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1 (1876) A - Dänemark
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Crctlliismus und Idiotismus.

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zu der Aufgabe, welche diesen Erscheinungen gegenüber der gesunde Theil der Mensch-heit zu erfüllen hat, und zu der Frage, wie er sie erfüllt, so knüpft sich diese Betrachtungganz überwiegend an die Entwicklung des Idioten- und Cretinenanstaltswesens. Soweites Vorbeugung gegen die Fortdauer des dem Boden anhaftenden Eretinismus gilt,liegt allerdings die Aufgabe noch auf einein andern Gebietes entsprechend unserer wenigstenstheilwcise errungenen Kenntnis der krankmachenden Ursachen; große staatliche Maßregelnsind hier zu fordern und der Anfang davon, ernste und eingehende Erforschung der be-stehenden Thatsachen, findet sich seitens verschiedener Regierungen mit zum Theil muster-gültigen Arbeiten geinacht. Die Aufgabe gegenüber den bereits vorhandenen Fällenvon Idiotie und Eretinismus aber ist nicht die der Behandlung einer kranken Be-völkerung, sondern kranker Personen, und die Erfahrung zeigt, daß der erste Schrittzur Minderung des Nebels, nämlich die nähere Erkenntnis desselben auch hier, wiebei den Krankheiten jeder Art überhaupt, in der Ansammlung und damit ermöglichtenschärferen Beobachtung der Kranken in besonder» Anstalten bestanden hat. Dabei habendie Idioten und Cretinen ein viel günstigeres Geschick gehabt, als die übrigen Geistes-kranken. Furcht ist der vorwaltende Beweggrund gewesen, der zuerst dahin geführt hat,die letzteren aus ihrer ursprünglichen Umgebung herauszunehmen; Gefängnisaufenthalt,ungemischtes Zusammensein mit den schlimmsten Verbrechern, gleiche Behandlung mit ihnenist vielfach durch Jahrhunderte das Loos dieser Unglücklichen gewesen. Später, aber dafürauch in verständigerer, menschenfreundlicherer Weise hat sich die Aufmerksamkeit den vonKindheit an geistig Verkürzten zugewendet. Der Anfang ihrer Beachtung ist zugleich derAnfang ihrer körperlichen, geistigen und sittlichen Hebung, die Rettung vor hülflvsen Ver-sinken gewesen. Kein Wunder, daß dabei bezüglich der Auffassung der Ausgabe und derWahl der Mittel manche Täuschungen und Einseitigkeiten sich ergeben haben. Nur in einerHinsicht, bezüglich des körperlichen Gedeihens, ist, was inan erwartet hat, völlig cingetrvffcn;die bessere Pflege in den Anstalten hat die ergiebigsten Folgen für körperliches Befindenund Lebensdauer der Aufgenommenen alsbald bewirkt. In geistiger Hinsicht aber hatteman die Erwartungen weit überspannt. Die pomphaft angekündigte Menge vonHeilungen ist nicht zum Vorschein gekommen, und wir wissen, warum sie nicht hat kommenkönnen, warum wirkliche Heilungen der Idiotie immer eine verschwindend kleine Minder-zahl bleiben müßcn gegenüber der großen Menge von Fällen, in denen es sich nurhandeln kann um eine im Laufe vieler Jahre erreichbare Besserung, die in freierem,geregelterem Gebrauch ^er vorhandenen, größeren oder kleineren Bruchstücke oder Restedes Seelenlebens besteht. Die erfolgte Täuschung ist, soweit sie nicht übler Absichtentsprungen, hauptsächlich wohl aus dein Umstand hcrvorgegangen, daß im Anfang diehumane Seite des Werkes, die Pflege und Erziehung fast allein, die wissenschaftlich-ärztliche dagegen nur wenig ins Auge gefaßt wurde. Erst allmählig hat die ärztlicheWelt ihre Aufmerksamkeit diesen Anstalten zugewandt, und als Folge hat, wie bei denvi Irrenanstalten, nicht ausbleiben können, daß den höher strebenden Anstalten allmähligAerzte als ständige Berather beigegeben, theilweise auch als Leiter vorgesetzt wordensind*). Erst die in solcher Weise ergänzten Anstalten haben gezeigt, was für ihreInsassen erreicht werden kann. Allein auch bezüglich der letzteren ist es nöthig, dieArt der Anstalt näher ins Auge zu fassen. Während es wohl kaum eine einzige reineCrctineuanstalt von einigem Umfang giebt, finden sich dagegen um so häufiger Anstalten,welche wenige oder keine Cretinen enthalten; was sie davon haben, ist mit den tiefst-stehcuden Idioten in einer besonder» Pflegeabtheilung beisammen, deren einfache Auf-gabe schon in ihrer Benennung sich ausspricht, während die Heilabtheiluug eben nur

*) Wo die Rücksicht auf Einheit der Leitung dazu führt, zu entscheiden, ob der Vorstand einArzt oder ein Lehrer und Erzieher sein soll, wird zmcckmäßigerweise die Wahl auf die erste Be-rufsart fallen. Immer wird es ein Mann von vielseitiger Bildung und weilem Gesichtskreise seinmüssen. Ein solcher ersetzt durch späteres Lernen wohl hie und da den Mangel, daß er nicht vonHause auö Erzieher ist; den aber, daß er nicht Arzt ist, kann er nie ersetzen.