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1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
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CrctinisimlS und Idiotismus.

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nach verschiedener.und sich theilweise gegenseitig ersetzender Anlässe verdanke. Zn deni wichtigsten unter ihnen gehört einer, der auch für die Entstehung des WechselsiebersI eine hervorragende Bedeutung hat, nämlich große Feuchtigkeit des Bodens und der Luftdurch Grundwasser, Sümpfe, Ueberschwemmungen, viel Gewässer und Nebel. An vielenI Orten haben auch (ähnlich dem Wcchselfieber) mit besserer Regelung der Flüsse, Aus-trocknung der Sümpfe u. dgl. Kropf und Cretmismus sehr abgenommen, ja sind ganzverschwunden, und die weit zurückreichenden Angaben über allgemeine Abnahme beiderErscheinungen in ganzen Theilen Europas sind deshalb um so glaubwürdiger, weilerweislich mit Zunahme der Bevölkerung und des Ackerbaues die Feuchtigkeit allgemeinabnimmt. Uebrigens giebt es sehr trockene Cretincnorte und ganze, sehr feuchte Länderohne Kropf und Cretinismus. Die Abhängigkeit des Kropfes und des Cretinismusvom Kalkgehalt des Wassers, vom Jodgehalt desselben oder der Luft ist längst wider-legt. Dagegen ist, was den Boden betrifft, übereinstimmend nachgewiesen, daß beideKrankheiten auf reinem Kalkgestein (Jurakalk, nächstdem auch Kreide) nur selten Vor-kommen, auch auf Granit und Gneis noch mehr vereinzelt, besonders häufig dagegenauf Keuper, Dolomit, Thonschiefer, auch (wenigstens in Württemberg) auf dem buntenSandstein. Im übrigen haben wenige von den sonst aufgestellten Sätzen sich als gültigfür größere Gebiete erwiesen.

Von der Nachhaltigkeit und der Stärke des Einflusses der krankmachenden Ursachezeugen die Heiden Thatsachcn, daß Familien, die aus Cretinengegenden auswandern,trotz Zufuhr fremden Blutes oft noch in mehreren aufeinanderfolgenden Geschlechterncretinistische Kinder erzeugen und daß umgekehrt allein Cretinismus fernstehende Eltern,wenn sie in einer Cretinengegend sich ansäßig machen, sehr gewöhnlich dort cretinischeKinder erzeugen, ja selbst zuweilen ihre gesund dorthin gebrachten Kinder cretinisch ent-arten sehen. So hat sich denn auch die an einzelnen Cretiuenorten beobachtete Sitte,gesunde Mädchen von freien Orten als Frauen zu suchen, gar nicht als nachhaltigwirksam erwiesen; auch ihr Nachwuchs ist dem Cretinismus verfallen. Im allgemeinensoll sich der Cretinismus inehr noch von väterlicher, als von mütterlicher Seite fort-, pflanzen und er tritt früher am Kinde (doch selten schon am neugeborenen) zu Tage> als die leichteren Grade des Idiotismus. Aus dein Gesagten erhellt allein schon,

! wie wichtig ein möglichst frühzeitiges Verlassen der Cretinengegend ist als Schutz gegen! die volle Entwicklung des Cretinismus an einem dort geborenen Menschen.

Die Art von Misstaltung, welche der Cretinismus am Kopfe bewirkt, ist nichtj immer dieselbe; alle beim Idiotismus erwähnten Formen kommen vor, besonders aberdiejenigen, welche durch zu frühe Verwachsung der Knochen am Schädclgrund oder amSchädelgewölbe bedingt sind; am häufigsten sind die allgemein zu kleinen (mikrocephalen)und die zu kurzen (brachycephalen) Köpfe; die gröbsten und zwar an Zahl nicht vor-herrschenden, aber für die Cretinengegenden am meisten bezeichnenden Misstaltungenliefert aber die oben erwähnte zu frühe Verwachsung der Knochen am Schädelgrunde;oft liegt hier offenbar ein verbreitetes Leiden mit zu früher Verknöcherung der Knorpelauch an den Röhrenknochen der Glieder*) und dadurch bedingter Wachsthumshemmungzu Grunde; denn in den höheren Graden des Cretinismus gesellt sich ein allgemeinesZuklcinbleiben, ein völliger Zwergwuchs zu dem groben, breiten Körperbau, dem un-förmlich großen Kopf, den dicken Lippen, wulstigen Augenlidern, der breiten Stumpf-nase mit eingedrückter Nasenwurzel, den alten, grämlichen Zügen, der faltigen Haut.Diesem schlimmsten Bilde nähert sich eine Menge von Fällen, die Mehrzahl aller Cretincn,und sie erhalten dadurch gewißermaßen einen gemeinsamen Familicnzug. Ihr geistigesLeben hat ganz den gleichgültig-trägen Ausdruck der vollkommenen Gemüthlosigkeit,äußersten Dummheit, ohne Sprache, hie und da mit Neigung zu wilden Zornausbrüchen.

*) Ein in manchen Beziehungen der englischen Krankheit (Rachitis) nach fachmännischenNachweisungen nicht von abgeleitet gerade entgegengesetztes Leiden; die wahre Rachitissieht man ohnedies nie in Cretinismus übergehen.