenständeauf gleicher Linie mit den Universitäten stehen. Es sind 2 mit bloß philosophischerFaeultät, 6 vollständige mit theolog. und philos. Facultät, Candidaten gegen 400 imJahre 1874/75. Die Lyceen werden fast nur von Katholiken besucht.
Die Primär schulen wurden 1816 von den Gymnasien gesondert als „latei-nische Vorbereituugsschulen" und als Localanstalten erklärt in Bezug ans Lehrergchalteund Realexigenz, welches aber ebensowenig damals als bei der Wiederholung diesesGrundsatzes 1824 gegen die Protestationen der Gemeinden durchgeführt wurde. An
*)Vgl. Thiersch, über gelehrte Schulen, mit besonderer Rücksicht auf Bayern. Fr. Thiersch,Leben von Heinr. Thiersch, I. Bd. S. 287 ff. (auch d. Art. Thiersch in Bd. IX. D. Red).
**) Ein Schulmann von reicher Erfahrung, v. Elsperger, hat bei dieser Gelegenheit seineAnschauungen über eine große Zahl der fraglichen Puncte im VII. Bande der Blätter f. d. bayer.Gymn. niedergclegt.