Druckschrift 
1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
Seite
1020
Einzelbild herunterladen
 

1020

Crctimsillils und Idiotismus.

Körperlich und geistig ganz dieser Form entgegengesetzt ist jene, die oben als derAztekentypus' erwähnt worden ist; (sehr ausgeprägte Exemplare dieser Form sind vorlängerer Zeit als angebliche Ueberreste des untergegangenen amerikanischen Aztekenvolkesgezeigt worden; daher der Name); Beispiele mäßigen Grades, die sich diesen Bildernnur annähern, finden sich wohl in jeder Jdiotcnanstalt. Es sind kleine Geschöpfe mitkrankhaft kleinem (mikroccphalcm), dabei vogelähnlickem Kopfe, aber von ebenmäßigem,schlankem, zuweilen wirklich zierlichem Körperbau; die Nasenwurzel liegt meist so hochdaß die Stirne, wie beim Vogel, gerade in die Nase übergeht. Diese Wesen sind vonäußerster Lebhaftigkeit, haben leichte, wohlgeordnete Bewegungen, sind heiter, leichterregbar, neugierig, aber auch sehr launenhaft, fast aller Aufmerksamkeit bar, wennauch manche ordentlich sprechen können-, ihr Gehirn hat durch die Verkümmerung derobern und die überwuchernde Ausbildung der untern d. h. der dem Rückenmark nahenTheile und des kleinen Gehirns eine ausgesprochene Affenähnlichkeit und damit stimmtihr geistiges Verhalten überein, das den vollsten Gegensatz bildet zu dem der gewöhn-licheren Cretinen.

Die Zeit, wo der Cretinismns anfängt deutlich zu werden, ist gewöhnlich daszweite oder dritte Vierteljahr des Lebens. Diese Kinder essen und schlafen, aber ihrGesicht bleibt regungslos; kein Lächeln, kein Weinen, keine Neugierde, Noch Abneigung;die Zahnung geht sehr langsam, die Zähne werden bald wieder schlecht, die Zungehängt zum Munde heraus; das Kind lernt kaum vor dem sechsten Lebensjahr, zuweilenselbst da noch nicht gehen; der Ausdruck der Geisteslecre ist alsdann schon ganz ausge-sprochen, die Krankheit ist zu ihrem Ende und Abschluß gelangt. Während die auf dieErhaltung des Körpers abzielenden Verrichtungen, die Ernährnngsvorgänge zumal,im allgemeinen geordnet vor sich gehen, ist doch die ganze Haltung der Cretinen schlaff,die Stimme ist mißtönend und eine deutliche Lautbildung fehlt den Vollcretinen gänzlich,während die Halberetinen wenigstens stottern, die Laute vertauschen, im Reden stockenund undeutlich anssprechcn. Alle Bestrebungen beschränken sich fast gänzlich auf dieSelbsterhaltung; im übrigen ist blödsinnige Gleichgültigkeit gegen die Außenwelt dieRegel, und wo starke Reize ausnahmsweise eine Rückwirkung hervorlocken, findet dieselbenie in angemessener, sondern in übermäßiger Weise, fast nie in freudiger Art, sondernmeist in Gestalt von Furcht oder Zorn ihren Ansdruck. Bis zur Mannbarkeit werdendie Züge gröber, eckiger, älter, die Haut wird oft dunkel, rauh und grob; der Körperbleibt klein; die geistige Entwicklung kommt gar nicht oder nur in ihren gröbsten Zügenzu Stande, die gleichgültig-stumpfe, trübselige Geistes- und Gcmüthsbcschaffenhcit nbcr-wicgt. Die Mannbarkeit tritt spät, zuweilen erst im zwanzigsten Jahre ein (die männ-lichen Cretinen schwersten GradcS sind übrigens fast immer unvermögend, die weiblichensehr oft unfruchtbar); mit der Mannbarkeit fängt auch schon das Alter an, denn vonda an ist im Körperlichen und Geistigen fast keine Entwicklung mehr warnehmbar.

Es ist bereits darauf hingewiesen worden, wie allgemein in ausgeprägten Cretinen-gegendcn die krankmachcnde Ursache den Menschen, wenigstens den noch in der kindlichenEntwicklung begriffenen, beeinflußt. In der That ist in solchen Bezirken die. ganzeBevölkerung mehr oder minder von der Krankheit befallen. Außer den eigentlichenCretinen, Halbcretinen und Kropfigen finden sich eine Menge schwachköpfiger', verküm-merter , ein schlechtes Verhältnis der Körpertheile zu einander anfweisendcr Menschen,viele Taubstumme, Stotterer und Stammler, Schwerhörige, Schielende (diese in ganzabsonderlicher Häufigkeit, wie überhaupt das Schielen, wenn cs in Familien mehrfachauftritt, einer der stärksten Hinweise auf eingebürgerte Gehirnentartnng ist); es gehtein allgemeiner Zug körperlichen Herabgekommenseins und geistiger Verdumpfung durchdie ganze eingeborene Bevölkerung, und auch diejenigen einzelnen, welche für gesundund klug gelten, sind durchschnittlich unschön, beschränkt , träge, und es wimmelt vonengherzigen Philistern, die den Mangel an Geist keineswegs durch gute Eigenschaftendes Gemüthcs ersetzen.

Wenden wir uns jetzt, nach der Schilderung des Idiotismus und des Cretinismns,