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Crctliiismus und Idiotismus.
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allerdings auch schon in früheren Gruppen mitbegriffen, nämlich solche Kranke, bei denendie Fallsucht nur eine begleitende Erscheinung des ebenso früh schon vorhanden gewesenenIdiotismus ist. Ein anderer Theil aber nimmt dadurch eine besondere Stellung ein,daß bei ihnen der Idiotismus erst auf Grund einer langen Reihe von Anfällen derFallsucht sich entwickelt hat. Beide Arten haben das gemein, daß die Fortdauer undHäufigkeit ihrer Anfälle in der auffälligsten Weise bedingend erscheint für die Erschwerungoder Berminderung ihres geistigen Leidens.
Wir haben im Bisherigen das allgemeine Bild des Idiotismus entworfen. Fügenwir, soweit es nicht schon geschehen, noch bei, welche Entwicklung und Veränderungdasselbe an einzelnen Idioten -— vorerst abgesehen vom Einflüsse pädagogischer Be-handlung — zu erleben fähig ist. Es ist oben darauf hingcwiesen worden, wie da,wo wir Idiotie warnehmen, regelmäßig die zu Grunde liegenden Erkrankungen desI Gehirns ihren ganzen Verlauf beendet haben; es sind Veränderungen im Bau und cs
A ist sozusagen — aber in einer schiefen Stellung — eine neue Gleichgewichtslage für die
Verrichtungen des Gehirns hergestellt. Alle bisherige Erfahrung hat gezeigt, daß jeneVeränderungen weder durch das eigene Vermögen der Natur, noch durch ärztliches Ein-greifen rückgängig werden; es stimmt das auch völlig überein mit unserer Beobachtung! an anderen Körperthcilcn, wenn jene oben für das Gehirn geschilderten Vorgänge ein-mal über sie hingcgangen sind. Die Entwicklung des Gehirns, sein richtiges Wachs-
thum ist also, wo Idiotie sich zeigt, regelmäßig dauernd gehemmt und in dieser That-> fache liegt auch die Nothwendigkeit, daß die geistige Beraubung eine unabänderlichebleibe. Die Folge ist, daß eine Heilung der Idiotie nur in gewissen Ausnahmsfällcnals möglich zu denken ist (die wirklich behaupteten Fälle unterliegen thcilweisc vielfacherBeanstandung), nämlich dann, wenn die Gehirnkrankheit schon in der ersten Zeit ihrerEntwicklung zu ärztlicher Beobachtung kommt und dabei vermöge ganz besondern Ursprungs(z. B. aus Syphilis und gewissen andern den ganzen Körper betreffenden Störungen)einer erfolgreichen Behandlung zugänglich ist, und ferner, wenn sic, wie wir in gewissenFällen annehmen dürfen, ohne tiefere Veränderungen im Bau des Gehirns sich entwickelthat; dahin gehören Vorkommnisse, wo sehr früh schon geübte Selbstbcfleckung oder sehrstich eingetretene, häufig wiederholte Anfälle von Fallsucht oder wo höchst ungünstigeAußenvcrhältnisse (äußerste Verwahrlosung) den Idiotismus herbeigeführt haben oderwo bei schwächlichen Kindern ein außerordentlicher Grad von Scheu oder von Erreg-barkeit — selbst schon gegenüber etwas lebhafteren Sinncseindrücken — alle bisherigenVersuche der Anregung und Erziehung vereitelt hat.
Weitaus an Zahl überwiegen unter diesen günstige Aussicht bietenden Idioten dieepileptischen. Da wo der Idiotismus ganz nur Folge der Fallsucht ist, sehen wir beider neuerdings häufigeren Heilung der letzteren gewöhnlich auch den Idiotismus sichbedeutend bessern, hie und da völlig schwinden, und Aehnliches, natürlich abgeschwächt,gilt für viele Fälle der von Anfang mit Fallsucht verknüpften Idiotie.
Wenn auch nicht Heilung der Idiotie, doch eine solche Besserung, welche aufWiederaufnahme der unterbrochenen Entwicklung des Gehirnes schließen läßt, tritt ohneZweifel in nicht seltenen Fällen ein; Vorbedingung ist dabei, daß die Hirnkrankheit,. die den Idiotismus herbcigcführt hat, völlig und ohne ausgedehnte Veränderungen zu, hinterlassen, abgclaufen sei.
In der ungeheuren Mehrzahl der Fälle ist dagegen weder von einer ganzen, nochvon einer unvollständigen Wiederaufnahme der gehemmten Entwicklung und Nachholungdes Versäumten die Rede. Es sind aus dem großen Schiffbruch Reste des Seelenlebensgerettet worden, und die einzige Art von Besserung, die hier möglich ist, kommt künstlichzu Stande, indem durch sorgfältige Anleitung diese Neste möglichst ansgebildet werden.
Je geringer demnach die Aussichten auf Heilung, um so dringender ist die Auf-forderung, den Quellen des Nebels nachzuforscheu, um sie zu verstopfen. Voran stehtunter diesen die Erbschaft von solchen Vorfahren (an: häufigsten von den unmittelbarenErzeugern), welche mit demselben oder mit andern schweren Gebrechen des Gehirns oder